Morning Briefing 20. August VW kündigt Kronzeugen

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

vor Gericht erhalten Kronzeugen üblicherweise Hilfen und „Strafrabatt”, im Volkswagen-Konzern aber offenbar die Kündigung. Jener Ingenieur, der im Sommer 2015 zuerst US-Behörden und später deutsche Ermittler über „Dieselgate” ins Bild setzte, muss gemäß Medienberichten nach 25 Jahren das Unternehmen verlassen. Er belastet offenbar Ex-CEO Martin Winterkorn.

Quelle: dpa
Ein Kronzeuge belastet offenbar Ex-CEO Martin Winterkorn.

Der Kronzeuge gehört zu einer Gruppe von Ingenieuren, deren Aussagen VW im Zuge der Akteneinsicht gewahr wurde – und die Wolfsburg in Zugzwang bringen. Auch Ex-VW-Markenchef Heinz-Jakob Neußer soll geschasst werden. Noch aber scheint ein Firnis strategischer Wahrheiten über der allerobersten Konzernleitung zu liegen.

Die Sache mit den Kryptowährungen hat vor einigen Monaten das Gier-Gen der Anleger über alle Maßen stimuliert. So versprach die Berliner Firma Envion 161 Prozent Rendite und sammelte von 30.000 Kunden für einen virtuellen Börsengang in der Schweiz 100 Millionen Dollar ein. Einen Umsatz aber gab es nie, dafür überziehen sich die zwei Macher gegenseitig mit Klagen. Seit Kurzem sind Anzeigen von geneppten Investoren hinzugekommen, erklärt unsere Handelsblatt-Geschichte. „Habgier und Glück sahen einander nie”, formulierte der US-Politiker und Schriftsteller Benjamin Franklin, „wie sollten sie da miteinander vertraut werden?”

Die Sommerpause geht dem Ende entgegen, auch „Anne Will” sendet wieder. Also dachte sich die SPD-Spitze, man müsse da mit ein paar PR-Leuchtraketen auf sich aufmerksam machen. Die zuletzt in Umfragen arg gerupfte Traditionspartei geht doppelstrategisch vor: Vizekanzler Olaf Scholz mahnt stabile Renten bis 2040 an, obwohl die Rentenkommission zur Klärung der Finanzierung erst noch tagt. Parteichefin Andrea Nahles wiederum fordert Hilfen für die Türkei und einen „Spurwechsel” bei der Beschäftigung von Asylbewerbern. Am Ende werden die beiden vermutlich nicht viel mehr erreicht haben als eine ordentliche Provokation des größeren Regierungspartners Union.

Quelle: AP
Ein Helfer von Richard Nixon hatte in der Watergate-Affäre mit den Ermittlern kooperiert.
(Foto: AP)

Der Dauerstreit zwischen Donald Trump und der „New York Times” geht in die Fortsetzung. Die Zeitung berichtete nun, der White-House-Anwalt Donald F. McGahn habe „extensiv” bei Mitarbeitern des Sonderermittlers Robert S. Mueller über Russland-Kontakte und Trumps Winkelzüge gegen Mueller ausgesagt. Der US-Präsident twittert daraufhin, wie gehabt, das alles seien „Fake News”: Die „Times” habe fälschlicherweise suggeriert, der Anwalt sei ein „John-Dean-Typ”. Dean, einst Helfer von Richard Nixon, hatte in der Watergate-Affäre mit den Ermittlern kooperiert. Wie immer gilt die Cäsaren-Weisheit, dass man den Verrat liebt, aber den Verräter hasst.

Quelle: dpa
Erstmals nach acht Jahren ist Griechenland nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen.

An diesem Montag endet das dritte griechische Rettungsprogramm. Erstmals nach acht Jahren ist Griechenland nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz spricht von einem Erfolg: „Die düsteren Prophezeiungen der Untergangspropheten sind nicht eingetreten.” Doch noch fehlen zur Gesundung der hoch verschuldeten Republik zwei Dinge: ein Geschäftsmodell und ein solider Staatsaufbau. Die Troika geht, das Risiko bleibt.

Ist die Pressefreiheit in Sachsen weniger wert als in anderen Bundesländern? Die Frage stellt sich, nachdem ein ZDF-Team beim Filmen einer Anti-Merkel-Demonstration in Dresden mit einem Pegida-Teilnehmer aneinandergeriet, der daraufhin erfolgreich die Polizei aktivierte. Die Fernsehleute wurden 45 Minuten lang festgehalten und danach auch noch von Ministerpräsident Michael Kretschmer herabgewürdigt. Ein Video zeigt den Vorfall. Das ZDF fordert Aufklärung über das Vorgehen der Polizisten.

Und dann ist da noch FC-Bayern-Fußballgott Uli Hoeneß, der strafende Blitze in Richtung Mesut Özil schleudert: „Ein gut vermarktetes Produkt, er wird von seiner Agentur besser dargestellt, als er ist.” Hoeneß höchstpersönlich hat angeblich den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor einem Einsatz Özils im WM-Spiel gegen Südkorea gewarnt. Der FC Bayern wird mit anderen Profiklubs, der Deutschen Fußball Liga (DFL), dem DFB sowie Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff am Dienstag bei einem Krisengipfel in Frankfurt über besseren Fußball reden. Und es geht um die Frage, wie man trotz aller Fehlpässe die Europameisterschaft 2024 nach Deutschland holen kann.

Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Start in die Woche.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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