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Morning Briefing 29. August Bürger gegen Sommerzeit

29.08.2018 - 06:05 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
am Schluss regierte die Einsicht, bloß nicht als neue Gurkentruppe der jüngeren Geschichte in Erinnerung zu bleiben. Und so beschlossen Union und SPD nach Tagen der rhetorischen Blutgrätschen und Ellenbogenchecks, sich die frohe Wählerbotschaft sozialer Wohltaten friedlich zu teilen. Das Rentenpaket der Bundesregierung kann damit heute verabschiedet werden. Ältere Mütter profitieren, das Rentenniveau wird bis 2025 bei 48 Prozent garantiert. Beim Beitrag zur Arbeitslosenversicherung brachte die Union eine Reduzierung um 0,5 Prozentpunkte durch (vorgesehen waren minus 0,3 Punkte). Es sei das Vorrecht der Größe, fand Friedrich Nietzsche, mit geringen Gaben hoch zu beglücken.

Quelle: dpa
Die Sommerzeit geht bald zuende.

Vielleicht fragen Sie sich an diesem Morgen wieder einmal, warum am letzten Oktober-Sonntag die Uhr wieder um eine Stunde zurückgestellt werden muss. Sie können dann in Gesprächen mit einer aktuellen Online-Umfrage in Europa, beauftragt von der EU-Kommission, gut argumentieren. Die ist zwar nicht repräsentativ, gleichwohl in der Tendenz aussagestark. Mehr als 80 Prozent der Befragten sollen demnach für eine Abschaffung des permanenten Wechsels von Sommer- auf Winterzeit und zurück sein. Der Schönheitsfehler: Von 4,6 Millionen Teilnehmern stammen rund 65 Prozent aus der Bundesrepublik, offenbar einem Land nachhaltiger Schlafstörungen.

Ein Adieu, ein „Adele“ in Brüssel: Günther Oettinger, 64, unser schwäbischer Vielseitigkeitskommissar (erst Energie, dann Digitales und jetzt Haushalt), will im nächsten Jahr aufhören. Der Christdemokrat hat mitbekommen, dass Parteichefin Angela Merkel einen Deutschen an die Spitze der EU-Kommission und nicht zur Europäischen Zentralbank schicken will. Er ist nicht gemeint – und rät zu Manfred Weber (CSU). Oettinger selbst drängt es noch einmal in die Privatwirtschaft. In fünf Jahren könne er ja „höchstens noch Präsident des Harmonikaverbands Nordwürttemberg werden“.

Quelle: dpa
Volker Kauder: Der Unions-Fraktionschef fordert mehr Wohnungsbau für Familien.

Überaus lebendig auf allen Kanälen zeigt sich in diesen Tagen Unions-Fraktionschef Volker Kauder, 68. Bei uns im Handelsblatt fordert der CDU-Politiker beispielsweise endlich mehr Wohnungsbau für Familien (über den Evergreen Baukindergeld) sowie zwei starke deutsche Großbanken für die deutsche Wirtschaft, als sei das von Parteisonderwünschen in Berlin abhängig. Vielleicht hängt die Lust am Gespräch mit internen Vorgängen zusammen. Danach soll sich sein Vize-Fraktionschef Ralph Brinkhaus, 50, für die Kauder-Nachfolge im September warmlaufen, was dem Ge- und Betroffenen nach 13 Dienstjahren verständlicherweise schmeckt wie faule Pflaumen im Kompott.

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    Warum Markus Söder seine politischen Präferenzen wechseln kann wie andere die Oberhemden, beschreiben die Journalisten Roman Deininger und Uwe Ritzer in einer aktuellen Biografie („Politik und Provokation“). Offenbar ist der Mann im Erzeugen populärer Bilder so ausdauernd wie in der Pflege des körpereigenen Opportunismus. Vielleicht ist es diese durchschaubare Kombination, die in Umfragen derzeit nicht so gut ankommt, dieses Changieren vom Landesvater zum Asyltourismus-Hardliner und Kreuzritter zurück zum Landesvater. Jedenfalls liegt Söders CSU in Bayern nun laut „Bild“ bei basstiefen 36 Prozent vor den Grünen (15 Prozent), AfD (14 Prozent) und SPD (13 Prozent).

    Quelle: AFP
    Emmanuel Macron: Der Rücktritt seines Umweltministers setzt Frankreichs Präsidenten unter Druck.
    (Foto: AFP)

    Das französische Charisma-Wunder Emmanuel Macron beschäftigt sich gerne mit großer Außenpolitik. Die „kleine“ Innenpolitik überlässt der Präsident dem Premier. Am plötzlichen Rücktritt des Umweltministers Nicolas Hulot nach nur 14 Monaten aber kommt auch Macron nicht vorbei. Der parteilose und populäre Politiker, als Vertreter der Zivilgesellschaft geholt, ärgerte sich zusehends darüber, dass er ökologisch nichts und die Industrielobby alles bewege. Nach Note Eins im Führungszeugnis Macrons klingt das nicht. Nun beginnen jedenfalls erst mal die Ferien des Monsieur Hulot, und wir schmunzeln mit Jacques Tati: „Der größte Aberglaube der Gegenwart ist der Glaube an die Vorfahrt.“

    Pflichttermin für die Finanzszene: unsere Jahrestagung „Banken im Umbruch“. Am morgigen Donnerstag können Sie hierbei in Frankfurt Chefredakteur Sven Afhüppe persönlich zum Morning-Briefing-Talk treffen und danach den Keynotes von Bundesfinanzminister Olaf Scholz und von UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber lauschen. Interesse? Schreiben Sie mir ([email protected]). Eine Handvoll Karten sind reserviert, das Los entscheidet.

    Und dann ist da noch Joachim Löw, Fußballtrainer ohne Fortüne, dessen lange Schweigezeit (acht Wochen) endet. Heute will der Trappist im Hugo-Boss-Outfit tatsächlich auf einer dieser schmuckvollen Pressekonferenzen verraten, wie die in den WM-Stadien Russlands havarierte Nationalelf wieder aufzurichten ist. Und wie sie im nächsten Länderspiel sogar Champion Frankreich schlagen könnte. Die Show, die hier läuft, heißt „business as usual“, auch wenn wohl Löws Scout und sein Assistent des Platzes verwiesen werden. Kundige schauen durch das viele Lametta und sehen, dass hier ein Trainer auf Bewährung amtiert.

    Ich wünsche Ihnen einen Tag mit Drang zu Tat und Tor.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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