Morning Briefing 10. August „Burka-Gate“ für Boris Johnson

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
eben noch war Alexander Boris de Pfeffel Johnson, 54, der Rebell von Westminister, halb Anarcho, halb Krawallbruder, ein Außenminister von Vaudeville-Qualität – und doch einer, dem man das Amt des Premiers zutraute. Nun aber prüft seine Konservative Partei Disziplinarmaßnahmen. Johnsons öffentlicher Vergleich von Frauen in Burkas mit Briefkästen und Bankräubern ist selbst dem an schrägste Satire gewöhnten englischen Volk ein paar Umdrehungen zu viel. Eine Entschuldigung lehnt der einstige Bürgermeister von London ab; das würde auch nicht zu seinen Spielkünsten für die Galerie am rechten Rand passen. Das Land diskutiert über Borexit fast so stark wie über Brexit.

Quelle: AFP
Hoffnung aller Trump-Gegner: Alexandria Ocasio-Cortez.
(Foto: AFP)

In den USA ist sie die Hoffnung aller Trump-Gegner, eine laute, linke, leidenschaftliche Politikerin. Eine, die wohl im Herbst die jüngste Frau sein wird, die jemals in den US-Kongress gewählt wurde. Die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez, 28, für alle „AOC“, hat einen Blitzaufstieg hinter sich und in New York starke Konkurrenz geschlagen. Unsere US-Korrespondentin Annett Meiritz porträtiert einen Jungstar der progressiven Bewegung, der allen Mut macht: „Wenn wir jetzt unsere kleinen Hintern bewegen, müssen wir nicht zehn Jahre auf einen Umschwung warten.“

93 Tote, 34 Verletzte und Behörden im monströsen Ansehensverlust – das ist die vorläufige Bilanz des Brand-Infernos vom 23. Juli in einer Stadt östlich von Athen. Der griechische Premier Alexis Tsipras will nun mit einer halben Milliarde Euro den Katastrophenschutz seines Landes neu ordnen und hat deshalb Brand-Experten des Freiburger Max-Planck-Instituts für Chemie um Hilfe gebeten. Landsmann Sokrates ist als Ratgeber auch nicht schlecht: „Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser.“

Quelle: AFP
Bundeskanzlerin Merkel trifft am Wochenende Spaniens Premier Pedro Sánchez.
(Foto: AFP)

Eine seltene Arbeitsteilung ist in Berlin zu beobachten. Erst klärt Horst Seehofer die Dinge, dann tritt Angela Merkel souverän als Regierungschefin auf. Nachdem also der Bundesinnenminister von der schweißtreibenden CSU am Mittwoch eine Einigung mit Spanien über die Rückführung von Flüchtlingen verkündet hat (Abschiebung innerhalb von 48 Stunden), reist die Bundeskanzlerin an diesem Wochenende nach überstandenem Urlaub zu Premier Pedro Sánchez nach Andalusien. Spanien ist das neue Hauptziel von Emigranten aus Afrika, und man darf gespannt sein, welche Hilfen aus Deutschland der verständnisvolle Señor Sánchez erwarten darf.

„America First“ ist ein Anspruch, der zu Lande, im Wasser und in der Luft gilt, und damit erst recht im Weltall. Also macht sich Vizepräsident Mike Pence auf Hinweis des US-Präsidenten Donald Trump tatsächlich daran, bis 2020 eine eigene Truppe für die Verteidigung im Universum zu formieren. „Die Zeit ist reif für eine United States Space Force“, deklamiert er. Star Wars im Hier und Heute. Natürlich unterlegt Pence seine Forderungen mit Warn-Informationen über die neuen Weltraumwaffen von Russland und China.

Quelle: dpa
Onlinemarktplätze wie Amazon verführen offenbar zum Steuerbetrug.

Onlinemarktplätze sind nicht nur billig und bequem – sie verführen auch offenbar zum Steuerbetrug. Besonders Importe aus China tun sich da hervor, analysiert unsere Titelstory. Der Schaden durch nicht gezahlte Einfuhrumsatzsteuer aus dem Onlinehandel mit der Volksrepublik liege in der EU bei jährlich fünf Milliarden Euro, schätzen Experten. Via Amazon und Ebay würden Deutschland 800 Millionen Euro entgehen. Die Bundesregierung will bis Dezember ein neues Gesetz gegen den Steuerbetrug durchbringen.

Und dann ist da noch die Volkswagen-Currywurst, in Millionendimension hergestellt in der eigenen Konzernfleischerei. Die Lebensmittelprodukte sind als Kantinenfutter an den VW-Standorten höchst populär, in Stückgrößen hängen sie die Automobile ab. Doch nach Kraft und Mondelez kommt der Ketchup zur Wurst nun von Develey aus Unterhaching bei München. Vielleicht schmeckt die rote Soße inzwischen zu sehr nach scharfem Senf, jedenfalls ist die Unruhe in den Currywurst-Etagen des größten deutschen Industriekonzerns groß. Ein neuer Ketchup soll her. Die in Wolfsburg versprechen, weiter an der Rezeptur zu arbeiten. Und alle merken, bei VW geht’s wirklich um die Wurst.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende, die Wetterlage soll nach den gestrigen Sturmschäden wieder angenehm sein.
Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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