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Morning Briefing 22. März Die Fehlbesetzung Mark Zuckerberg

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

fünf Tage Schweigen, fünf Minuten Büßerdienst: Mit einer stark gezuckerten Mitteilung an die Facebook-Gemeinde und einem CNN-Interview greift Mark Zuckerberg in die Daten-Affäre rund um die Firma Cambridge Analytica ein. Er redet von Fehlern, Verantwortung und nötigen Reformen. Die Aktion Selbstbezichtigung („Das wird niemals wieder passieren“) klingt ganz so, als sei es nicht sein Geschäftsmodell, maximal viele Daten der Nutzer abzugreifen und sie an maximal viele Werbekunden zu verkaufen. Als Datenschützer ist Mister Zuckerberg vor allem eines: eine grandiose Fehlbesetzung.

Quelle: AP
Popsängerin Cher hat ihren Facebook-Account gelöscht.
(Foto: AP)

Die jüngste Massenbewegung in der digitalen Gemeinde heißt konsequenterweise #DeleteFacebook, in zwei Tagen auf Twitter 50.000 Mal erwähnt. Popsängerin Cher löschte hier öffentlich ihren Account, das sei hart, aber nötig. Unter den Flüchtenden ist auch Brian Acton, Mitgründer des Messenger-Dienstes WhatsApp, der 2014 für 19 Milliarden Dollar an Zuckerberg verkauft wurde. Der Mann ist reich an Geld und an Frust, und sagt nur knapp: „It's time.“ Womöglich hilft ein Mark-Twain-Klassiker in der Diskussion weiter: „Wirklich unersetzlich in der Geschichte der Menschheit waren nur Adam und Eva.“

Erklärt hat sich auch die Langzeitkanzlerin Angela Merkel und dabei nachhaltig den Eindruck vermittelt, dass die Islam-Debatte zur deutschen Regierung gehört. Im Bundestag bekannte sie zudem, es sei im Rückblick „naiv“ gewesen, zu glauben, die Flüchtlingskrise werde Deutschland nicht erreichen. Kein Wort fiel zur Radikalkritik des Bundesrechnungshofs an der Schaffung von immerhin 209 neuen Stellen in den Bundesministerien, wovon allein 100 im Innenressort von Horst Seehofer (CSU) anfallen. Das Problem: Es gibt neue Stellen, aber keine neuen Aufgaben.

Quelle: dpa
Berthold Leibinger spricht im Gastkommentar über Deutschlands Verhältnis zur Wirtschaft.

Die Deutschen haben das Dilemma, dass sie gut von einer intakten Wirtschaft leben, die sie andererseits aber nicht besonders schätzen. Sie schauen auf Dax-Chefs und sehen Gier oder Betrug („Dieselgate“). Dieser Zwiespalt beschäftigt den bekannten Maschinenbauer Berthold Leibinger im Handelsblatt-Gastkommentar. Ein familiengeführtes Unternehmen würde in der Dieselaffäre sofort mit Nachrüstungen beginnen, „aus einer Haltung der Verantwortung heraus“, schreibt er. „Es würde eine neue Geschichte von Wirtschaft erzählen.“ Leibingers Text ist Pflichtlektüre in Städten wie Wolfsburg, Stuttgart, Ingolstadt.

Autokratien leben von Personenkult und Pressemonopolen, die ihn beständig verbreiten. In der Türkei hat Recep Tayyip Erdogan sein System weiter gefestigt, weil ein Lieblings-Oligarch nun Beute macht. Erdogan Demirören heißt der Mann, der bisher neben Hotels, Energiefirmen und einem Einkaufszentrum schon die Zeitungen „Milliyet“ und „Vatan“ besaß. Und nun übernimmt er vom unabhängigen Aydin Dogan auch noch das auflagenstärkste Blatt „Hürriyet“, eine Nachrichtenagentur sowie die TV-Sender CNN Türk und Kanal D. Dem neuen Sultan-Kapitalismus wird es an journalistischen Schmeichlern nicht fehlen.

Quelle: dpa
C&A-Chef Alain Caparros will mehr Jugend, mehr Tempo, mehr Sex-Appeal im Traditionshaus.

Ziemlich viel Budenzauber, aber wenige Zahlen verbreitet C&A-Chef Alain Caparros in seinem ersten Interview. Der einstige Rewe-Leiter will mehr Jugend, mehr Tempo, mehr Sex-Appeal im Traditionshaus, aber auch Bettwäsche, Kosmetik, Accessoires, Billigsttextilien und Fremdmarken, wie er im Handelsblatt erklärt. Übersetzt: Ein bisschen Zara, ein bisschen Primark und ein bisschen Aufbruch gehören jetzt zur Kleiderordnung der Brenninkmeijers dazu. „Unsere Operation findet am offenen Herzen statt“, erklärt Chirurg Caparros.

Zum Schluss noch ein sachdienlicher Hinweis: Was Sie soeben gelesen haben, können Sie auch hören. Seit Kurzem gibt es das Morning Briefing als Podcast. Erreichbar über die Handelsblatt-App sowie über Spotify oder iTunes. Die aktuelle Ausgabe unseres Weckdienstes geht um sieben Uhr online und versucht, eine Winston-Churchill-Weisheit zu beachten: „Eine gute Rede ist eine Ansprache, die das Thema erschöpft, aber keineswegs die Zuhörer.“

Ich wünsche Ihnen einen inspirierten Start in den Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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