Morning Briefing 24. Januar Der Goldmann der AfD

Peter Boehringer, Goldfreund und AfD-Topkandidat für den Vorsitz im Haushaltsausschuss des Bundestags, ist offenbar ein Systemfeind, der rechnen kann, aber nicht jede Gleichung geht auf. Was heute sonst noch wichtig ist.
Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
die „Neue Weltordnung“ ist ein angebliches Machtkartell der Globalisten, über das Peter Boehringer genauso gern geredet hat wie über die Notwendigkeit, die Goldreserven der Bundesbank aus New York und Paris nach Frankfurt zu verlagern („Holt unser Gold heim“). Nun ist der Ex-Unternehmensberater mit dem Goldschimmer Top-Kandidat der AfD für einen Renommierposten im Bundestag, den die anderen Parteien zugestanden haben: für den Vorsitz im Haushaltsausschuss.

Quelle: dpa
In den sozialen Medien bietet Peter Böhringer das Bild eines Wutökonomen, der fast kein Wort auf die Goldwaage legt.

Eine Zusammenschau von Boehringers Äußerungen in Social Media bietet das Bild eines Wutökonomen, der fast kein Wort auf die Goldwaage legt: von „Merkelnutte“ (wegen der Flüchtlingspolitik) über „System-Journalismus“ bis hin zum „höchst kriminellen und für unsere Nation suizidalen System“. Er ist offenbar ein Systemfeind, der rechnen kann – aber nicht jede Gleichung geht auf.

Quelle: AFP
Justin Trudeau: Kanadas Premierminister verkündete auf dem WEF in Davos einen neuen transpazifischen Freihandelsdeal.
(Foto: AFP)

Am Freitag nach Mittag, wenn die Hälfte der Teilnehmer am Weltwirtschaftsforum längst abgereist ist, wird Donald Trump noch reden. Er hat dabei die Rolle des bösen Krokodils, das zum Schluss mit der Klatsche vertrieben wird. Den Part des Helden in Davos hat schon am Dienstag Justin Trudeau übernommen: Kanadas Premierminister, dessen Land 2018 den G7-Vorsitz hat, verkündete einen neuen transpazifischen Freihandelsdeal mit Staaten wie Vietnam, Australien und Mexiko. Er heißt jetzt CPTPP statt TPP. Auf die Antwort des angelernten Protektionisten Trump muss man nicht bis Freitag warten. Der US-Präsident verkündete just an Trudeaus Tag Sonderzölle auf Waschmaschinen (ab 20 Prozent) und Solarprodukte (ab 30 Prozent). Gerichtet an China und Korea.

Quelle: AFP
Angela Merkel und Emmanuel Macron: Die Kanzlerin wird in Davos wohl auf die Europa-Initiativen des französischen Staatschefs eingehen.
(Foto: AFP)

Die Eheanbahnungsspezialisten von Union und SPD machen ein paar Tage Pause, die Kanzlerin Angela Merkel für einen selten gewordenen europolitischen Ausflug nutzen kann. In Davos redet sie an diesem Mittwoch Grundsätzliches, worunter nichts anderes als die lange ausstehende Antwort auf die Europa-Initiativen von Emmanuel Macron gemeint sein kann. Der französische Staatspräsident äußert sich übrigens am selben Tag. „Das Glück ist gemacht, um geteilt zu werden“, dämmerte Macrons Landsmann Jean Baptiste Racine schon vor mehr als drei Jahrhunderten.

Quelle: dpa
Leopard 2 A4: Deutsche Rüstungsexporte verharren auf hohem Niveau – entgegen amtlicher Versprechungen.

Für Einsätze im Syrien-Krieg hat die Bundeswehr die Türkei längst verlassen, aber deutsche Panzer leisten offenbar dem Erdogan-Regime treue Dienste. Jedenfalls rollen Geräte des Typs Leopard 2 A4 allem Anschein nach mit türkischen Truppen in Nordsyrien im Krieg gegen Kurden. Dagegen gibt es hierzulande Proteste – so wie gegen eine geplante Nachrüstung der Panzer durch Deutsche zum Schutz gegen Minen. Eine dem Handelsblatt vorliegende Übersicht aus dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt, dass die Rüstungsexporte entgegen amtlicher Versprechung auf hohem Niveau verharren – 2017 bei 6,24 Milliarden Euro.

Quelle: dpa
Daimler und BMW fusionieren offenbar ihre Carsharing-Angebote.

Carsharing für Carsharing: Car2go (Daimler) und Drive Now (BMW) fusionieren offenbar in Kürze nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ihre betriebswirtschaftlichen Aktivitäten. Für die Markenführung bleiben die beiden Autokonzerne separat zuständig. Erich Sixt, der an der Seite von BMW als 50-Prozent-Partner fuhr, wird demnach als Minderheitsaktionär beobachten, wie die neue deutsche Auto-Allianz Marktrowdys à la Uber oder Didi Chuxing abhält.

Quelle: Handelsblatt
Beim Neujahrsempfang der Handelsblatt Media Group sang Julia Engelmann. Unter den Gästen war auch FDP-Chef Christian Lindner.
(Foto: Handelsblatt)

Zu ihrem ersten Neujahrsempfang lud die Handelsblatt Media Group nach Berlin ins Gewölbe des Französischen Doms. Obwohl das Hauptstadt-Establishment solche Termine kennt, herrschte doch Heiterkeit. Unter den Anwesenden waren etwa FDP-Chef Christian Lindner oder Grünen-Veteran Jürgen Trittin. Herausgeber Gabor Steingart sah die Bundesregierung in guter Flughöhe auf Autopilot schalten und befand: „Die Welt beneidet uns – auch um unsere Probleme.“

Quelle: Handelsblatt
Kabarettistin Hazel Brugger – hier neben Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart – räsonierte über „die Postkarte als Twitter des 18. Jahrhunderts“.
(Foto: Handelsblatt)

Die Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger wiederum räsonierte unter anderem über „die Postkarte als Twitter des 18. Jahrhunderts – mit einem Follower“, während Poetry-Slammerin Julia Engelmann „Grüner wird's nicht“ zum Besten gab.

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa
Startseite

0 Kommentare zu "Morning Briefing 24. Januar: Der Goldmann der AfD "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%