Morning Briefing 4. Juli Deutschland im Verweil-Modus

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
Deutschland im Verweil-Modus: Seehofer bleibt, Merkel bleibt, Löw bleibt. Doch was Stabilität signalisieren soll, steigert die Unsicherheit, weil jeder weiß: Die Leistung stimmt nicht mehr. „Der Gattopardo” von Giuseppe Tomasi di Lampedusa fällt einem ein: „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.” Ändern? Die Pattex-Allianz der deutschen Postenverteidiger ist ein Pakt gegen die Wirklichkeit.

Quelle: dpa
Flüchtlingslager in Idomeni: Die SPD will in der Regierung bleiben, ohne ihre Prinzipien beim Asyl aufzugeben.

Erschöpft vom tagelangen Asylstreit ist es hilfreich, einmal Fremdstimmen zu hören. Es gäbe zum Unionskompromiss noch viele offene Fragen und darunter seien „auch einige, bei denen wir uns eine gute Antwort kaum vorstellen können”, sagt Dominik Bartsch, Repräsentant des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) in Deutschland im Handelsblatt. Mit einer längeren Festsetzung von Asylsuchenden würde „eine rote Linie überschritten”, eine Angleichung ans Europarecht sei schwierig. Im Koalitionsausschuss wird die SPD auch morgen nach einem Weg suchen, in der Regierung zu bleiben und ihre Prinzipien beim Asyl nicht aufzugeben. Den Namen „Transitzentren” lehnt sie schon mal ab.

Ein Blitz fährt in die Belegschaft von Opel. Der neue Eigentümer Peugeot Citroën (PSA) aus Frankreich plant dem Vernehmen nach, Teile des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim zu verkaufen. Firmen wie Altan, Segula oder Bertrandt stehen bereit. Offenbar würden 4000 von 7000 Jobs wegfallen. Die alten Träume, Opel zum Zukunftszentrum der Elektromobilität auszubauen, sind die neuen Sentimentalitäten in einem ganz auf Effizienz getrimmten Arbeitsprogramm.

Ganz in rosarot malt Natarajan Chandrasekaran, Chef der Holding des indischen Konzerns Tata. Nach der Fusion der eigenen Stahltochter mit den entsprechenden Aktivitäten von Thyssen-Krupp preist er im großen Handelsblatt-Gespräch das europäische Stahlgeschäft: „Wir sind gekommen, um langfristig zu bleiben.” Dazu könnte eines Tages gehören, auch noch die restlichen 50 Prozent der Deutschen zu übernehmen. Die sehen sich als Technologiekönige, nicht als Stahlkocher – und haben aktivistische Investoren im Haus.

Quelle: dpa
BMW i3: CATL baut in Thüringen eine Batteriezellfabrik, die auch BMW und Daimler nutzen wollen.

Was deutsche Autoriesen und große Autozulieferer schreckt, lockt chinesische Konzerne umso mehr. CATL baut am Erfurter Kreuz in Thüringen eine Batteriezellfabrik für die E-Mobilität – und nach den Stromautos von BMW (i3, i8) will allem Anschein nach auch Daimler die Ressourcen nutzen. Bisher unterhalten nur die Koreaner (LG Chem, Samsung) größere Batteriefabriken in Europa, die vor allem Volkswagen und Audi beliefern. Über europäische Produzenten wird seit Jahren geredet, Mister Maulheld sitzt am Steuer – Taten aber bleiben aus.

Nach einem Besuch in der Schweiz wirbt der iranische Präsident Hassan Ruhani heute in Österreich auf seiner Werbetour für den von den USA bekämpften Atom-Deal mit etlichen Staaten. Die wirtschaftlichen Vorteile des Abkommens werden überschattet von einem Skandal: Ein in Wien stationierter iranischer Diplomat ist angeblich in jüngst aufgedeckte Anschlagspläne auf eine Versammlung von 25.000 Exil-Iranern im französischen Villepinte am vorigen Wochenende verwickelt. Der Mann wurde nun von der bayerischen Polizei an einer Autobahnraststätte bei Aschaffenburg festgenommen. Bei zwei seiner mutmaßlichen Komplizen wurden 500 Gramm Sprengstoff plus Zündvorrichtung gefunden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag, der selbst das Unmögliche möglich macht. Immerhin hat ja sogar die englische Fußballnationalelf erstmals bei einer WM im Elfmeterschießen gewonnen (4:3 gegen Kolumbien).

Es grüßt Sie herzlich ,

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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