Morning Briefing 12. Juni Schlag gegen Deutschlands Autokonzerne

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Zeit der gegenseitigen Pöbeleien ist beendet, nun wird Geschichte gemacht. Jedenfalls sieht das die großgeopolitische Regie vor. Um drei Uhr morgens MEZ redeten US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Kim Jong Un in Singapur über Atomwaffen und Abrüstung. Die Spekulationen über eine Einigung liefen bereits zuvor heiß, schließlich braucht jeder der beiden einen Deal. Andererseits spricht der schwankende Charakter der beiden dagegen, dass der Name ihrer Tagungsinsel wirklich Zukunftsprogramm wird: Sentosa oder „Ruhe und Frieden“.

Quelle: AFP
Rupert Stadler: Der Audi-Chef soll Hinweisen auf Abgas-Manipulationen nicht nachgegangen sein.
(Foto: AFP)

Auf die deutsche Autoindustrie war bisher Verlass: Sie meldete Exportrekorde und Höchstgewinne. Nun jedoch liefert sie reichlich Stoff im Wirtschaftskrimi „Dieselgate“. Bei Audi soll Vorstandschef Rupert Stadler Hinweisen auf Abgas-Manipulationen nicht nachgegangen sein, es gab eine Razzia bei ihm Zuhause. Bei Daimler wiederum müssen in Europa 774.000 Autos umgerüstet werden, der Bundesverkehrsminister macht Druck. Die größte Sorge der Belegschaft sei, „dass rund um das Thema Abgas noch viel mehr auf den Tisch kommen könnte als bisher bekannt“, offenbart Betriebsrat Wolfgang Nieke.

Die Tricksereien der Autochefs sind auch im Mittelstand ein Ärgernis. „Das könnte durchaus noch besser laufen“, sagt Unternehmer Werner Bahlsen, Chef des CDU-Wirtschaftsrats, der heute sein Jahrestreffen hat. Er könne sich auch kaum vorstellen, „dass das nur irgendwelche Untergebenen waren“. Auch zum Handelskrieger Donald Trump hat Bahlsen eine klare Meinung: „Ich glaube, er versteht nur eine klare Sprache aus Europa.“ Aussagen zur Vermeidung eines Handelskriegs verstünde der US-Präsident „nur als Einladung“ – für immer neue Forderungen.

Quelle: Reuters
Horst Seehofer: Der „Masterplan Migration“ des Bundesinnenministers findet keine Zustimmung bei der Kanzlerin.

Es sollte der stolze Tag des Horst Seehofer werden, die Enthüllung eines „Masterplans Migration“. Flüchtlinge, die bereits irgendwo anders in Europa registriert sind, sollten demnach an der deutschen Grenze abgewiesen werden. Doch die für Dienstag angesetzte Pressekonferenz entfällt. Angela Merkel, Kanzlerin und CDU-Chefin, hält wenig vom „Masterplan“ des CSU-Chefs, ist zu hören. Da wird aus Seehofer ein „Master of Desaster“ und Parteifreund Joachim Herrmann führt im Handelsblatt das Wort: „Wir können Asyltourismus nicht länger akzeptieren.“

Solche Sätze über Asylbewerber sagen sich in Wahlkampfzeiten leicht. Doch was ist, wenn ein Rettungsschiff mit 629 Flüchtlingen zwei Tage ziellos im Mittelmeer kreuzt, weil Italien die Grenzen dicht macht und mit Malta darüber streitet? So geschah es mit der „Aquarius“. In dieser Lage hilft Spaniens neuer Regierungschef Pedro Sánchez aus: Der Sozialist bietet den Mittelmeerhafen Valencia als sicheren Anlaufpunkt an. Vorgänger Mariano Rajoy wollte von der Aufnahme von Flüchtlingen wenig wissen.

Quelle: AP
Dieser Schnappschuss vom jüngsten G7-Gipfel ist diskutiert worden wie ein Bild von Rembrandt.
(Foto: AP)

Schnappschuss aus La Malbaie, Quebec: Angela Merkel stehend, verwundert. Shinzo Abe, genervt. Und bockig auf dem Stuhl: Donald Trump. Die Szene vom jüngsten G7-Gipfel ist diskutiert worden wie ein Bild von Rembrandt. Was war da los? In unserer Serie „Meet the Ambassadors“ können wir aufklären: Mein Kollege Torsten Riecke diskutiert am Donnerstag in Berlin mit Kanadas Botschafter Stéphane Dion. Wer dabei sein will, schickt mir bitte heute (jakobs@morningbriefing.de) eine E-Mail. Zwei Karten sind reserviert, das Los entscheidet.

Die Frau ist weg, das Vermögen ist weg – und nun verkauft der britische Insolvenzverwalter über ein Online-Auktionshaus auch noch persönliche Stücke aus dem Besitz des Boris Becker. Im Angebot sind Schuhe aus dem australischen Grand-Slam-Finale 1996 für mindestens 500 Pfund, Silbermünzen (50 Pfund das Stück), Schweißarmbänder, Socken, Pokale und ein „Bambi“ aus dem Jahr 1985, als in Wimbledon eine deutsche Legende entstanden war. Nun geht es bei dem gefallenen Tennisstar zu wie am Wühltisch bei C&A: „Preise gut, alles gut.“

Ich wünsche Ihnen einen wertvollen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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