Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing 5. März Genosse GroKo

Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
vom Eise befreit: Der „Faust“-Monolog gilt in diesen Tagen für Wetter und Politik gleichermaßen. Die SPD-Mitglieder haben sich, nach intensiver Selbstanalyse, für die sanfte Form der Disruption entschieden: Die Partei soll sich häuten bei gleichzeitiger Regierungsbeteiligung. Genosse GroKo muss dabei ein Wundermann sein.

Quelle: AP
Sigmund Freud: „Der Mensch ist so armselig, wenn er nichts will, als am Leben zu bleiben.“
(Foto: AP)

Während Andrea Nahles, Parteichefin in spe, die Genossen hin zur linken Formation der digitalen Ära bewegen muss, ist es Aufgabe von Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz, die GroKo-Partner der Union zu kalmieren. Ohne ein neues „Godesberger Programm“, soviel ist sicher, wird die neue Doppelstrategie scheitern. Doktor Sigmund Freud lehrt das Patientenkollektiv SPD: „Der Mensch ist so armselig, wenn er nichts will, als am Leben zu bleiben.“

Quelle: dpa
Wird Sigmar Gabriel Außenminister bleiben?

Nachdem die Republik wochenlang auf das Votum der Sozialdemokraten gewartet hat, muss sie nun gespannt darauf sein, wie die Traditionsgemeinschaft die frech ausgehandelten sechs SPD-Ministerposten besetzt. Für eine Partei, die das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte erreicht hat, ist das ziemlich viel Wirbel. Als eher unwahrscheinlich gilt, dass Sigmar Gabriel Außenminister bleibt. Der Mann stört die Kreise und kennt sich mittlerweile in den Krisengebieten der Welt um einiges besser aus als in den Debattenzonen der Sozialdemokratie. Die CSU wird dagegen schon heute ihre Vertreter benennen. Neben Horst Seehofer als Bundesinnenminister werden womöglich Generalsekretär Andreas Scheuer als Verkehrsminister und Vizechefin Dorothee Bär als Entwicklungsministerin eine neue Heimat finden.

Quelle: AFP
Silvio Berlusconi selbst kann nicht wieder Regierungschef werden, da er als verurteilter Steuerbetrüger nicht kandidieren durfte.
(Foto: AFP)

Die Berliner Kalamitäten könnten sich im Vergleich zu römischen Chaos-Zuständen als Piccolo-Problem herausstellen. Nach der Wahl in Italien zeichnen sich drei Blöcke ab, die schwerlich zusammenpassen, andererseits aber auch nicht alleine regieren können. Hier gilt das Leitmotiv des verstorbenen Nobelpreisträgers Dario Fo, wonach im Gelächter der höchste Ausdruck des Zweifels liegt. Erfolgreichste Einzelpartei wurde nach ersten Hochrechnungen die komödiantisch-populistische Fünf-Sterne-Bewegung mit gut einem Drittel der Stimmen, insgesamt noch überflügelt von der Mitte-Rechts-Allianz des ewigen Wiedergängers Silvio Berlusconi und der fremdenfeindlichen Lega Nord. Deutlich dahinter: die Demokratische Partei, der auch der einst so charismatische Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi nicht mehr helfen kann. Größte Gemeinsamkeit dieses Trio Infernale: Die unbezwingbare Lust an höheren Schulden.

Quelle: dpa
Ein Stapel mit der Antwort „Nein“ zu der Volksabstimmung zur Abschaffung der Rundfunkgebühren.

In einer Welt voller Fake News und professionell betriebener Desinformation haben die Schweizer ein Leuchtfeuer gesetzt. Mehr als 70 Prozent stimmten gegen die Abschaffung der Rundfunkgebühr, die öffentlich-rechtliche SRG bleibt. Wer immer gehofft hat, gesellschaftlich kontrollierte Medienmacht könne mit einem Federstrich durch die private Medienmacht finanzpotenter Polit-Gestalter ersetzt werden, sieht sich getäuscht und enttäuscht. Für ARD und ZDF ist das Votum der Eidgenossen jedoch kein Schlaflied, sondern Fanfare zur Generalreform. Sie müssen mit mehr ökonomischer Effizienz senden, was andere ignorieren und dabei auch noch Jüngere gewinnen.

Quelle: dpa
Bernhard Günther: Die Säure-Attacke auf den Finanzchef von Innogy löst eine Debatte über Sicherheit aus.

Wie aus einem mediokren Mafiafilm wirkt ein Anschlag im nordrhein-westfälischen Haan: Dort wurde Bernhard Günther, Finanzvorstand der „grünen“ Energiefirma Innogy, beim Brötchenholen mit Säure im Gesicht verletzt. Kurzfristig bestand Lebensgefahr. Die zwei Attentäter sind flüchtig, zurück bleibt der Schock über diese Art Wirtschaftskriminalität. Der promovierte Volkswirt und einstige McKinsey-Berater hatte zuvor als Finanzchef bei der Innogy-Mutter RWE gewirkt.

Quelle: dpa
Volkswagen bereitet den Börsengang der Lkw-Sparte vor.

Jahrelang hatte der VW-Konzern geradezu manisch Marken gesammelt. Jetzt machen sich die Wolfsburger Großeinkäufer, bedrängt von Diesel-Affären aller Art, ans Verkaufen. Noch in diesem Monat wird die Lkw- und Bussparte mit den Marken MAN und Scania in eine Aktiengesellschaft verwandelt, recherchierten meine Kollegen. Ziel: Börsengang 2019. Da der Ankeraktionär, der Porsche-Piëch-Clan, offenbar sein Okay gab, steht dem Plan wenig entgegen. Im Zugzwang ist nun Marktführer Daimler, der Ähnliches erwägt, neuerdings aber mit dem chinesischen 9,7-Prozent-Aktionär Li Shufu (Geely) einen Störenfried in den heiligen Hallen von Sindelfingen vorfindet.

Zum 90. machten sich die Oscars selbst ein Geschenk: alle Eindrücke vergessen zu machen, dass Hollywood lange Zeit ein Fest weißer Männer war. Moderator Jimmy Kimmel lobte stellvertretend „Wonder Woman“ und „Black Panther“ sowie die penislose Filmtrophäe. Eine überlange Show in Zeiten von #Metoo als großes patriotisches Freiheitsversprechen. Erwartungsgemäß unter den preisgekrönten Filmen: „Three billboards outside Ebbing, Missouri“ (beste Schauspielerin Frances McDormand) sowie „The Shape of Water“, zum Beispiel für die beste Regiearbeit (Guillermo del Toro).

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Start in den Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa
Startseite

0 Kommentare zu "Morning Briefing 5. März: Genosse GroKo"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.