Morning Briefing 5. Juni USA exportiert Trumpismus

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wenn die USA früher für ihre Bekehrungsmissionen in fremden Staaten warben, redeten sie vom „nation building“. Inzwischen ist daraus ein „nationalism building“ geworden. Wie anders soll man das nennen, wenn der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, auf der Plattform „Breitbart“ ankündigt, er wolle andere konservative Kräfte in Europa stärken – gegen die „gescheiterte Politik der Linken“. Dazu passend führt Donald Trumps einstiger rechter Chefstratege, Steve Bannon, in der „Welt“ aus, er habe die Populisten-Koalition in Italien mitinitiiert. Der Ex-Breitbart-Chef klingt wie einer, der sich so richtig in fremde Angelegenheiten einmischen will: „Macron und Merkel werden fallen wie die Kegel.“

Quelle: AFP
Richard Grenell: Der neue US-Botschafter in Berlin sorgt für Ärger damit, dass er konservative Kräfte in Europa stärken will.
(Foto: AFP)

Was da vor sich geht, hat vermutlich wenig mit der „konservativen Revolution“ zu tun, die CSU-Generalscharfmacher Alexander Dobrindt angekündigt hat. Dass es noch subversiver geht, beweist die christliche amerikanische Rechte mit ihrem Projekt „Blitz“. Nach diesem Regiebuch haben die Fundis in US-Staaten etliche Gesetzesvorlagen eingebracht. Unter dem Rubrum der „religiösen Freiheit“ wird die eigene Religion zum Nonplusultra erklärt. Was dem CSU-Apostel Markus Söder sein amtliches Kreuz, ist den unter Trump erstarkten Blitz-Leuten ihr „In God We Trust“. Das ist nun kraft Gesetzes in Alabama, Arizona, Florida, Louisiana und Tennessee in öffentlichen Gebäuden zu sehen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche (Vertragsende: Silvester 2019) muss auf der Zielgeraden in den Fighter-Modus. Da sind die Probleme mit Smart, dessen langjährige Chefin Annette Winkler im September geht, da ist das Drängen des chinesischen Großaktionärs Geely, doch mit dessen Schweden-Besitz Volvo zu kooperieren. Und da ist nun der verpatzte Start in die Elektro-Ära. Statt wie geplant Anfang 2019 kommt der Elektro-Geländewagen „EQC“ erst im Juni 2019, fanden meine Kollegen heraus. Auch die elektrische S-Klasse braucht länger. Kollege Henry Ford urteilte, Zeitverschwendung sei die leichteste aller Verschwendungen.

Quelle: Reuters
Bayer-Chef Baumann: Der Kauf des Saatgutriesen Monsanto sei jeden Cent der 63 Milliarden Dollar wert, betont er im Handelsblatt-Gespräch.

Am Donnerstag wird ein Deal abgeschlossen, bei dem ein deutscher Konzern so viel Geld wie noch kein anderer für einen Zukauf im Ausland ausgibt. Doch der Kauf von Monsanto sei jeden Cent der 63 Milliarden Dollar wert, legt Bayer-CEO Werner Baumann im Handelsblatt-Gespräch nahe. Dazu passt nicht ganz, dass der Name „Monsanto“ flugs eliminiert wird als sei er von Lepra befallen, so schlecht ist der Ruf. Anders als in der Vergangenheit Monsanto will sich Bayer stets Transparenz befleißigen: Das Bayer-Kreuz solle „Garant für Qualität und Vertrauen“ sein, sagt Baumann. So basteln die Deutschen an einem Kunststück: sowohl Agrochemie-Weltmeister als auch beliebt zu sein.

An diesem Dienstag wird ein Automobilzulieferer und Reifenhersteller eine Mitteilung machen, die es in sich hat: Continental verbietet den Gebrauch von WhatsApp aus dem Facebook-Konzern auf den Dienstgeräten der Mitarbeiter. Gleiches gilt für Snapchat. Continental sorgt sich dabei um Verstöße gegen die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung. Danach müssen die Nutzer jene Weitergabe von Daten erlauben, die bei den beiden US-Diensten aber automatisch erfolgt. WhatsApp und Snapchat verlangen Zugriff auf Kontaktdaten im Adressbuch der Nutzer und übertragen diese auf die eigenen Server. Der moderne Raubzug kommt harmlos daher wie ein Allwetterreifen.

Quelle: dpa
Putin trifft Kurz: Der russische Staatspräsident kommt zum Arbeitsbesuch nach Österreich.

Unter Freunden darf sich Wladimir Putin in Österreich fühlen. Heute kommt der russische Staatspräsident zum Arbeitsbesuch – und sein wendiger Gastgeber, Jungkanzler Sebastian Kurz, profiliert sich dabei als Brückenbauer über die Schützengräben der Vergangenheit. Kurz trägt die Sanktionen des Westens gegen Russland zwar pro forma mit, will aber eine schrittweise Wiederannäherung. Zu feiern gibt es auch etwas: Der Energievertrag zwischen Gazprom und der österreichischen OMV wird 50.

Viele werden heute in Bill Clintons gerade erschienenem Thriller „The President is Missing“ nachlesen, wie wohl die verwirrenden Kämpfe mit Terroristen, Spionen und Cyberkriegern gemeint sind, warum der deutsche Kanzler hier „Richter“ heißt und der BND-Chef „Kohl“, und wie gut eine Rede ist, die der literarische Präsident Jonathan Duncan zum Schluss hält – ohne je zu meinen, sich selbst begnadigen zu können. Zum Bestseller wird das Werk leicht langen, da Erfolgsautor James Patterson (Auflage: 365 Millionen) viel mitgeschrieben hat. Ein altes Clinton-Zitat fällt einem auch ein: „Ein Präsident ist wie ein Friedhofsverwalter. Er hat eine Menge Leute unter sich, aber keiner hört zu.“

Ich wünsche Ihnen einen dialogreichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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