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Morning Briefing 9. August Der Hammer von Krupp

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das Gesellschafter-Drama bei Thyssen-Krupp in Essen dreht sich im Kern um die alte Frage: „Leiden oder triumphieren, Amboss oder Hammer sein“. Jetzt melden sich im Handelsblatt die Nachfahren von Alfried Krupp und klagen nach dem Weggang von CEO und Chairman die Krupp-Stiftung an. „Sie kommt ihrem unternehmerischen Auftrag nicht nach“, sagen Diana Friz, Friedrich sowie Eckbert von Bohlen und Halbach. Dem Stiftungs-Kuratorium, das 21 Prozent der Aktien verwaltet, „fehlt es an Kompetenz, Fokus und Strategie“ – also eigentlich an allem. Keine Frage: Hier will jemand Hammer und nicht Amboss sein.

Quelle: dpa
Dem verstorbenen Krupp-Patriarchen Berthold Beitz wird vorgeworfen, sich nicht um eine geeignete Nachfolge gekümmert zu haben.

Die spektakuläre Abrechnung zielt posthum gegen Berthold Beitz (1913-2013). Der habe sich nicht um eine geeignete Nachfolge gekümmert, so der Vorwurf. Und als der Patriarch und Stiftungschef starb, „fand sich die Stiftung in einer Situation wieder wie Jugoslawien nach Tito“, so die Analyse des Trios. Stimmt das Bild, dürfte die Nachfolgerin des Tito von Essen, die brave Mathematik-Professorin Ursula Gather, nur noch zuschauen, wie ihr Reich zerfällt. Die Kapital-Aktivisten im Haus – Elliott und Cevian – haben jedenfalls genug Ideen, was mit Stahl, Aufzügen, Autozulieferungen, Anlagenbau und Werften passieren soll.

Im globalen Handelskrieg ist bereits so viel Porzellan zerschlagen worden, dass nun auch die Welthandelsorganisation WTO nicht mehr bruchsicher ist. Ein Dreier aus den USA, Japan und der EU problematisiert in einem Anflug von Einigkeit Pekings Staatshilfen für chinesische Firmen sowie den Diebstahl geistigen Eigentums. Das soll per WTO geregelt werden. Die eigentliche Frage sei, „ob sich die globalisierte Marktwirtschaft mit einer chinesischen Wirtschaft verträgt, die zu 30 oder 40 Prozent staatlich kontrolliert wird“, sagt Ex-WTO-Chef Pascal Lamy dem Handelsblatt. Die Antwort: nein. Aber noch weniger verträgt sie sich mit der Muskelprotzshow der Protektionisten aus den USA.

Quelle: dpa
Mitten in der Ferienzeit machen die deutschen Ryanair-Piloten mit ihrer Streikdrohung ernst.

Wer am morgigen Freitag mit Ryanair fliegen will, hat kein Billigticket in den Händen, sondern Wut im Bauch. Weil die Piloten für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen streiken, fallen europaweit fast 400 von 2400 Flügen aus. Bis auf Baden-Baden sind alle deutschen Flughäfen betroffen. Viele Piloten des irischen Billigfliegers arbeiten als Selbständige im Cockpit und gelten als schlecht bezahlt. Es sieht so aus, als müsse der hartleibige CEO Michael O'Leary erst noch im System soziale Marktwirtschaft landen.

Entschieden zu viel Geschwindigkeit beweist Elon Musk mit seinen launigen Tweets. Die brisante Heimlichkeit vom möglichen Börsenabschied seiner Firma Tesla, die er da am Dienstag in die Welt posaunte, führt nun zu Untersuchungen durch die US-Börsenaufsicht. Tatsächlich war der Kurs – nach zwischenzeitlichem Aussetzen – regelrecht in die Höhe gesprungen. Optisch war Musk kurzzeitig um jene Milliarden Dollar reicher, die seinem alternativen Autobau beim gewünschten globalen Großangriff fehlen.

Quelle: obs
Die Firma Tank & Rast betreibt 95 Prozent aller deutschen Autobahnraststätten.
(Foto: obs)

Das Schönste im Wirtschaftsleben ist für Investoren ein Monopol. Vor allem, wenn es so lukrativ ist wie das der Firma Tank & Rast, die 95 Prozent aller deutschen Autobahnraststätten betreibt. Die Firma machte zuletzt 160 Millionen Euro Jahresgewinn und profitiert von Steuermitteln für Zu-und Abfahrten sowie Parkplätzen, zahlt andererseits aber dem Bund nur mickrige 16 Millionen Jahresgebühr. Was Großaktionär Allianz, Munich-Re-Ableger Meag sowie Fonds aus Abu Dhabi und China freut, ärgert die Linken: Die öffentliche Hand subventioniere das neue Monopol von Tank & Rast, finden sie.

Und dann ist da noch Kylie Jenner, die am morgigen Freitag 21 wird und nach Schätzungen von „Forbes“ am Jahresende in Rekordzeit zur jüngsten Selfmade-Milliardärin aller Zeiten aufsteigen könnte. Das hat nicht einmal Mark Zuckerberg geschafft. Die Leistung der Frau aus dem amerikanischen Jenner-Kardashian-Clan besteht darin, sich unaufhörlich in Social Media auszustellen und die Fans sogleich online zu ihrer Firma Kylie Cosmetics zur Monetarisierung weiterzuleiten. Seit Ernst Bloch wissen wir: „Eitelkeit ist das letzte Kleid, das der Mensch auszieht.“

Ich wünsche Ihnen einen guten Verlauf des Tages.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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