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Morning Briefing Airbnb, das moderne Börsenmärchen

11.12.2020 - 06:00 Uhr 3 Kommentare

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zum Wochenende erfreuen uns in der Regel gute Nachrichten, auch wenn sie kritischen Geistern womöglich allzu märchenhaft erscheinen. Nehmen wir die von Algorithmen getriebene US-Zimmervermittlung Airbnb. Sie leidet zwar wie alle im Tourismussektor unter Corona, legt jedoch den größten Börsengang des Jahres hin. Nach dem Start zum Wunder-Ausgabepreis von 68 Dollar schoss der Kurs wie bei einer SpaceX-Rakete von Elon Musk sofort um 115 Prozent auf 146 Dollar hoch.

CEO Brian Chesky begründet den Erfolg mit seinem Strategiekniff, von Privat-Flats in Großstädten auf Ferienwohnungen gewechselt zu haben. Airbnb habe jede Menge Angebote in ländlichen Gegenden, wo viele Leute gerade lieber hinreisten, sagt Mitgründer und Technikvorstand Nate Blecharczyk im Handelsblatt-Interview – als sei hier die Virusgefahr geringer. Reisen werde nie wieder so sein wie im Januar, weil die Welt nie wieder wie im Januar sein werde, liefert Chesky als philosophisches Dessert nach. Vielleicht liegt der Boom einfach auch daran, dass im Moment viele Investoren nicht wissen, wohin sie mit ihrem Geld sollen.

Geld, auch geliehenes, ist das Schmiermittel der Weltwirtschaft. Und wie bei Frau Holle schüttelt Christine Lagarde mit Schwung die Kissen über den Märkten aus. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank kündigt an, das Corona-Notprogramm zum Ankauf von Anleihen kräftig zu erhöhen – um eine halbe Billion auf nunmehr 1,85 Billionen Euro. Das Ganze heißt, anders als in Berlin, nicht „Wumms“, sondern „PEPP“. Und es ist ein „Kaufrausch“, den wir analysieren. Das Ende der Aktion Geldschwemme wird übrigens von Mitte 2021 auf März 2022 verschoben. Und Madame Lagarde versichert noch, ihre Notenbank stünde bereit, „alle unsere Instrumente immer wieder anzupassen“. Ihr Vorgänger hatte es auf Englisch so ausgedrückt: „Whatever it takes…“

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    Quelle: dpa
    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit ihrem Kompromissvorschlag die Haushaltsblockade durch Ungarn und Polen gleich am ersten EU-Gipfeltag gelöst.

    Und nun zu einer strahlenden Angela Merkel. In ihren Planungen für den Rest der Kanzlerin-Zeit stand die deutsche EU-Ratspräsidentschaft stets als die große Kür zum Abschied. Der gestrige Donnerstag lieferte nun das Glanzpolitur-Erlebnis, das den ersten Monaten sichtbar fehlte. In Brüssel billigt der EU-Gipfel einen Kompromiss, den die diplomatische Spitzenkraft aus der Uckermark im Streit mit Ungarn und Polen ausgehandelt hat. Danach blockieren die beiden Ost-Staaten das Haushaltspaket von 1,8 Billionen Euro für die nächsten sieben Jahre nicht mehr, inklusive 750 Milliarden Corona-Hilfen. Und haben dafür künftig Möglichkeiten, um gegen die angedrohte Kürzung von EU-Mitteln bei Rechtsstaatverstößen vorzugehen – über den Rechtsstaat, mit Eingaben beim Europäischen Gerichtshof. Ob darauf mehr als eine zeitliche Verzögerung von bis zu drei Jahren folgt, steht vermutlich im Kleingedruckten.

    Auch wenn beispielsweise der Vorstandschef der Charité vor einer Überbelastung der Klinken warnt, auch wenn in Kürze ein harter Lockdown kommt: Die Deutschen verlieren die Hoffnung nicht. 67 Prozent blicken mit Optimismus ins kommende Jahr, ermittelt Infratest Dimap für die ARD. Je einkommensstärker und jünger, desto größer die Zuversicht. Für 2020 sehen die Werte jedoch anders aus. 51 Prozent der befragten Deutschen bewerten das ablaufende Jahr negativ. Solche Gefühlsermittlungen erinnern an einen Dialog frei nach Georg Christoph Lichtenberg: „Wie geht’s, sagt ein Blinder zu einem Lahmen. Wie Sie sehen, antwortet der Lahme.“

    Die Pandemie-Bekämpfung ist ein Milliardengeschäft.

    Wenn Sie mehr wissen wollen über Firmen und Aktien, die vom Jahrhundertprojekt Corona-Impfung profitieren, ist unser Wochenend-Titel „Mission Neustart“ Pflichtlektüre. Er beleuchtet vor allem die Branchen Pharma, Chemie und Logistik. Bei der Pandemie-Bekämpfung handelt es sich um ein Milliardengeschäft, nicht nur für Pharmaunternehmen und ihre Zulieferer, sondern auch für Hersteller von Impfzubehör wie Spritzen und Kanülen oder für Kühltechnik-Spezialisten. Mittelfristig dürften Großkonzerne wie Astra-Zeneca oder Johnson & Johnson nach großen Profiten trachten, steht in unserem Report. Die potenziellen Einnahmen durch Corona-Impfstoffe liegen demnach in Industrieländern bei mehr als zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr.

