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Morning Briefing 3. September Die Manie der „Bewegung“

03.09.2018 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
für die neue linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ wäre „Zusammenstehen“, gerade am Anfang, vielleicht auch ganz schön. Zum Start am morgigen Dienstag aber muss Initiatorin und Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht scharfe Kritik aus den eigenen Reihen aushalten. Cooler gibt sich da die SPD. Der interne Flensburger Shootingstar Simone Lange darf an der Seite Wagenknechts auftreten und die Illusion eines Bündnisses links von der Mitte nähren.

Quelle: AP
Bundesinnenminister Horst Seehofer bleibt passiv.
(Foto: AP)

In Chemnitz marschierten sie jüngst Seit’ an Seit’, die Fundamentalisten von Pegida und des bürgerlichen Rechtsaußenklubs AfD. Den Marschierern und ihren Unterstützern brachte es das Gefühl, von Deutschland gebraucht zu werden, allen anderen aber die fast sichere Vermutung, hier könnte der Verfassungsschutz gebraucht werden. Neben Politikern von SPD und Grünen sympathisieren sogar maßgebliche CDU-Granden mit dem Plan, die AfD von Verfassungsschützern beobachten zu lassen. Nur einer bleibt passiv: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Je lauter die Allparteien-Phalanx fordert, desto leiser wird der Mann aus Oberbayern.

Vielleicht ist die Schweigerunde auch mit einem aktuellen Totalverriss seines Ministeriums durch den Bundesrechnungshof zu erklären. Seehofers Haus habe bei der Kontrolle des Migrationsbundesamts Bamf als Fachaufsicht „versagt“, heißt es im vorläufigen Report der Prüfer. Die „ordnungsgemäße Rechtsanwendung im Asylverfahren“ sei über Jahre hinweg nicht gewährleistet, nötiges Personal nicht beantragt worden. Neben Seehofer, 69, ist vor allem Vorgänger Thomas de Maizière betroffen. Für die beiden gilt der große Dichter Giovanni Boccaccio aus der Toskana: „Für jeden Einsichtigen gibt es keinen größeren Schmerz als den, seine Zeit verloren zu haben.“

Quelle: dpa
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will mehr Organspenden in Deutschland.

Auf seinem Jakobsweg zur Kanzlerkandidatur räumt Jens Spahn (CDU) mit Verve jedes populäre Thema ab, das sich bei der Wanderung findet. Nun möchte der Bundesgesundheitsminister das Spenden von Organen zur obersten Bürgerpflicht erklären. Über „Bild“ verkündet Spahn, dass künftig jeder Deutsche automatisch Organspender wird, der nicht ausdrücklich „Nein“ sagt. So überwindet man den misslichen Umstand, dass kaum einer ausdrücklich „Ja“ sagt.

Unter all den verrückten Grenz-Erbauern dieser Tage sind die Vertreter Saudi-Arabiens besonders auffällig. Sie wollen die gemeinsame Grenze mit Katar ausheben, fluten und zum Kanal verwandeln – damit das verhasste kleine Nachbaremirat zur Insel wird. Das Fast-Eiland wehrt sich mit dem globalen Gewicht des eigenen Geldes. Viele Milliarden Euro sollen demnächst in deutsche Mittelständler investiert werden, nachdem Beteiligungen wie bei VW oder Deutsche Bank zu Kummer-Aktien statt zu Kümmerer-Aktien wurden. „Wir sehen Deutschland als einen Schlüsselspieler der Weltwirtschaft“, sagt Finanzminister Ali Sharif al-Emadi im Handelsblatt-Interview. Am Freitag eröffnen sein Emir und Kanzlerin Angela Merkel eine Investmentkonferenz in Berlin.

Beim größten Werbekonzern der Welt soll eine interne Lösung die Wende bringen. Mark Read, bisher als Co-COO so etwas wie ein besserer Hausmeister, wird morgen als CEO von WPP in London ausgerufen. Er tritt die Nachfolge des Gründers und Langzeit-CEOs Martin Sorrell an, der zum pekuniären Höhepunkt seines Schaffens 2015 rund 70 Millionen Pfund einsteckte. Das war, bevor sich die Piranhas im Aktionärsbecken gegen den Haifisch wehrten. Der Neue kommt mit Goldfisch-Image daher und arbeitet für ein Zehntel der Sorrell-Spitzengage.

Quelle: dpa
Henriette Reker ist seit 2015 Oberbürgermeisterin von Köln.

In Köln sitzen RTL, Start-ups und das Museum Ludwig – aber auch „Silvester 2015“, Klüngel und Affären (Sal. Oppenheim) werden mit der Millionenstadt verbunden. Über eine Metropole im Scheinwerferlicht spricht Vize-Chefredakteur Thomas Tuma am Dienstagabend (19 Uhr) in Köln mit der parteilosen Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei einem Townhall-Meeting. Schicken Sie mir einfach eine Mail ([email protected]), wenn Sie dabei sein wollen. Einige Karten habe ich zurückgelegt, das Los entscheidet.

Und dann ist da noch Joachim Luger, 74, bekannt als „Vater Beimer“ aus der „Lindenstraße“. Er musste erleben, dass das Sterben nach 1685 Fernsehfolgen und 33 Jahren TV-Präsenz gar nicht so einfach ist. Der WDR hat sich etwas so Friedvolles wie Verwegenes einfallen lassen. Nach einer aufreibenden Wanderung schläft Beimer einfach so in der Waldhütte neben den zwei wichtigsten Frauen seines Lebens (für immer) ein. So verließ „Vater Beimer“ gestern Abend die deutschen Fernsehstuben. Er hinterlässt eine Erkenntnis („Die Menschen wollten die heile Familie sehen“) und den Verdacht, dass mit der Dachantenne auch die Mahagoni-Gemütlichkeit verschwand.

Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Start in die Woche.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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