Morning Briefing 4. Januar Deutschland bekommt ein Müllproblem

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
eine Schlammschlacht besonderer Art bietet wieder einmal das Weiße Haus. Präsident Donald Trump distanziert sich lärmend von seinem einstigen Strategiechef und Wahlkampf-Einflüsterer Steve Bannon – nachdem dieser wiederum dem Trump-Sohn Donald junior verräterische Kontakte zu einer russischen Anwältin im Wahlkampfjahr 2016 („übler Mist“) vorgeworfen hat. „Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur den Job, sondern auch den Verstand verloren“, sagt Trump über Bannon, der mit dem historischen Wahlsieg wenig zu tun gehabt habe. Mit dem Rauswurf des Publizisten hat der Mann im Weißen Haus offenbar nicht nur einen Freund, sondern auch sein Gedächtnis verloren.

Quelle: Reuters
Emmanuel Macron: Frankreichs Präsident will News-Manipulationen im Internet in Wahlkämpfen künftig durch Medienkontrolleure bekämpfen lassen.

Schon immer war klar, dass „Fake News“ im Internet ein Fall für die Medienaufsicht sind, weil Unternehmen wie Facebook in Wahrheit zur Medienbranche gehören. In Frankreich will Staatspräsident Emmanuel Macron nun Ernst machen und News-Manipulationen im Internet in Wahlkämpfen künftig durch Medienkontrolleure bekämpfen lassen. Einen Gesetzesentwurf legt er in Kürze vor. Vielleicht schaut sich ein maßgeblicher deutscher Politiker das Papier auch einmal an, selbst wenn es hierzulande keine Medienpolitik von Rang mehr gibt.

Amazon ist offenbar eine Drehscheibe für dubiose Händler aus China. Die deutschen Steuerbehörden jedenfalls beschlagnahmten Waren und Konten von Anbietern aus der Volksrepublik, die sich am Fiskus vorbei getrickst haben. Der Schaden soll bis zu eine Milliarde Euro betragen, erfuhr das Handelsblatt. Mehr als 10.000 Firmen aus China nutzen in Deutschland die Plattform Amazon, steuerlich registriert sind gerade mal 432. Die moralische Regel hierzu formuliert der französische Philosoph Michel de Montaigne: „Ich will lieber geschäftlich als charakterlich versagen.“

Quelle: dpa
Mülldeponie in Mecklenburg-Vorpommern: China will nichts mehr von Kunststoffabfall aus westlichen Ländern wissen.

Während Deutschland die mutmaßlichen Steuerbetrüger aus China stoppt, will die mächtige asiatische Volkswirtschaft nichts mehr von Kunststoffabfall aus westlichen Ländern wissen: Sie blockiert demnächst den Import von Altplastik. Mit der Rolle des Müllhelfers für entwickelte Staaten ist es dann vorbei, skrupellose Händler hätten illegal Abfall eingeführt und Umweltprobleme geschaffen, so die Regierung in Peking. China hat 2016 allein aus Deutschland rund 1,5 Millionen Tonnen Altkunststoffe aufgekauft und neu verarbeitet. Mit dem neuen Bann bekommt die Bundesrepublik also ein Plastikmüllproblem.

Quelle: picture alliance
Kurt Biedenkopf ist Jurist und Politiker. Er war sächsischer Ministerpräsident und CDU-Generalsekretär.
(Foto: picture alliance)

Das Dreikönigstreffen am Samstag in Stuttgart ist traditionell eine Art politisches Aufputschtreffen der FDP. In diesem Jahr kommt für Parteichef Christian Lindner der neue Rollenzwang hinzu, nach seinem Exit aus den Jamaika-Regierungsverhandlungen mit der Union und den Grünen wieder für Positives und Erbauliches zu sorgen. Hierzu hat CDU-Senior Kurt Biedenkopf seine ganz eigene Meinung. Durch ihr Jamaika-Nein trüge die FDP auch die Verantwortung für eine neue Große Koalition: „Man sollte am 6. Januar noch einmal darüber reden und nachdenken“, schreibt der frühere sächsische Ministerpräsident im Handelsblatt-Gastkommentar. Auch Ratschläge können bekanntlich Schläge sein.

Die Wall Street wird der schwedische Musik-Streamingdienst Spotify voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 bereichern. Offenbar hat das Management die Papiere für eine direkte Registrierung bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC schon eingereicht. Der Wert des Unternehmens wird inzwischen auf 19 Milliarden Dollar taxiert. Spotify hat immerhin 60 Millionen Abonnenten und 140 Millionen Nutzer – und ist der Beweis, dass das Internet nicht Amerikanern gehören muss.

Quelle: dpa
Dieter Wedel: Die beste Zeit des Regisseurs liegt schon mehr als zwei Jahrzehnte zurück.

Die beste Zeit des Regisseurs Dieter Wedel, 75, liegt schon mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Jetzt erinnern schwere Vorwürfe noch einmal an die Zeit, als der Egomane vom Dienst TV-Preziosen wie „Der Schattenmann“ oder „Der König von St. Pauli“ schuf. Im „Zeit-Magazin“ beschuldigen ihn drei Schauspielerinnen schwerer sexueller Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung. Wedel dementiert – und bedauert: Er habe seine Mitarbeiter am Set „manchmal überharter, wohl auch verletzender Kritik ausgesetzt“. Ein deutscher Harvey Weinstein will er nicht sein.

Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Tag, nachdem das Sturmtief „Burglind“ endlich abgeflaut ist. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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1 Kommentar zu "Morning Briefing 4. Januar: Deutschland bekommt ein Müllproblem"

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  • Deutschland hat kein "Müllproblem". Und wenn es eines hat, dann deswegen, weil wir im Begriff sind, zum europäischen Import-Weltmeister aufzusteigen.

    Es gibt zahlreiche Artikel darüber im Netz. man googele einfach nach "Müllimporten nach Deutschland". Das Ganze dient dazu, deutsche Müllverbrennungsanlagen auszulasten, da die Deutschen selbst immer weniger Abfall produzieren. Meines Wissens wird der Strom aus diesen Anlagen auch als "nachhaltig" angesehen und gilt als "grün". :-)

    http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_17900910/deutschland-ist-muellimport-meister.html

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