ZDF-Sendung „Precht“ Gemeinsam gegen Google

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Manchmal kommt das ZDF seinem Bildungsauftrag nach

Precht steigt gerne auf Amerika-Metaphern ein: „Die Daten sind aber noch im Zustand des Wilden Westens“. Wir müssten aufpassen, nicht in die Rolle der damaligen Indianer zu geraten oder sind es schon. Darauf können sich beide einigen. Wir dürften aber auch keine Prohibitionsdebatte führen, warnt Steingart. Er scheint selbst überrascht, so viel Kulturpessimismus bremsen zu müssen. Er vertraue auf deutsche Datenschutzgesetze und auf Politiker wie Martin Schulz und Sigmar Gabriel (die sich auch an Schirrmachers Debatte beteiligt hatten). Der Datenschutz der Gegenwart sei mit dem Umweltschutz der 1970er Jahre zu vergleichen, der damals noch kaum eine Rolle spielte, später aber zum Konsens wurde.

Konkret wird es kaum. „Datenfabriken werden als Wolke bezeichnet“, sagt Steingart, seien aber „die Diebstahlstätten unserer Datensätze“. Auch da wäre konkretes Nachfragen schön gewesen, schließlich handelt es sich bei der Verlagerung der Daten in Clouds um einen laufenden Prozess. Precht, der Kölner, schlägt vor, Daten zu „karnevalisieren“, was immer das ist, damit Google sie nicht nutzen könne. Ob seine Idee einer „Prüfung fürs Internet, wie die theoretische Prüfung beim Führerschein“, ernst gemeint ist, bleibt unklar. Es klingt so, wie Politiker, wann immer sie sich über digitale Medien äußern sollen, reflexhaft die Floskel bemühen, dass unbedingt die Medienkompetenz gestärkt gehöre, am besten schon in der Schule, und dann über was anderes reden.

Fazit: Recht kurzweilig war die Dreiviertelstunde, man hat einiges gelernt. Ich zumindest hatte vorher nicht gewusst, wer „erstmals in der Menschheitsgeschichte" den Begriff der Privatsphäre definiert hat (Samuel Warren 1890). Fast beiläufig Wissenswertes einzustreuen, das beherrscht Precht. Nach Mitternacht kommt das öffentlich-rechtliche Fernsehen seinem Bildungsauftrag manchmal noch nach.

Ansonsten: Ich persönlich bin auch Google-skeptisch. Man kann (keineswegs nur Jugendliche) nicht oft genug darauf hinweisen, dass niemand alles googeln muss, sondern auch andere Suchmaschinen nutzen oder Lesezeichen setzen kann, würde ich sagen. Aber wenn zwei relativ gleich gesinnte Google-Gegner in Abwesenheit von Vertretern anderer Meinungen ihre Ansichten austauschen, ist das nicht ungeheuer erhellend. Hätte Precht besser mal einen Digital-Aficionado à la Sascha Lobo eingeladen und sich auf ein Streitgespräch eingelassen.

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5 Kommentare zu "ZDF-Sendung „Precht“: Gemeinsam gegen Google"

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  • Insgesamt eine der besseren Talksendungen. Es wurden zumindest einige der wirklichen Bedrohungen durch Big Data und die Monopolisierung im Internet angesprochen. Der Vergleich mit der Erobung Amerikas und dem Frühkapitalismus sind durchaus zutreffend.

    Während hierzulande die Diskussion um Leistungs- und Urhebrrechte einseitig im Sinne der Interessen großer Medienunternehmen geführt wird, die Millionen als Zwischenhändler verdienen wollen, und zu blöd sind zeitgemäße Preis- und Vertriebsmodelle zu entwickeln, wird das zentrale Thema noch nicht einmal im Ansatz erkannt. Sind persönliche Daten in der cloud oder geklaut oder beides. Wobei wir wieder am Anfang des Kapitalismus sind, als sich die entscheidenden Rohstoffe einfach angeeignet wurden. Mit Macht und ohne gesetzliche oder staatliche und damit soziale Grundlage.

    Da wirkt Steingarts Hoffen auf die in wenigen Ansätzen vorhandene Bewusstheit weniger Politiker schon seltsam. Schließlich wird gerade sein eigener Berufsstand durch den Wildwest-Datenkapitalismus in Monopolstrukturen ausradiert.

    Leider wurde nicht thematisiert, dass als Folge der Internetialisierung die Demokratie verschwinden wird und wir wieder in einer Form des Feudalismus landen werden. Die Vernichtung der Grundrechte und Ausradierung der Mitelschicht entzieht jeder Demokratie ihre Grundlage. Ein Gemeinwesen funktioniert eben nicht mit wenigen Ultrasuperreichen und einem Heer an superarmen. Das ist niemals staatstrageng bzw. Die Grundlage eines Gemeinwesens.
    (vergleiche hierzu die Analyse von Jason Lanier "Wem gehört die Welt").

    Die Demokratie hat damit einen zweiten sehr mächtigen Feind bekomme. neben der Konzentration des Kapitals nun die Konzentration der persönlichen Daten. Der erste Krieg ist nach Buffet schon entschieden. Wenn nun auch der Datenkrieg verloren geht werden wir uns dem Urzustand wieder annähern. Heil dem Politiker, der auch nur einen der beide Kriege führt und im Sinne der Mehrheit gewinnt.

