Morning Briefing 16. Mai Sigmar Gabriels neue Karriere

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

erinnern Sie sich noch an Martin Bangemann? Der langjährige EU-Kommissar (Binnenmarkt, später Industriepolitik) wurde kurz nach dem Ausscheiden in Brüssel plötzlich Vorstand bei Telefónica, was eine Debatte über Drehtüren zwischen Politik und Wirtschaft auslöste. Inzwischen gilt die EU-Regel, wonach 18 Monate zwischen dem Anzeigen einer neuen Position und dem Wechsel liegen müssen. Wenig genug, aber viel im Vergleich zur Bundesrepublik. Hier avanciert Sigmar Gabriel nun zum Verwaltungsrat des Zuggiganten Siemens Alstom, zwei Monate nach dem Adieu als Bundesaußenminister. Dass der SPD-Politiker als Wirtschaftsminister schon 2014 für eine Teil-Übernahme von Alstom durch Siemens plädierte, kann man als kapitale Weitsicht abbuchen.

Quelle: Reuters
Julian Assange: Der Wikileaks-Gründer kostete Ecuador mehr als fünf Millionen Dollar.

Einen teuren Gast beherbergt das Land Ecuador in seiner Botschaft in London. Über fünf Jahre hinweg kostete Wikileaks-Gründer Julian Assange den südamerikanischen Staat mehr als fünf Millionen Dollar. Er dürfte somit der teuerste Asylbewerber der Welt sein. Das Geld floss zum Beispiel in Sicherheitsdienste und Geheimdienstaktivitäten („Operation Hotel“) rund um Besucher wie Nigel Farage, Kreml-Abgesandte, Aktivisten, Anwälte, Journalisten und Hacker. Alles genehmigt vom Präsidenten des Landes. Christian Morgenstern wusste, dass Besuche immer Freude machen: „Wenn nicht beim Kommen, so doch beim Gehen.“

Eben noch schien es der größte diplomatische Erfolg für US-Präsident Donald Trump zu werden, nun jedoch wackelt auf einmal das für den 12. Juni in Singapur angesetzte Treffen mit Nordkoreas Kim Jong Un. Der Diktator aus Pjöngjang stört sich an gemeinsamen „Max Thunder“-Übungen der Luftstreitkräfte von Südkorea und den USA – und droht mit Absage. Die donnernden Manöver begannen am Freitag, 100 Flugzeuge sind involviert. Nordkorea hat wegen der Air Show bereits Gespräche mit südkoreanischen Emissären gestrichen, die für diesen Mittwoch terminiert waren. Angesichts der Störungen wirkt das jüngste Gespräch zwischen den beiden koreanischen Staatschefs schon wie aus einer anderen Zeit.

Quelle: dpa
ZA-Gründer Oliver Hilburger: Was die AfD für die Politik ist, ist das Zentrum Automobil für die Wirtschaft.

Was die AfD für die Politik ist, ist das Zentrum Automobil (ZA) für die Wirtschaft. Mein Kollege Alexander Demling hat ZA-Gründer Oliver Hilburger eine Zeitlang begleitet, dessen Organisation bei Daimler schon sechs Mandate im Betriebsrat hat (darunter eines für Hilburger), die aber auch bei BMW, Porsche oder Opel sehr präsent ist. In Zwickau schimpft der Ex-Musikant der Rechtsrockband „Noie Werte“ auf einer Veranstaltung des AfD-Ortsvereins über die „politische Klasse, die wie Maden im Speck lebt“ und „normale Menschen“ verachte. Hilburger gehört offenbar zu den Proletariern, die nichts zu verlieren haben als ihre Klischees.

Als „Global Leader“ sah sich die Bundesregierung bereits mit einem neuen 5G-Mobilfunknetz. Doch die Einführung verzögert sich um neun Monate bis zum ersten Quartal 2019 – das CSU-geführte Verkehrsministerium will einfach zu viel, fand das Handelsblatt heraus. Es geht dem Ressortchef Andreas Scheuer sowohl um flächendeckende Versorgung als auch um maximalhohe Erlöse durch eine 5G-Auktion, die Breitbandausbau und Digitalisierung in Schulen finanzieren soll. Allen Zweiflern entgegnet Bayerns Nationalheiliger Karl Valentin: „Wissen Sie schon, dass Pfingsten vor Ostern kommt, wenn man den Kalender von hinten liest?“

Quelle: dpa
Hajo Seppelt: Der ARD-Doping-Experte gilt im Reich des Wladimir Putin als „unerwünschte Person“.

Hajo Seppelt von der ARD ist der Mann, der maßgeblich das russische Dopingsystem freigelegt hat. Nun gilt er im Reich des Wladimir Putin als „unerwünschte Person“, darf aber dennoch von der Fußball-WM berichten, nachdem zunächst ein Visum verweigert worden war. Sogar Kanzlerin Angela Merkel hatte interveniert. Gleichzeitig jedoch wurde Seppelt vor eine Art Untersuchungsgericht geladen, um sich für seine Filme über russisches Staatsdoping – die Moskau als „Fake News“ einstuft – zu rechtfertigen . Es gibt Einladungen, die Ausladungen sind.

Die Weisheit am Schluss kommt diesmal vom vorgestern verstorbenen Tom Wolfe. „Das Vergnügen ist die Verpackung des Glücks“, befand der begnadete US-Schriftsteller. Ich wünsche Ihnen folgerichtig einen ganz und gar vergnüglichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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4 Kommentare zu "Morning Briefing 16. Mai: Sigmar Gabriels neue Karriere "

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  • Das war alles Berechnung von Gabriel. Erst den Vorsitz ab geben und Schulz zum Deppen machen, dann Wirtschaftsminister, Kontakte knüpfen und ab in die Dollarwelt. Hier ist keiner mehr glaubwürdig von den Politikern, ekelhaft.

  • Es war schon alles Berechnung von Gabriel den Vorsitz ab zu geben und Schulz zum Deppen zu machen. Erst Wirtschaftsminister, Kontakte knüpfen und dann ab in die Dollarwelt. Hier ist nicht einer glaubwürdig von den Politikern, ekelhaft.

  • Man hat Gabriel nach grossen Verdiensten um die SPD kalt abserviert. Was erwartet man
    jetzt von ihm? Dass er nach Canossa pilgert?

  • Da ist es wieder, das wahre Gesicht der Politiker. Sie interessieren sich in Wahrheit nur für sich, die Kohle und die High Society bzw das, was sie dafür halten. Das ist das Spitzenpersonal der SPD. Es geht nur um Kohle, Kohle, Kohle. Das Land und andere Menschen sind denen völlig wurscht.

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