Morning Briefing 10. Juli Der Primetime-Präsident

Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
in die Primetime, die beste Fernsehzeit, hat Donald Trump die Kür des neuen Richters am Supreme Court gelegt. Für den US-Präsidenten ist Politik auch TV-Programmarbeit, eine Mischung aus Castingshow, Wrestling und News. Schließlich hat es Ronald Reagan vor vielen Jahren auch so ähnlich gemacht. Und so bekamen viele Amerikaner vor wenigen Stunden mit, wie der verlässlich konservative Brett Kavanaugh zum designierten Mitglied des obersten amerikanischen Gerichts wurde. Trump richtet sich in der Macht ein.

Quelle: AFP
Der britische Außenminister Boris Johnson ist zurückgetreten.
(Foto: AFP)

Die Regierungskrise in London ist zwei Jahre alt, heißt „Brexit“ und hat nun zwei Minister aus dem Amt getrieben. Vor allem der von ihm selbst mit Sprüchen derberer Art begleitete Abgang des Außenministers Boris Johnson (Ersatz: Jeremy Hunt) hat das Zeug, sich zum Fiasko inklusive Machtwechsel auszuweiten. Für den Fan eines harten Brexit ist sein Land nun fast im Status einer „Kolonie“, weil Theresa May eine Freihandelszone für Güter und Dienstleistungen mit der EU will. Einst fand die Premierministerin, es sei besser, wenn Johnson in ihrem Zelt sei und nach außen urinieren würde. Nun ist er außerhalb des Zelts.

Die Gespräche zwischen Chinas Premier Li Keqiang und Kanzlerin Angela Merkel in Berlin haben dagegen die harmonische Qualität von Handarbeitskursen. Nachdem der Emissär aus Peking Marktzugang für deutsche Banken versprach, sollen heute gemeinsame Aktivitäten beim autonomen Fahren fixiert werden. In Zeiten fortgesetzter Handelsaggression durch die USA haben sich beide Staaten Ruhe verordnet, aus der Kraft wächst. Trump schieße „sowohl auf die ganze Welt als auch auf sich selbst“, schreibt Shi Mingde, chinesischer Botschafter in Berlin, im Handelsblatt.

Quelle: dpa
Albert Darboven will mit allen Mitteln seinen Sohn in der Erbfolge umgehen.

Ein Adoptionsverfahren am Amtsgericht Hamburg-Blankenese bringt die hanseatische Society aus der Fassung. Albert Darboven, 82, will ausgerechnet den Spross eines anderen alten Kaffee-Clans zum Neu-Sohn erheben: Andreas Jacobs, 54. Beide eint die Liebe zur Pferdezucht und zur Macht, was wiederum Darbovens leiblichem Sohn Arthur missfällt. Zusammen mit drei Verwandten wirft der Filius (Anteil der Gruppe: 42,5 Prozent) dem Patron „Bruch mit den Werten des Unternehmens und der Familie“ vor. Die Dinge sind so weit fortgeschritten, dass man sie nicht mehr beim Tässchen Idee-Kaffee klären kann.

Mythos 1: In jenen dürren Tagen nach dem Zweiten Weltkrieg, als Deutschland den Neustart suchte, waren sportliche Erfolge eine Kraft. Fast so stark wie der Berner Fußball-WM-Erfolg 1954 wirkten die Parcours-Bewältigungen eines jungen Springreiters und seiner nervösen Stute: Die Nation huldigte Hans Günter Winkler und „Halla“, die 1956 olympisches Gold gewannen. Winkler, der noch viermal Olympiasieger wurde, ist jetzt im Alter von 91 Jahren in Warendorf gestorben.

Mythos 2: Die Schönheiten der Warenwelt gab es viele Jahre in Katalogstärke, zentimeterdicke Manifestationen des konsumbejahenden Volkswillens, und jedes Mal war es eine Nachricht, ob nun Claudia Schiffer, Gisele Bündchen, Cindy Crawford oder Heidi Klum das Cover zierten. Otto aus Hamburg hatte sie alle. Nun will der einstige Versender so hip wie Amazon sein; eine gedruckte Litanei des Produkt gewordenen Kapitalismus ist da Frevel. So erscheint der Otto-Katalog am 4. Dezember nach 68 Jahren zum letzten Mal und überlässt Ikea das Feld.

Quelle: dpa
Vielleicht schafft Edmund Stoiber Aufklärung.

Mythos 3: Zu den Beispielen deutscher Ingenieurskunst gehörte die Magnetschwebebahn. Doch der Erprobung in Schanghai („Transrapid“) folgten keine weiteren Projekte. Nun will es die Firmengruppe Max Bögl (Umsatz 1,7 Milliarden Euro) mit einem veränderten System (ohne Hochgeschwindigkeit) neu wissen. Das könne ein „Milliardenmarkt“ werden, sagt CEO Stefan Bögl dem Handelsblatt, ein Partner fand sich im chinesischen Chengdu. Vielleicht erklärt uns ja Edmund Stoiber noch einmal, was das in München für Bahnhof und Flughafen bedeuten könnte.

Ich wünsche Ihnen einen fantasiereichen Tag.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa
Startseite

0 Kommentare zu "Morning Briefing 10. Juli: Der Primetime-Präsident"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%