Morning Briefing 9. Juli Der Vordenker der CSU

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
niemand darf den Fehler machen, die schräge Kommandobrücke der CSU für die Partei selbst zu halten. Es gibt dort etliche sachorientierte gut-konservative Kräfte wie Manfred Weber, Ilse Aigner – oder Gerd Müller. Der Mann mit dem Mittelstürmernamen ist als Entwicklungsminister eine 1A-Besetzung. Er weiß, dass eine fairere Marktwirtschaft das beste Mittel ist, Fluchtursachen zu bekämpfen. Müller plant nun neue Steueranreize für hiesige Firmen, die in Afrika investieren, wie er in unserer Titelgeschichte erklärt. Es geht um Chancen, nicht um Festungsbau.

Quelle: dpa
Horst Seehofer (CSU): Keiner weiß, wie langer er noch Minister sein wird.

Keiner weiß, wie lange Horst Seehofer noch CSU-Chef und Bundesinnenminister sein wird. Seine Restlaufzeit jedenfalls wird wohl mit vielen Störfällen und Notmaßnahmen garniert sein. So wie jetzt: Angela Merkels Kabinett hat sich bei der EU-Kommission von ihm distanziert, so die „Süddeutsche Zeitung“. Seehofers Brief zum Brexit, mit dem er in Brüssel für Flexibilität in den Verhandlungen mit Großbritannien warb, habe nicht die Haltung der Bundesregierung wiedergegeben, schrieb die Ständige EU-Vertretung Deutschlands. Dank Seehofers Landsmann Karl Valentin wissen wir, dass jedes Ding drei Seiten hat: „eine positive, eine negative und eine komische.“

Thyssen-Krupp hat mit der Krupp-Stiftung (Anteil: 21 Prozent) einen „Ankeraktionär“ – der wenig zusammenhält: den Essener Industriekonzern so wenig wie die Führungsbesetzung. Nach CEO Heinrich Hiesinger steht auch Aufsichtsrat René Obermann vor dem Abgang: Der Ex-Telekom-Chef, der jüngst gegen die Fusion der Stahlsparte mit Tata Steel Europe votierte, hat nach Handelsblatt-Informationen seinen Rücktritt angeboten. Die Belegschaft wiederum kritisiert in einem Brief die Stiftungschefin Ursula Gather: „Wir sind traurig, enttäuscht und wütend.“ Sie hätten auch schreiben können: Das Erbe von Berthold Beitz ist verspielt.

Quelle: AP
Recep Tayyip Erdogan festigt seine Macht: Er wird als neuer Staats- und Regierungschef der Türkei vereidigt.
(Foto: AP)

Am heutigen Nachmittag wird Recep Tayyip Erdogan auf dem Gipfel seiner Macht sein. Er wird als neuer Staats- und Regierungschef der Türkei vereidigt, als eine Art Sultan 4.0 – und das nach gut zwei Jahren Ausnahmezustand, der bald enden könnte. Pressefreiheit und unabhängige Justiz hat er bereits niedergezwungen, nun soll offenbar die Zentralbank dran sein. Doch seinen derzeit wichtigsten Kampf – für bessere Wirtschaftsdaten – gewinnt Erdogan nicht per Dekret, sondern nur mit einem Mangelgut seiner Autokratie: mit Vertrauen. Die Inflation ist mit 15,4 Prozent so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Donald Trump wiederum kann heute in den USA seine Macht enorm verstärken. Er ernennt einen konservativen Nachfolger für den liberalen, moderaten Anthony Kennedy am Supreme Court, dem höchsten amerikanischen Gericht, das gesellschaftspolitisch wichtige Linien zieht. Es geht dem US-Präsidenten um einen „Originalisten“, der sich strikt an Gesetzestexte hält; als Top-Kandidat wurde zuletzt Thomas M. Hardiman genannt. Da die Richter des Supreme Court auf Lebenszeit ernannt werden, kommt der Trumpismus in der Justiz ziemlich „türkisch“ daher. „Die Herrschenden müssen bewacht werden, nicht die Beherrschten“, textete Friedrich Dürrenmatt.

Quelle: AP
Irans Hassan Rohani will 300 Millionen Euro in Cash im Flugzeug mit nach Hause nehmen.
(Foto: AP)

In diesen modernen Zeiten werden Milliardenbeträge in Nanosekunden rund um den Erdball gejagt. Manchmal aber werden 300 Millionen Euro einfach in Cash im Flugzeug transportiert. Der Iran mit Präsident Hassan Rohani jedenfalls will diese Summe von seiner Europäisch-Iranischen Handelsbank in Hamburg, deren Konten von der Bundesbank geführt werden, bald schon an Bord nehmen, um so angesichts amerikanischer Sanktionen liquide zu bleiben. Die Geheimdienste der USA und von Israel dagegen glauben, damit sollen Terroristen finanziert werden, berichtet „Bild“.

Er ist stolz darauf, dass alles „selfmade“ ist: sein Reichtum, seine Bekanntheit, sein Netzwerk. Wer wissen will, wie Carsten Maschmeyer denkt und wie er investiert, vielleicht auch, wie er seine Vergangenheit beim AWD oder das Machtzentrum Hannover sieht, kann ihn heute Abend in Hamburg im Handelsblatt-Wirtschaftsclub beim Gespräch mit Vize-Chefredakteur Thomas Tuma erleben. Einige Karten liegen bereit, das Los entscheidet. Schreiben Sie mir einfach: jakobs@morningbriefing.de.

Die Gedanken vieler sind in diesen Stunden beim Höhlendrama von Nordthailand, in dem vier Kinder gerettet werden konnten, der Kampf um acht weitere junge Eingeschlossene und ihren Trainer aber weitergeht.

Ich wünsche Ihnen einen hoffnungsvollen Start in die Woche.
Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor.

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