Morning Briefing 6. Juni Was nun, Frau Merkel?

Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

fast 13 lange Jahre regiert Angela Merkel jetzt schon die Republik, eine Diensthabende der gepflegten Moderation. Es gilt die Routine der Raute. Und doch ereignet sich an diesem Mittwoch, 12.30 Uhr, im Bundestag eine Premiere. Erstmals stellt sich die Kanzlerin direkt den Fragen der Abgeordneten. Was nun, Frau Merkel? Zwei weitere Runden dieser Art sollen 2018 noch folgen. So haben es Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart. Auf drängende Fragen wird es vermutlich ohnehin nur Wortnebel geben – etwa dazu, wen Merkel zur Nachfolgerin oder zum Nachfolger aufbaut.

Quelle: dpa
Die Routine der Raute: Zum ersten Mal in 13 Jahren Amtszeit stellt sich Kanzlerin Merkel den Fragen der Abgeordneten.

Sie nennen ihn „Onkel Herbert“, den Mann, der es im großen VW-Konzern richten soll. Und so warten heute 20.000 Beschäftigte im Wolfsburger Stammwerk gespannt auf den ersten großen Auftritt des Herbert Diess als CEO. Große Frage: Gibt es nach den Ferien genügend Arbeit für alle? Kommt Kurzarbeit? Denn Volkswagen hat, wie andere Autobauer auch, Probleme mit dem neuen EU-Zulassungsstandard WLTP, der nach „Dieselgate“ gilt. Der Konzern kann die fristgerechte Zulassung aller Autos bis zum Herbst einfach nicht mehr garantieren, analysiert das Handelsblatt. „Onkel Herbert“ braucht keinen Applaus, er braucht ein Wunder.

Sein Geschäft ist der organisierte Krawall. So war es beim Nationalstaat Argentinien, so war es bei Alcoa, Uniper oder Stada. Deshalb hat im aktuellen Hedgefonds-Kapitalismus Paul Elliott Singer, 73, eine tiefe Schleifspur gezogen. Neues Opfer ist der Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp, der filetiert werden soll. Das Fondsmanagement von Elliott lässt im Handelsblatt-Interview stahlharte Vorwürfe vom Stapel: In der „aufgeblasenen Konzernzentrale“ säßen zu viele Leute, die „nicht nur viel Geld kosten, sondern auch Entscheidungen behindern“. Sicher ist: Die Frondeure aus den USA kosten Nerven. Unsicher ist, ob sie – wie gefordert – CEO Heinrich Hiesinger auch den Job kosten werden.

Quelle: dpa
Sein Geschäft ist der organisierte Krawall: Hedgefonds-Manager Paul Elliott Singer hat mit Thyssen-Krupp ein neues Opfer gefunden.

Jetzt haben es deutsche Wirtschaftspolitiker und Manager der Deutschen Telekom von den EU-Rechnungsprüfern schriftlich: Ihr vollmundiges Versprechen auf schnelles Internet ist nicht zu halten. Deutschland drohe, den Anschluss zu verlieren, schreiben die Experten aus Brüssel in einem Report. Statt auf Glasfaser setzt die dominierende Deutsche Telekom lieber stur auf aufgepeppte alte Kupferleitungen und praktiziert dabei die „Vectoring“-Technologie. Es sei gut, seinen Träumen nachzujagen, befand Franz Kafka, „aber schlecht, von ihnen gejagt zu werden.“

Er ist konservativ durch und durch, ein treuer Republikaner, doch mit einem Präsidenten namens Donald Trump konnte er partout nichts anfangen. So bestand eine seiner letzten offiziellen Handlungen darin, Aktionen gegen Trumps Einschränkung des freien Handels anzuschieben. Dann aber zog sich der Milliardär und libertäre Unternehmer David H. Koch, 78, aufgrund gesundheitlicher Probleme aus seinen Ämtern bei Koch Industries zurück. Sein Bruder Charles, 82, übernimmt. Für Trump wird es nicht einfacher.

Quelle: Reuters
Ende der Bikini-Ära: Bei den Wahlen zu „Miss America“ werden die Kandidatinnen in Zukunft nicht mehr in Bademode auftreten.

Knapp ein Jahrhundert lang sind bei den Wahlen zu „Miss America“ die Kandidatinnen im Bikini über die Bühne stolziert. Mit dieser Nabelschau machen die Veranstalter in Zeiten von #Metoo nun jedoch Schluss. Sehr viele junge Leute hätten sich gegen die Badewäsche-Nummer ausgesprochen, sagt der langjährige TV-Star Gretchen Carlson – und zieht die Reißleine. Die Chairwoman der Veranstaltungsorganisation redet beim Bikini-Bann von einer „kulturellen Revolution“. Man darf gespannt sein, welches ihrer Kinder diese Revolution als nächstes frisst.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa
Startseite

Mehr zu: Morning Briefing 6. Juni - Was nun, Frau Merkel?

0 Kommentare zu "Morning Briefing 6. Juni: Was nun, Frau Merkel? "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%