Morning Briefing 25. Januar Merkel spürt Druck

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
„Ich spüre, dass wir Druck haben“, sagte Angela Merkel gestern in Davos. Bei der Digitalisierung hinke Deutschland hinterher. In der Tat: Die öffentliche Verwaltung wirkt wie eine Tochterfirma der Papierindustrie. Die Internetverbindungen bei uns sind löchrig wie ein Schweizer Käse. Das Digitalste an unseren Schulen sind die Pausen.

Quelle: AP
Angela Merkel: Die Kanzlerin kennt das Problem der schleppenden Digitalisierung, aber nicht die Lösung.
(Foto: AP)

Merkel gestern: „Morgen wird unser Leben so nicht mehr funktionieren.“ Das Fatale: Die Kanzlerin beschrieb das Problem, aber nicht die Lösung. Sie war ehrlich, aber nicht motivierend. Die Transformation des Landes ist von ihr nicht mehr zu erwarten. Auch deshalb, weil sie selbst es nicht von sich erwartet.

Quelle: AFP
Donald Trump: Den Demokraten fehlt derzeit alles, um den US-Präsidenten besiegen zu können.
(Foto: AFP)

Trump, der heute in Davos landet, ist zur Abreise obenauf. Erst setzte er seine Steuerreform durch. Nun bekam er auch noch die Aufhebung der Haushaltssperre ohne jedes Zugeständnis an die Demokraten durch den Kongress. Der Bau der Mauer an der amerikanisch-mexikanischen Grenze wird damit wahrscheinlicher. Den Demokraten fehlt derzeit alles, um Trump besiegen zu können – vor allem aber ein Gegenkandidat und eine Strategie. Vor die Wahl gestellt, ob sie einen durchsetzungsstarken Einfaltspinsel oder einen moralisch erregten Hühnerhaufen wählen wollen, wüssten die Amerikaner, was zu tun ist.

Quelle: picture alliance
Fire and Fortune: Für den Verleger Stefan von Holtzbrinck bedeutet das Trump-Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ publizistischen Erfolg und kaufmännisches Wohlergehen.
(Foto: picture alliance)

Einer der ökonomischen Gewinner des Trump-Hypes sitzt in Stuttgart und heißt Stefan von Holtzbrinck. Das Buch „Fire and Fury“ über das erste Jahr der Präsidentschaft von Donald Trump ist auf dem Weg, zu einem der erfolgreichsten Sachbücher der Welt zu werden. Mehr als 1,7 Millionen Mal hat sich der Titel von Autor Michael Wolff bereits in wenigen Wochen verkauft, erklärte gestern der Verlag Henry Holt & Co. Stefan von Holtzbrinck steckt über Macmillan, der US-Tochter der Holtzbrinck Publishing Group, hinter dem Henry Holt Verlag. Er selbst war in den Ankauf des Buches eingebunden. Für ihn bedeutet der Bestseller publizistischen Erfolg und kaufmännisches Wohlergehen: Fire and Fortune.

Quelle: dpa
Martin Schulz: Der SPD-Chef kommt beim Abbau seiner Glaubwürdigkeit zügig voran.

Die SPD gewinnt immer neue Mitglieder – aber es sind die falschen. Das zumindest findet Martin Schulz. Denn die neuen, jungen Genossen und Genossinnen wollen die Neuauflage der Großen Koalition beim Mitgliederentscheid verhindern und ihn damit stürzen. Was früher Schnuppermitgliedschaft hieß, gilt plötzlich als Teufelszeug. Das Parteiestablishment will die Mitspracherechte der Neulinge beschneiden. Keine Schnupper-Jusos! So kommt der einst heilige Martin beim Abbau seiner Glaubwürdigkeit zügig voran.

Jörg Rocholl: „Die Einlagensicherung sollte von der Tagesordnung genommen werden.“

Der Widerstand gegen die Europäische Einlagensicherung ist kein Hobby der Sparkassen, sondern wissenschaftlich begründet. Die Banken der Eurozone sitzen nach Angaben der EU-Kommission auf 950 Milliarden Euro fauler Kredite. In Italien gilt mehr als jede zehnte Kreditforderung als notleidend. In Griechenland jede zweite. Steigen die Zinsen, sinkt die Lebensfähigkeit der Geldhäuser, schreibt Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology im heutigen Gastkommentar. Er ist aus verschiedenen Gründen dagegen, diesen Banken das Geld deutscher Sparer zuzuführen. Sein Fazit: „Die Einlagensicherung sollte von der Tagesordnung genommen werden.“ Der diensthabende Finanzminister Peter Altmaier muss die Argumente des Wissenschaftlers nicht teilen. Aber er sollte sie kennen. Das was Altmaier für den Kitt der EU hält, ist in Wahrheit ihr Sprengsatz.

Beim britischen Presidents Club Charity Dinner wurden 130 Hostessen angemietet, denen man die Farbe der Unterwäsche vorschrieb.

Eine Enthüllung der „Financial Times“ erschüttert Großbritannien: Beim Charity Dinner des Presidents Club – einer Organisation britischer Geschäftsleute – hatten Frauen als Gäste (wie seit 33 Jahren üblich) keinen Zutritt. Stattdessen wurden 130 Hostessen angemietet, denen man ein erotisches Auftreten und die Farbe der Unterwäsche vorschrieb. Ein Moderator begrüßte die Gäste zum „politisch inkorrektesten Event des Jahres“. Es kam im Laufe des Abends zu Anzüglichkeiten und tätlichen Übergriffen, wie zwei als Hostessen getarnte Reporterinnen der „FT“ berichten. Vielleicht sollte man zur Strafe den Spieß im nächsten Jahr umdrehen: Londoner Hostessen bekommen ein festliches Abendessen im 5-Sterne-Hotel serviert – von den Herren der Londoner City. Gekleidet nach dem gleichen Dresscode – also in „skimpy black outfits with matching underwear and high heels.“ Das Motto des Abends: MeToo.

Wirtschaftserziehung kann nicht früh genug beginnen.

Nach Stationen in Düsseldorf, Köln und Berlin freue ich mich heute Morgen auf die Handelsblatt-Leserinnen und -Leser in Hamburg. Morning Briefing Live startet um Punkt 8:00 Uhr im Literaturhauscafé am Schwanenwik. Gestern im Café Spreegold hatten wir eine wohltuend offene und muntere Debatte, der als jüngste Teilnehmerin die kleine Minna eine Stunde lang gebannt zuhörte. Die stolze Mutter und ich waren uns einig: Man kann mit der Wirtschaftserziehung nicht früh genug beginnen.

Ich wünsche Ihnen einen kraftvollen Start in den neuen Tag. Es grüßt Sie auf das herzlichste Ihr

Gabor Steingart
Herausgeber

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