    Gründerkultur hat sich Rainer Dulger auf die Fahnen geschrieben, der neue Arbeitgeberpräsident. Deutschland würde viel über die Jobs in der Zukunft reden, aber wenig darüber, wo die Unternehmer von morgen herkommen. Schon in der Schule spiele die Option, sein eigener Herr zu werden, kaum eine Rolle. Im Einzelnen sagt der Unternehmer im Handelsblatt-Gespräch über

    • das Ansehen von Wirtschaftsführern: „In der Öffentlichkeit dominiert leider oft das negative Unternehmerbild. Das zieht sich bis hinein in den ,Tatort‘ am Sonntagabend. Welcher Mördertypus kam in 50 Jahren ,Tatort‘ am häufigsten vor? Genau, der Unternehmer und Manager.“
    • Gründer: Wir dürfen bei Start-ups nicht nur an Apps oder Internet denken. Unternehmer sein heißt, für sich selbst und vielleicht irgendwann für drei oder vier Angestellte sorgen zu können.
    • das Rentensystem: Wir müssen darüber reden, dass wir alle wieder länger werden arbeiten müssen. Eine Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, kann nicht funktionieren, wenn das Rentenalter nicht angepasst wird.

    Der Mann wird seine Schlagzeilen in der Republik finden, zum Beispiel mit: „Der Mörder ist immer der Unternehmer“.

    Quelle: Maurice Kohl für Handelsblatt
    Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow fürchtet, dass ohne Beitragserhöhung kleinere Anstalten in Finanznot kommen.
    (Foto: Maurice Kohl für Handelsblatt)

    Über den angeblich wirtschaftsfeindlichen „Tatort“ habe ich mich mit Tom Buhrow nicht unterhalten, obwohl er als WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender dazu viel sagen könnte. Es ging vielmehr um die Folgen des Blitzschlags von Sachsen-Anhalt, der Blockade der Beitragserhöhung für die Öffentlich-Rechtlichen durch die CDU-Fraktion. Buhrow betont die Bereitschaft, das Anstaltswesen zu verändern: „Wir graben uns nicht ein – und ich stehe nun wirklich für Reformen.“

    Schwächen sieht er dagegen beim Gesetzgeber. Die Politik müsse „auch mutig den Auftrag an uns verändern, wenn sie das will“. In Magdeburg habe sich gezeigt, „dass Politiker zu Verantwortungsverweigerern werden“. Die Hoffnung auf 86 Cent mehr im Monat hat Buhrow nicht aufgegeben, denn da ist noch das Bundesverfassungsgericht. Es habe in mehreren Urteilen präzisiert, „welches hohe Gut die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor politischer Einflussnahme und politischen Ränkespielen ist“.

    Manchmal, in einem selbstgezimmerten Olymp des Journalismus, wird über niederen Lokaljournalismus gelästert. In Wahrheit haben die Kollegen den viel schwereren Job – und halten Demokratie vermutlich wirksamer aufrecht als mancher Girlanden hängende Essayist. Was da zu leisten ist, zeigt aktuell der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er weist in einer großen Geschichte nach, dass Kardinal Rainer Maria Woelki im Jahr 2011 – da war er noch Weihbischof – von einem sexuellen Missbrauch durch einen Priester in Düsseldorf erfuhr und danach offenbar patzte. Er habe weder die zuständige Stelle im Vatikan informiert noch eine kirchliche Voruntersuchung eingeleitet, was ein Verstoß gegen kirchliche Bestimmungen wäre. Das Erzbistum Köln erklärt, der Pfarrer sei nicht vernehmungsfähig gewesen, das Opfer habe an der Aufklärung nicht mitwirken wollen. Woelki war vor Wochen schon aufgefallen. Da wollte er ein bestelltes, angeblich fehlerhaftes Missbrauchs-Gutachten der Münchener Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zunächst nicht veröffentlichen – ehe er schließlich, nach lauter Kritik, für März die Einsichtnahme durch einzelne Personen in Aussicht stellte.

    Und dann sind da noch die Mitglieder der Familie Franco, die Erben des spanischen Caudillo Francisco Franco (1892-1975). Sie mussten bis gestern, spätestens elf Uhr, die einstige Sommerresidenz des Diktators im Nordwesten des Landes räumen. Das Wichtigste sei, „dass der Staat die Kontrolle über den Pazo de Meirás zurückgewinnt und an die Bürger zurückgibt“, sagt der spanische Justizminister Juan Carlos Campo. Er hat den Auszug vor Gericht erstreiten lassen. Der Sommerpalast war Ende des 19. Jahrhunderts als Refugium für Schriftsteller erbaut worden. 1938 im Bürgerkrieg bekam Franco dann das Anwesen vom „Volk von La Coruna“ nicht ganz freiwillig geschenkt. Eine galizische Richterin erklärte die Schenkung für nichtig, auch sei es zu keinem Kauf gekommen: „Franco zahlt nichts, Franco kauft nichts.“

    Ich wünsche Ihnen ein entspanntes, fröhliches Wochenende mit drei Kerzen.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    3 Kommentare zu "Morning Briefing : Airbnb, das moderne Börsenmärchen"

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    • mehr Gier als Verstand bei allen Kleinanlegern - Hauptsache die Marke sagt jedem was - besonders innovativ ist das Unternehmen nicht

    • Also, das Programm sollte regelmäßig dafür sorgen, dass die Kommentarfunktion auch um 8:00 scharf steht.
      Auch beim Corona-Ticker!
      Jetzt geht es: 08:10, na toll!

    • Ahh, hier ist um 8:02 schon 8 Uhr durch....
      Ich versuche es gleich noch mal auf dem Corona-Ticker.

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