Morning Briefing 20. Juli Trump schockiert

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

US-Präsident Trump hat mit seiner Feindschaftserklärung an Europa weltweit Protest hervorgerufen. Auch viele Amerikaner verstehen ihren Präsidenten nicht mehr. „Ich schäme mich und bin schockiert“, sagte die frühere amerikanische Außenministerin Madeleine Albright im Gespräch mit meiner Kollegin Annett Meiritz. Trump sei „der undemokratischste Präsident in der modernen Geschichte der USA“. Das Interview mit dieser klugen Politikerin lesen Sie hier.

Der verratene Passagier: Fliegen wird für Fluggäste immer unerfreulicher.

Als Flugpassagier hat man sich in den vergangenen Jahren an einen kontinuierlichen Schwund an Servicequalität gewöhnt. Doch was Fluggäste in diesen Wochen erleben, ist erschreckend. Ewig lange Menschenschlangen vor den Check-in-Schaltern, annullierte Flüge und schlecht gelauntes Personal. Eine Mischung aus Selbstüberschätzung einiger Airline-Manager, überzogenem Kostendruck und Verantwortungswirrwarr hat dazu geführt, dass Flugreisen immer häufiger zu Horrortrips werden. Unsere Titelgeschichte „Der verratene Passagier“ analysiert die Hintergründe.

In der deutschen Wirtschaft scheint sich gerade eine neue Erfolgsstrategie durchzusetzen: die Aufspaltung komplexer Konglomerate. Siemens bringt die Gesundheitssparte an die Börse, RWE trennt sich von der Tochter Innogy, Continental spaltet sich auf und bei Thyssen-Krupp wird über die Zerschlagung des Konzerns gestritten. Die Unternehmen hoffen auf mehr Flexibilität und Wachstum. Disruption ist offenbar mehr als nur ein Modewort in den Managementetagen.

Der Aufspaltungswahn hat eine intensive Debatte ausgelöst. Bedenken gibt es nicht nur unter den Mitarbeitern betroffener Unternehmen, sondern auch in der Politik. Auch der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel sorgt sich, gerade mit Blick auf die Vorgänge beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp. Im Gastbeitrag für das Handelsblatt mahnt er die aktivistischen Investoren, ihre Verantwortung bei dem Traditionskonzern wahrzunehmen und nicht leichtfertig Arbeitsplätze durch eine Zerschlagung zu gefährden: „Wer Klassenkampf von oben sät, wird einen neuen Klassenkampf von unten ernten“, warnt der ehemalige Wirtschaftsminister. Gabriels Weckruf ist Pflichtlektüre für alle Freunde der Sozialen Marktwirtschaft.

Quelle: Reuters
Thyssen-Krupp: Dass Vorstandschef Hiesinger (l.) und Aufsichtsratschef Lehner fast zeitgleich die Führungsetage verlassen haben, ist das genaue Gegenteil von unternehmerischer Verantwortung.

Verantwortung für ein Unternehmen tragen nicht nur Investoren, sondern auch das Management. Dass bei Thyssen-Krupp Vorstandschef Hiesinger und Aufsichtsratschef Lehner fast zeitgleich die Führungsetage verlassen haben, ist das genaue Gegenteil von unternehmerischer Verantwortung. In der Seefahrt gilt das ungeschriebene Gesetz, dass der Kapitän in Notfällen als Letzter das Boot verlässt. Dieser Grundsatz sollte auch in der Wirtschaft gelten.

Heute muss ich an dieser Stelle ein wenig Werbung in eigener Sache betreiben. Der Grund sind die jüngsten Zahlen zur Entwicklung der Handelsblatt-Auflage. Entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend der Branche hat das Handelsblatt die gesamtverkaufte Auflage im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent steigern können. Dazu beigetragen haben die Einführung einer harten Bezahlschranke für Handelsblatt-Artikel und ein Anstieg der Digital-Abos. Diese Zahlen machen Mut. Ganz offensichtlich gibt es einen Markt für Qualitätsjournalismus.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges und erholsames Wochenende.
Herzliche Grüße,

Ihr

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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  • Ich wundere mich, dass wir uns über Trump wundern... Trump ist nicht ein Feind Europas-und keiner der vorhergehenden Präsidenten sein Freund. Es ging Trump wie auch seinen Vorgängern immer nur um die Interessen der USA-um nichts sonst. Trump verkauft die amerikanische Hegemonialpolitik nur innenpolitisch publikumswirksamer als seine Vorgänger, wobei es ihm egal ist, ob die europäischen Vasallen auch öffentlich so machtlos dastehen, wie sie es tatsächlich immer waren. Schockierend, dass wir in Europa über Nordstream 2 so kontrovers diskutieren, es wäre ein erster Schritt zur Unabhängigkeit vom Saudi-US-amerikanischen Öl-Imperium.

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