Morning Briefing 4. Juni Merkels Flucht in den Fußball

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

buon giorno, wie die Kanzlerin beginnen wir heute mit Italien. Nachdem Angela Merkel gestern Abend bei einem Russlandgipfel mit der WM-Nationalelf in Norditalien entspannt über Titel, Tore und Totalitarismus plauderte, empfängt sie heute zurück in Berlin den italienischen Landsmann Mario Draghi. Es dürfte beim Gespräch mit dem Nullzinskönig von der Europäischen Zentralbank auch um das Haltbarkeitsdatum der neuen, europaskeptischen römischen Regierung gehen. Die ist erst wenige Tage im Amt – und streitet schon mal, ob Familie wohl immer aus Vater und Mutter bestehen muss.

Quelle: AFP
Emmanuel Macron preschte mit großen Europa-Vorschlägen vor - acht Monate später legt Merkel nach.
(Foto: AFP)

Trotz aller aktuellen Euro-Schwüre aus Rom dürfte sich Italien den Status als Problemland Nummer eins der Währungsunion in den nächsten Monaten redlich verdienen. Da braucht es eine Serenade der Freude dachte sich offenbar Angela Merkel – und liefert jetzt, acht Monate nach den großen Europa-Vorschlägen von Emmanuel Macron, per Zeitungsinterview so etwas wie den Hinweis auf eine Antwort. Aus der ökonomischen Notfall-Ambulanz ESM soll ein Kredite vergebender Europäischer Währungsfonds werden und zudem ein (kleiner) Investitionsfonds entstehen. Wo Macron das XXL-Format liebt, denkt Merkel in DIN-A4.

Aller falscher Fußball- und Euro-Zauber rund um die Bundeskanzlerin aber verfliegt rasch angesichts der Flüchtlingsmanagement-Debatte, die in dieser Woche an Schärfe zunehmen wird. Ein Untersuchungsausschuss scheint kaum vermeidbar – wusste Merkel doch offenbar seit 2017 ziemlich genau über die Missstände in der Migrationsbehörde BAMF Bescheid. Deren „faktischer Konkurs“ (Ex-Chef Frank-Jürgen Weise) holt die Kanzlerin und die Asyl-Verantwortlichen von der CDU schneller ein, als ihnen lieb sein kann.

Quelle: AFP
Mögliche Fusion: Jean-Pierre Mustier, französischer CEO von Unicredit, kennt als einstiger Investmentchef auch Société Générale extrem gut.
(Foto: AFP)

Nochmal Italien: Zu den Problemen des Landes gehören eine Reihe fauler Kredite im Finanzwesen. Dem Pestilenzgeruch im eigenen Gefilde möchte die Mailänder Großbank Unicredit, zu der die HypoVereinsbank als rentierlichstes Schmuckstück gehört, offenbar nun mit einer europäischen Expansion entkommen. Laut „Financial Times“ spielt das Institut eine Fusion mit Société Générale (SocGen) in Paris durch. Alles in Frühestphase unterhalb des Vorstands – doch Jean Pierre Mustier, französischer CEO von Unicredit, kennt als einstiger Investmentchef von SocGen das Terroir extrem gut. Die Dementi sind von einer Qualität, dass aus der Sache bald etwas werden könnte.

Mit Spannung darf heute auf Nachrichten aus Hamburg gewartet werden: Werden vom dortigen Airport wirklich Flugzeuge starten? Und wenn ja, wie viele? Am Sonntagmorgen hatte ein Kurzschluss die Riesenanlage komplett lahmgelegt, der Flugbetrieb wurde wie in einem Entwicklungsland eingestellt. 30.000 Passagiere waren betroffen, mancher wunderte sich über das Chaos-Management. Hamburg war für einen Tag BER, „Helmut Schmidt“ inaktiv wie „Willy Brandt“. „Deep learning“ über die Intelligenz von Maschinen ist ja schön und gut, „deep learning“ über den Strom wäre auch nicht schlecht.

Digitalisierung von Geschäftsmodellen: Anja Müller moderiert den Dialogabend des Handelsblatts.

Nicht der Algorithmus ist das Problem, sondern der Umgang damit. Wie in Familienunternehmen die Mitarbeiter auf die neue Zeit einzustimmen sind, wie sich die interne Kultur ändern sollte, das wollen wir mit Ihnen am 12. Juni in Stuttgart diskutieren. Moderiert von meiner Kollegin Anja Müller analysieren die Unternehmer Angelique Renkhoff-Mücke und Paul-Hermann Bauder sowie Professorin Alwine Mohnen von der TU München und KPMG-Expertin Vera-Carina Elter die Wirkung von Digitalisierung. Ein paar Karten habe ich zurückgelegt, das Los entscheidet: jakobs@morningbriefing.de.

Zum Schluss noch der Hinweis auf eine Auktion in Paris: Dort kann heute ein sehr spezielles Objekt ersteigert werden – das fast neun Meter lange Skelett eines Dinosauriers, rund 154 Millionen Jahre alt und zwischen 2013 und 2015 im US-Staat Wyoming ausgegraben. Wahrscheinlich wird ein reicher Privatmann die nötigen fast zwei Millionen Dollar für die tierische Antiquität aus dem Jura ausgeben, für Museen und Wissenschaftler kommt sie aufgrund öffentlicher Budgetzwänge zu teuer. Im Italien-Stil dieser Tage sagen wir nur: Bella ciao, bella ciao.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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  • A 4 flieht nach“Osten“ ... mal sehen wieviele Trikots, an wen, „verschenkt“ werden und welche „politischen Entscheidungen“ diesmal im Trubel „untergehen“ und XXL „darf“ weiter warten ... bis er den „Pokal“ mitnimmt ...

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