Morning Briefing 5. Juli Trumps Postillon d'amour

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Donald Trump setzt im Zollkrieg einen Postillon d'amour ein, den Sendboten einer im Weißen Haus bislang unbekannten Nächstenliebe. Der Mann heißt Richard Grenell, ist neuer US-Botschafter in Berlin und lud dort nun deutsche Autobosse stiekum zum Friedensgespräch; die Riege verantwortet eine halbe Billion Euro Umsatz. Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Herbert Diess (VW) hörten von der Idee, Europa und die USA sollten beide auf Autozölle verzichten, wie meine Kollegen herausfanden. Trumps Zoll-Rabiatismus wäre ersetzt durch TTIP light, was Frankreich jedoch bislang ablehnt. Liebeskurier Grenell muss wohl bald in die Stadt der Liebe, nach Paris.

HNA: Mitgründer Wang Jian stirbt bei Unfall Quelle: AFP
Wang Jian: Das Vorstandsmitglied der HNA-Gruppe starb im Alter von 57 Jahren.

Aus dem opaken chinesischen HNA-Konzern dringt eine Todesnachricht, die für weitere Verunsicherung sorgen dürfte. Drei Monate nachdem sich die Regierung in Peking zur Hilfe für die finanziell bedrängte Gruppe entschloss, starb Co-Gründer und Co-Chef Wang Jian, 57, während einer Dienstreise in Frankreich. Der 15-Prozent-Aktionär war beim Posieren für ein Foto nach hinten von einer Mauer gestürzt und auf Fels-Klippen gelandet. HNA hat 26 Prozent an der Hilton-Gruppe verkauft und den Anteil an der Deutschen Bank reduziert. Nun muss sich Mitgründer Chen Feng (15 Prozent) allein um die Sanierung kümmern.

Die Große Koalition der Verzweifelten in Berlin, Spreebogen, hält Streit offenbar für eine Pflichtaufgabe. Es geht diesmal ausnahmsweise nicht um Asyl, sondern um erneuerbare Energien. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) wehrt sich gegen die Drosselung beim Ausbau der erneuerbaren Energien, wie sie Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) angekündigt hat. Die zusätzlichen Kontingente für Wind und Photovoltaik „müssten endlich kommen", fordert Schulze nun. Die Streithähne kennen ihren Marc Aurel: „Die Kunst des Lebens besteht mehr im Ringen als im Tanzen.“

Unter den Geschädigten der sportlichen Insolvenz der deutschen Fußballelf in Russland befindet sich an prominenter Stelle die Commerzbank. Mit einem Großgeschwader an TV-Werbespots wollte das Geldinstitut den erwarteten Siegeszug begleiten. Doch dann patzte der telegene Joachim Löw – und die Commerzbank streicht das Ziel, mit Rückenwind von der Nationalmannschaft von 2016 bis 2020 zwei Millionen neue Privatkunden zu gewinnen. „Man gewinnt zusammen, und man verliert zusammen“, kommentiert eine Sprecherin. Die Frau liest vermutlich nonstop „11 Freunde“, wo allerdings nicht steht, dass die Commerzbank bald aus dem Dax fliegen könnte.

Quelle: dpa
Jaroslaw Kaczynski: Der Chef der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit will nach Exekutive und Legislative auch das unabhängige Justizsystem in seine Machtzone eingliedern.

Einen „Bürgerkieg“ sieht der frühere Präsident Lech Walesa auf sein Land Polen zukommen. Grund: Jaroslaw Kaczynski, Chef der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), will nach Exekutive und Legislative auch das unabhängige Justizsystem in seine Machtzone eingliedern. Das gelingt über eine Absenkung der Pensionsgrenze von 70 auf 65, fast jeder Dritte im Verfassungsgericht müsste aufhören. Mit ihrer Pensionierung aber fand sich Malgorzata Gersdorf (Präsidentin des Obersten Gerichtshofs) zunächst nicht ab und erschien gestern weiter zur Arbeit. Erst am Nachmittag verkündete sie, Ferien zu nehmen, ein von ihr benannter Jurist übernimmt.

Dass Frauen in Saudi-Arabien nun Pkw fahren dürfen, wollte Burger King werblich im TV ausnutzen. Die Story ging so, dass Frauen am Steuer von Männern gehänselt werden und als Entschädigung einen „WhoppHer“ gratis erhalten. Auf der Verpackung steht: „Celebrating our driving women“. Reihenweise beschwerten sich jedoch Kundinnen über den Namen „to whop“ heißt umgangssprachlich „hart schlagen“. Die zuständige deutsche Werbeagentur Grabarz & Partner hat die Kampagne entworfen und wird dafür vermutlich keinen Award erhalten.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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