Morning Briefing 11. Juli Trumps russische Liebe

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zur großen Europareise tritt Donald Trump an, aber so richtig scheint sich der US-Präsident nur auf das Ende am Montag zu freuen: auf das Tête-à-tête mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin, mit dessen Entourage seine Helfer im US-Wahlkampf 2016 so guten Kontakt hatten. Hier trifft Hybris auf Chuzpe. Vorher konferiert Trump an diesem Mittwoch mit den Nato-Partnern, später in der Woche mit Theresa May und der Queen, wobei er den vielen Demonstranten in London geschickt ausweicht. „Ich habe also die Nato, ich habe das Vereinigte Königreich, und ich habe Putin“, verkündet der Reisende: „Putin könnte am einfachsten sein.“

Quelle: AFP
Elon Musk: Der Tesla-Chef darf zwei Fabriken in Schanghai bauen.
(Foto: AFP)

Der Mann aus dem Weißen Haus kann noch so oft von „Handelskrieg“ reden und China-Bashing praktizieren – für die Galionsfiguren seiner Ökonomie hat das offenbar die Relevanz eines Schlaflieds. Elon Musk jedenfalls hat nun für seine Kreation Tesla grünes Licht von den chinesischen Behörden erhalten, zwei Fabriken in Schanghai zu bauen: eine für Batterien, eine für Autos. Eine halbe Million Fahrzeuge sollen von 2020 an in Schanghai entstehen, im ersten Tesla-Werk außerhalb der USA. Tesla First: Noch nicht mal eines der üblichen Joint Ventures mit einer heimischen Firma muss Musk bilden.

Vor dem Oberlandesgericht München endet an diesem Vormittag der NSU-Prozess, nach fünf Jahren und fast 440 Verhandlungstagen. Aber egal, wie das Urteil in dem XXL-Verfahren gegen die mutmaßliche ostdeutsche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte auch ausfallen wird – es bleiben zu viele Fragen. Dafür haben Verfassungsschützer und zunächst auch Polizisten eine zu dubiose Rolle gespielt. Zehn Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle vertragen kein Staatsversagen.

Als „Minister Seltsam“ schafft es Horst Seehofer verlässlich in die Nachrichten. Jetzt präsentierte er zunächst einen veralteten „Masterplan Migration“, der den jüngsten Kompromiss der Union mit der SPD einfach ausließ, dann freute sich der CSU-Mann grinsend über Abschiebungen in lebensgefährliches Gebiet: „Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 – das war von mir nicht so bestellt – Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden.“ Was in seinem Masterplan nicht steht: Schlechte Witze haben generell jedes Bleiberecht verwirkt.

Als Aufbauhelfer bei der Bankenkonsolidierung in Europa grüßt eine amerikanische Finanzfirma. Die Rolle von Cerberus wird immer auffälliger. Die US-Investoren unter Stephen Feinberg dirigieren ein Eigentümerkonsortium bei der HSH Nordbank, halten mindestens fünf Prozent an der Commerzbank und drei Prozent an der Deutschen Bank. Dort berät nun unter Führung der einstigen JP-Morgan-Größe Matt Zames sogar ein Cerberus-Team den unter Zugzwang stehenden Vorstand. Derselbe Trupp hat zuvor die einstige österreichische Gewerkschaftsbank Bawag auf Börsenglanz poliert.

Quelle: dpa
ICE: Die Verspätungsquote aller Fernzüge der Deutschen Bahn liegt bei stolzen 25 Prozent.

Zweimal Rekorde bei der Deutschen Bahn: Die Verspätungsquote aller Fernzüge liegt bei stolzen 25 Prozent und die Digitalisierung des Bahn-Netzes kostet nicht minder eindrucksvolle 35 Milliarden Euro, wie unsere Titelstory analysiert. Das europäische Zugsicherungssystem ETCS soll künftig der Staatsfirma und wohl auch der Karriere des zuständigen Vorstands Ronald Pofalla weiterhelfen. Mit drei Pilotprojekten – S-Bahn Hamburg, Knotenpunkt Stuttgart, Nord-Süd-Magistrale – will der einstige CDU-Politiker dem Bund beweisen, dass sowohl das viele Geld als auch er selbst gut eingesetzt sind.

Und dann ist da noch der langjährige Apple-Ingenieur Xiaolang Zhang. Er wurde vom FBI auf dem Flughafen von San Jose vor dem Flug nach China zu seinem neuen Arbeitgeber X-Motors festgenommen. Die Firma beschäftigt sich wie Apple mit autonomem Fahren, und als Mitbringsel hatte der tüchtige Zhang offenbar wichtige interne Dokumente aus dem US-Konzern organisiert. Die pikante Spionage-Sache offenbart übrigens nebenbei, dass sich bei Apple sage und schreibe 5000 Leute mit dem Zukunftsgeschäft Auto beschäftigen.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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