Morning Briefing 8. März Trump und die Scharfmacher

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
er will liefern, seine Wahlversprechen erfüllen und den amerikanischen Arbeiter schützen, wie das in der Rhetorik des US-Präsidenten heroisch heißt. Und so werden wir vermutlich noch an diesem Donnerstag eine Deklaration der Taten durch Donald Trump erleben: Strafzölle auf Stahl und Aluminium.

Quelle: dpa
In der Rhetorik des US-Präsidenten heißt es immer wieder, Trump wolle den amerikanischen Arbeiter schützen.

Uncle Sams alte Botschaft gilt: „I want you!“ Nun ist in einer globalisierten Wirtschaft das Anstiften von Handelskriegen immer auch ein Akt der Selbstbeschädigung - aber nach dem Abgang von Top-Wirtschaftsberater Gary Cohn agiert in Trumps Entourage niemand mehr, der das vermitteln kann. Es ist die Stunde der Scharfmacher, und wie in jedem Krieg stirbt auch im Handelskrieg die Wahrheit zuerst.

Quelle: AFP
Cecilia Malmström stellt Zölle auf Jeans, Erdnussbutter, Orangensaft und Whiskey aus den USA in Aussicht.
(Foto: AFP)

Die transatlantische Freundschaft, seit Jahrzehnten ein Klassiker, wird unter den neuen Bedingungen zum politischen Restposten. Und so erfreut sich EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström in der Rolle der Trump-Antipodin eines wachsenden Bekanntheitsgrads. Sie stellt Zölle auf Jeans, Erdnussbutter, Orangensaft und Whiskey aus den USA in Aussicht und will die Welthandelsorganisation WTO anrufen. Die EU berät auf dem nächsten Gipfel am 22. und 23. März über einen Gegenschlag. Hätten in diesem Konflikt doch nur einige die Weisheit des alten Diogenes: „An seinen Feinden rächt man sich am besten dadurch, dass man besser wird als sie.“

Vom Ethos des weltgrößten Staatsfonds, Norges Invest aus Norwegen, der Militärindustrie kein Geld zu geben, sind viele Finanzinvestoren weit entfernt. Wie weit, das hat jetzt die Anti-Atom-Kampagne Ican, die den Friedensnobelpreis bekam, in einer Studie ermittelt. Auch heimische Größen waren demnach zwischen 2014 und 2017 mit Zahlungen an die Atomwaffen-Branche sehr aktiv: Deutsche Bank 5,3 Milliarden Euro, Commerzbank knapp eine Milliarde. Und bei der genossenschaftlichen DZ Bank fällt eine fulminante Steigerung von 53 Millionen auf 378 Millionen auf: Der hauseigene Fonds „Uni Global“ steckte viel Geld in die US-Firma Northrop Grumman, einen Spezialisten für Rüstungstechnik.

Quelle: dpa
Die SPD lanciert Franziska Giffey für das Familien- oder das Arbeitsressort.

Als eines der größeren Probleme der anstehenden Großen Koalition in Berlin galt bisher, dass nur die Kanzlerin aus Ostdeutschland stammt. Diesem Trend haben sich SPD-Emissäre aus den neuen Bundesländern allem Anschein nach erfolgreich widersetzt. Sie lancieren Franziska Giffey, 39, Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln, im Kampf um einen Ministerposten, wahlweise für das Familien- oder das Arbeitsressort. Die Sozialdemokratin stammt aus Frankfurt/Oder. Am Freitag will die Partei definitiv mitteilen, welches Sextett aus den eigenen Reihen im Kabinett mitmacht.

Quelle: dpa
Niemand hat im Jahr 2017 mehr Patente in Europa angemeldet als Huawei.

Unter den neuen chinesischen Weltkonzernen ist Huawei mit seinen Smartphones und Netzwerkdiensten eine besondere Nummer. Es zeigt sich nun sogar, dass 2017 niemand mehr Patente in Europa angemeldet hat als diese Firma der Volksrepublik, die nach außen den Mitarbeitern gehört und die doch intern von einem altgedienten Offizier gelenkt wird. Jedenfalls hat Huawei mit 2.398 Patentanmeldungen im vorigen Jahr deutlich den Siemens-Verbund überholt, der auf die Zahl 2.220 kam. „China strebt nach Innovationsführerschaft in Spitzentechnologie“, schlussfolgert Cornelia Rudloff-Schäffer, Präsidentin des Deutschen Patentamts. Ein Handelsblatt-Team hat die Lage in diesem ökonomischen Schlüsselfeld akribisch analysiert.

Quelle: AP
Für die Produktion von „The Wolf of Wall Street“ sollen Gelder aus dem malayischen Staatsfonds 1MDB veruntreut worden sein.
(Foto: AP)

Zuweilen ist die Realität ziemlich nahe an der Fiktion, und umgekehrt. Das zeigt sich bei „The Wolf of Wall Street“, einem Hollywood-Epos über Spitzbuben und Gaunereien im Finanzwesen. Für die Produktion sollen Gelder aus dem malaysischen Staatsfonds 1MDB veruntreut worden sein; immerhin wurde die Produktionsfirma Red Granite für den Film vom Stiefsohn des Premierministers von Malaysia gegründet. Red Granite verpflichtete sich nun, 60 Millionen Dollar an die US-Regierung zurückzuzahlen, ohne jegliche Schuldanerkenntnis. Die Dialoge in „The Wolf of Wall Street“ sind im Übrigen sehr lehrreich. „Wenn man eine Jacht wie ein James-Bond-Bösewicht hat, dann kann man sich ja auch mal wie einer verhalten“, heißt es da zum Beispiel.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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