Morning Briefing 13. Juli Trumps Nato-Schauspiel

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
„die Nato ist jetzt eine gut geölte Maschine“, triumphierte US-Präsident Trump nach einer Krisensitzung beim Nato-Gipfel. Zuvor hatte Trump mit seiner Kritik an den zu geringen Verteidigungsausgaben einiger Bündnispartner fast den Gipfel gesprengt. Zwar hat kein Land konkrete Summen für höhere Militärausgaben genannt. Doch das störte Trump offenbar nicht. Der US-Präsident verließ Brüssel mit einem Siegerlächeln - und vielen ungeklärten Fragen.

Quelle: AP
Angela Merkel und Donald Trump beim Nato-Gipfel in Brüssel.
(Foto: AP)

Kanzlerin Merkel ließ sich von den Verbalattacken Trumps nicht beeindrucken. Deutschland müsse sich zwar „immer wieder fragen, was können wir gegebenenfalls noch mehr tun“, sagte die Kanzlerin. Doch aus Merkels Sicht leistet Deutschland, das der zweitgrößte Truppensteller in der Nato und seit Jahren in Afghanistan engagiert ist, jetzt schon genug. Trump ist laut, aggressiv und unnachgiebig. Doch die Kunst, Probleme auszusitzen, beherrscht kaum jemand so gut wie Merkel.

Das Weißbuch zu den künftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich kommt spät, aber gewaltig. Statt auf einen harten Brexit setzt die britische Regierung nun auf einen „prinzipientreuen und pragmatischen“ Ausstieg. Im Zentrum steht eine Freihandelszone zwischen Großbritannien und der EU, die Arbeitnehmerfreizügigkeit will man dagegen stark beschneiden. Das Papier ist eine Provokation - für die Befürworter eines harten Brexit wie für die EU. Dass der Scheidungsvertrag auf dieser Grundlage nicht wie geplant im November unterschrieben wird, ist eine leicht zu gewinnende Wette.

Quelle: dpa
Horst Seehofer (r) und Matteo Salvini, sprechen mit Journalisten im Rahmen eines bilateralen Treffens am Vorabend des EU-Innenministertreffens.

„Auf die höfliche Frage vom deutschen Kollegen Seehofer, der mich gefragt hat, aus Deutschland kommende Migranten zurückzunehmen, habe ich genauso höflich gesagt: Nein, danke!“ Der Satz von Italiens Innenminister Salvini zeigt das ganze Dilemma, in das sich CSU-Chef Seehofer hineinmanövriert hat. Es ist erkennbar ein Unterschied, die eigenen Parteimitglieder auf Linie zu bringen oder politische Mehrheiten in Europa zu organisieren. Die nächsten Monate werden zeigen, wie groß die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei Horst Seehofer ist.

Die Lebensversicherung war lange die liebste Geldanlage der Deutschen. Doch in Zeiten dauerhafter Niedrigzinsen verlieren die Policen an Attraktivität. Unsere Titelgeschichte „Magere Zeiten“ beschreibt den schleichenden Niedergang der Lebensversicherung, den in Europa wahrscheinlich nur ein Mann wirklich stoppen kann: EZB-Präsident Mario Draghi.

Quelle: dpa
Oliver Bäte: „Wir dürfen die Lebensversicherung nicht totreden.“

Allianz-Chef Bäte warnt derweil im Handelsblatt-Interview: „Wir dürfen die Lebensversicherung nicht totreden.“ Zwar würde er heute auch keine klassische Garantiezinspolice mehr empfehlen, aber ansonsten sei die Lebensversicherung weiter ein sinnvolles Produkt zur Altersvorsorge.

Wer zu den Pionieren der digitalen Transformation zählen will, muss „chippen“. Weltweit haben sich bereits 70.000 Menschen Chips implantieren lassen, mit denen die Haustür geöffnet, das Auto gestartet oder die Rechnung bezahlt werden kann. Mensch und Maschine verschmelzen immer mehr. Von Theodor Heuss gibt es dazu einen tröstlichen Satz: „Eines Tages werden Maschinen vielleicht nicht nur rechnen, sondern auch denken. Mit Sicherheit werden sie aber niemals Phantasie haben.“

Ich wünsche Ihnen ein erholsames, analoges Wochenende.

Herzliche Grüße,

Ihr

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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