Morning Briefing 26. Juli Rosen für den Handelsfrieden

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

welch schönes Bild: Im Rosengarten versprachen sie sich einen Rosengarten. Nach Monaten des Bellens und Beißens verkündeten Donald Trump (USA) und Jean-Claude Juncker (Europa) gestern Abend vor Journalisten und den Rosen des Weißen Hauses, keine neuen Industriezölle erheben zu wollen. Über die bisherigen US-Strafzölle (Aluminium, Stahl) und EU-Gegenzölle (Whisky etc.) soll verhandelt werden. Offenbar half das Lockangebot aus Europa, mehr Sojabohnen und Flüssiggas (LNG) zu importieren. Bis zum nächsten Wutausbruch Trumps haben sich jetzt alle lieb, und der ablösereife Juncker darf sich auch mal als Dealmaker fühlen.

Der US-Präsident hat ja auch noch ein paar andere Probleme als diejenigen mit dem „foe” vom alten Kontinent. So muss er mit dem Affront leben, dass ein mitgeschnittenes Telefonat mit seinem langjährigen Anwalt Michael Cohen am Dienstagabend groß im Lieblingsfeindsender CNN lief. Der Stoff ließ keinen Zweifel aufkommen, dass Trump mit dem Intimus debattierte, wie man das frühere „Playboy”-Model Karen McDougal notfalls mit Geld davon abbringen könnte, Schlafzimmer-Intimitäten auszuplaudern. Trump: „Pay with cash.” Cohen: „No, no.” Es ist ein Hörspiel aus der Unterwelt der Macht, das von Mario Puzo stammen könnte. 

Quelle: AP
Donald Trump: Ökonomisch riskant ist für den US-Präsidenten das US-Haushaltsdefizit.
(Foto: AP)

Ökonomisch riskant ist für Cash-Freund Trump das US-Haushaltsdefizit: Es treibt der sagenhaften Marke von einer Billion Dollar entgegen. Das liegt am historischen Tief der Einnahmen aus der Unternehmenssteuer. Die Regierung verlangt nur noch 21 Prozent statt 35 Prozent und hat damit gerechnet, dass sich das Ganze über mehr Wachstum und Investitionen frühzeitig selbst rechnet. Doch das Einzige, was bisher auf Rekordniveau schoss, sind Firmengewinne nach Steuern. Trump hätte besser Laotse gelesen: „Was von uns gehen will, muss vorher zu uns gekommen sein.”

Die Aura größter Heimlichkeit umgibt ein Gespräch im Berliner Kanzleramt, das am Dienstag Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas mit zwei hochrangigen Gästen aus Russland führten. Das deutsche Duo redete mit Außenminister Sergej Lawrow und Generalstabschef Waleri Gerassimow laut „Bild” über Syrien und Ost-Ukraine. Der Armee-Oberstratege, seit 2014 auf der Sanktionsliste, musste dafür eigens per Ausnahmegenehmigung einreisen. In Berlin fragen sich viele Politiker, welche heißen Kartoffeln da wohl berührt wurden. Der Kreml hat da weniger Skrupel und ließ verbreiten, das politische Quartett habe die Rückkehr von in Deutschland lebenden Flüchtlingen in die syrische Heimat erörtert – nach Kriegsende.  

Nicht nur Skandale, sondern auch ein paar bescheidene Wirtschaftsnachrichten hat Mark Zuckerberg zu verkraften. Der Umsatz im zweiten Quartal ist mit 13,23 Milliarden Dollar schlechter als erwartet und die Zahl der Nutzer in Europa fällt genauso wie die Marge. Solche Sünden bestraft der Gott der Börse sofort (nachbörslich zeitweise minus 20 Prozent). Da ist die Anweisung der Stadt Mountain View, Facebook-Mitarbeiter sollten in einem neuen Gebäudekomplex kein Gratis-Essen mehr erhalten, geradezu rührig. Die City will mit dem Kalorienerlass die darbende örtliche Restaurantszene schützen.

Der Autor ist Direktor des Digital Society Institute der European School of Management and Technology (ESMT). Quelle: picture alliance / Britta Peders
Sandro Gaycken

Der Autor ist Direktor des Digital Society Institute der European School of Management and Technology (ESMT).

(Foto: picture alliance / Britta Peders)

Mit der Digitalisierungspolitik der Bundesregierung rechnet Sandro Gaycken im Handelsblatt-Gastkommentar ab. So sieht der Direktor des Digital Society Institute im neu formierten „Innovation Council” nichts anderes als „eine Bande von Schellenäffchen, die sich aus Erfolgen mit Kleintechnologien und Websites zu Innovationspäpsten küren”. Die wahre Dimension des Problems werde verkannt, stattdessen spielten „Hotshot-Berater” gerne „Buzzword-Bingo”, wobei die Begriffe Blockchain und Artificial Intelligence auf keinen Fall fehlen dürften.

Und dann ist da noch Clare Bronfman, 39, Erbin des kanadischen Spirituosenabfüllers Seagram. Sie wurde vorübergehend in New York festgenommen, weil sie angeblich eine kriminelle Vereinigung unterstützt haben soll, die als Selbsthilfegruppe getarnte US-Sekte Nxivm. Deren Top-Kräfte sollen an Verbrechen wie Menschenhandel beteiligt gewesen sein. Mrs. Bronfman kam gegen 100 Millionen Dollar Kaution frei, eine elektronische Fußfessel wurde angelegt. Den einstigen Seagram-Werbespruch „This is where the fun starts” muss die Gesellschafterin gründlich falsch verstanden haben.

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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