  • Insgesamt eine der besseren Talksendungen. Es wurden zumindest einige der wirklichen Bedrohungen durch Big Data und die Monopolisierung im Internet angesprochen. Der Vergleich mit der Erobung Amerikas und dem Frühkapitalismus sind durchaus zutreffend.

    Während hierzulande die Diskussion um Leistungs- und Urhebrrechte einseitig im Sinne der Interessen großer Medienunternehmen geführt wird, die Millionen als Zwischenhändler verdienen wollen, und zu blöd sind zeitgemäße Preis- und Vertriebsmodelle zu entwickeln, wird das zentrale Thema noch nicht einmal im Ansatz erkannt. Sind persönliche Daten in der cloud oder geklaut oder beides. Wobei wir wieder am Anfang des Kapitalismus sind, als sich die entscheidenden Rohstoffe einfach angeeignet wurden. Mit Macht und ohne gesetzliche oder staatliche und damit soziale Grundlage.

    Da wirkt Steingarts Hoffen auf die in wenigen Ansätzen vorhandene Bewusstheit weniger Politiker schon seltsam. Schließlich wird gerade sein eigener Berufsstand durch den Wildwest-Datenkapitalismus in Monopolstrukturen ausradiert.

    Leider wurde nicht thematisiert, dass als Folge der Internetialisierung die Demokratie verschwinden wird und wir wieder in einer Form des Feudalismus landen werden. Die Vernichtung der Grundrechte und Ausradierung der Mitelschicht entzieht jeder Demokratie ihre Grundlage. Ein Gemeinwesen funktioniert eben nicht mit wenigen Ultrasuperreichen und einem Heer an superarmen. Das ist niemals staatstrageng bzw. Die Grundlage eines Gemeinwesens.
    (vergleiche hierzu die Analyse von Jason Lanier "Wem gehört die Welt").

    Die Demokratie hat damit einen zweiten sehr mächtigen Feind bekomme. neben der Konzentration des Kapitals nun die Konzentration der persönlichen Daten. Der erste Krieg ist nach Buffet schon entschieden. Wenn nun auch der Datenkrieg verloren geht werden wir uns dem Urzustand wieder annähern. Heil dem Politiker, der auch nur einen der beide Kriege führt und im Sinne der Mehrheit gewinnt.

  • Fürs Puntila QM nachgebessert:

    Prescht argumentierte in der Sendung jedenfalls dünnbrettig.

    Es wäre unfair: ihm das für alle Zeiten weiter attestieren zu wollen.

    Aber schade war es schon, ein solches Thema dermaßen an der Oberfläche plätschern zu sehen.

  • Gemeinsam gegen Google

    ...und Google ist auch nur Teil des Problems und nicht das Problem ansich.
    Man kann sich noch so vieler anderer Suchmaschinen bedienen wollen: beim FB-Account wars das dann mit der Datendisziplin - dabei alimentiert der FB-User den Laden ebenso wie der Google User den anderen Laden alimentiert - und zieht allerdings auch selbst einen Nutzen: den der Accountnutzung.

    Der Useraccount ist ohnehin ein Vertrag auf Gegenseitigkeit: Der User liefert seine persönlichen Daten kostenfrei und darf dafür den angebotenen Content (bislang noch weitgehend) kostenfrei nutzen.

    Soweit so gut.

    Und dann geht es ja auch noch weiter...
    Und dann ist auch die Sendezeit um.

    Interessant war die Sendung, nur wegen Steingart gesehen btw, allemal.

    Precht ist und bleibt ein Dünnbrettbohrer^^

  • Lieber Herr Steingart!

    Sie haben offenbar Gedächtnisstörungen. "Früher", also zu Zeiten Ihrer Jugend Ende der 70er, konnte man das KM in jeder Buchhandlung als Reclam-Heftchen für kleines Geld erwerben. Viele hatten es auf Lager oder man bestellte es innerhalb eines Tages unter einem Namen wie Fritz Mayer. Wer in Flensburg darauf wert legte, dass auch PoPo, VS und MAD im Bild waren, kaufte den Bestandsartikel im politischen Buchladen Tigerberg. Ich habe da aber ganz andere Sachen gekauft. Das KM befand sich in meinem Bestand, weil ich es für den Unterricht an einem kommunalisierten "staatlichen naturwissenschaftlichen Knabengymnasium" in NRW in derselben Buchhandlung gekauft habe, in der ich auch immer meine Schulbücher erwarb. So war das früher.

    Nicht dunkler war es, sondern anders! Im Gegentum, um mal einen Spruch der Zeit zu recyceln: Das Internet vergisst wie von Sinnen. Nur wenige Seiten posten Inhalte, die älter als z.B. 5 Jahre sind. Von Nachrichten aus dem letzten Jahrtausend ganz zu schweigen.

    Heutzutage bekommt aufgrund der Übermenge unwesentlichen Datenmülls, der einen bei jeder Gelegenheit überschwemmt (wenn das Suchergebnis nicht leer ist), eher schlechter an Informationen. Lesen Sie doch noch mal Jamiris Schwanzvergleich bezüglich Internetsuchergebnisse mit Wiglaf Droste (das ist als Comic online).
    Und vergleichen Sie es dann mit den Zahlen der aktuellen ergebnisse einer gerade durchgeführten Suche.

    Douglas Adams nannte es im "Anhalter" glaube ich "Verstecken durch offenes Präsentieren" oder ähnlich. Da kommen Sie mit Ihren Bildungslücken vielleicht weiter...

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