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Morning Briefing Aktienmärkte: Wann kommt der Crash?

25.02.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

egal, welchen Börsenwertindikator Sie derzeit nehmen: alles aus dem Leim. Das berühmte Kurs-Gewinn-Verhältnis lag 1929 vor dem Crash an der Wall Street bei 21, 2000 vor dem Platzen der großen New-Economy-Blase bei 35, heute sind wir bei 36. „Tobin´s Q“? Hoffnungslos. Der Kurswert der Firmen liegt weit über deren Buchwert. Oder der „Warren-Buffett-Index“: Die Börsen haben sich von der Kraft der realen Wirtschaft weit entfernt.

Die „Bullen“ der Aktienmärkte haben zu viel Amphetamine intus. Von daher ist verständlich, dass fallende Kurse der US-Staatsanleihen den Finanzmarkt derzeit nervös machen. Nachdem der US-Notenbankchef Jerome Powell jedoch nun bei einer Anhörung im Kongress den Eindruck hinterließ, die Zinsen keinesfalls zu erhöhen, kletterte der Dow Jones gestern Abend auf Rekordniveau. Wie die Angst vor steigenden Zinsen die Angst vor dem Crash weiter nährt, beschreibt unsere Titelgeschichte.

Quelle: Bloomberg/Getty Images
Nach dem plötzlichen Tod von Heinz Hermann Thiele richten sich die Blicke auf die Haupterben: seine zweite Ehefrau Nadia (links) sowie seine Tochter Julia Thiele-Schürhoff, beide Mitgesellschafter seiner Vermögensverwaltung Stella.
(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Das Quandt-Modell hatte es Heinz Hermann Thiele angetan: So wie die Familie über den Aufsichtsrat von BMW herrscht, so wollte es der Milliardär auch bei Knorr-Bremse und Vossloh halten. Allein, er konnte nicht loslassen. Verschliss CEOs in Serie und sogar seinen Sohn Henrik: Der wurde ausbezahlt und ist heute glücklich mit einem Energie-Start-up.

Nach dem plötzlichen Tod des Patriarchen im Alter von 79 Jahren richten sich die Blicke auf die Haupterben: seine zweite Ehefrau Nadia sowie seine Tochter Julia Thiele-Schürhoff, beide Mitgesellschafter seiner Vermögensverwaltung Stella. Viele fragen sich, wie Julia die strategischen Fäden aufnimmt, die ihr verstorbener Vater bei Lufthansa mit seinem Zwölf-Prozent-Anteil spann. Und ob die Erbschaftssteuer wohl mit einem Verkauf von Anteilen finanziert wird.

Noch 2013 konnte sich Thiele senior die eigene Tochter nicht als Nachfolgerin vorstellen: „Biologisch“ unmöglich, Karriere und Kinderkriegen seien parallel nicht zu schaffen – dafür gehe es an der Spitze von Konzernen „viel zu hart und zu brutal“ zu. Das Schicksal hat hier eine andere Story geschrieben.

Das Glück der Deutschen Telekom liegt derzeit bei T-Mobile US in den Vereinigten Staaten. Das vor zwei Dekaden von Ex-CEO Ron Sommer gestartete Abenteuer hat sich nach vielen Irrungen und Wirrungen gelohnt. 60 Prozent der Umsätze und Gewinne stammen aus dem Land, dem das Klischee „unbegrenzte Möglichkeiten“ zuweist. Das wird sich wieder zeigen, wenn der Magenta-Konzern am morgigen Freitag Quartalszahlen vorlegt. Doch kein Glück ist vollkommen.

  • Nach dem Abgang des schillernden CEO John Legere, einem Marketing-Genius, muss der seit der Fusion mit Sprint amtierende Mike Sievert dauerhaft Fortune beweisen. Zur Stärkung der Macht müsste er in Bonn im Konzernvorstand vertreten sein.
  • Bis 2024 müsste sich die Telekom die Mehrheit bei T-Mobile US sichern. Aktienzukäufe beim Fusionspartner Sprint sind verabredet, kosten aber rund elf Milliarden Dollar.
  • Vom Börsengesamtwert der Telekom über 70 Milliarden Euro stammen rechnerisch allein 53 Milliarden aus den USA. Der große Rest in Europa ist also, im Vergleich, recht wenig wert. Man könnte es Klumpenrisiko nennen.

Der Bund als Großaktionär liebt und leidet mit.

An diesem Donnerstag will Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier über die Öffnungsstrategie in seinem Bundesland informieren. Auf einer internen digitalen Veranstaltung seiner CDU hat der 69-Jährige laut „Bild“ schon vorher eine Corona-Wutrede gehalten. Vor dem nächsten Krisengipfel am 3. März bei Angela Merkel erwarte er wieder „furchtbares Durcheinander, ein wildes Gekläffe – vom Kanzleramt bis nach Bayern und zurück, und am Ende Herr Drosten und Herr Wieler und die Leute werden wahnsinnig“. Und weiter hielt er zur Ökonomie fest: „Wir vernichten zurzeit Existenzen. Und ganz nebenbei auch die Staatsfinanzen.“

Rein virologisch müsse man, so Bouffier, mit Blick auf die Mutationen sagen: „Vor Mai dreht sich kein Rad“. Aber das sei wegen der Kollateralschäden nicht vermittelbar: „Die Leute haben die Schnauze voll.“ Den Kulturpreis Deutsche Sprache wird der wackere Bouffier nicht gewinnen, wohl aber die Herzen mancher Wähler vor den am 14. März anstehenden Kommunalwahlen.

Quelle: AFP
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stören journalistische Anfragen beim Grundbuchamt zu seinen Wohnungskäufen in den Berliner Stadtteilen Schöneberg und Dahlem.
(Foto: AFP)

Jens Spahn macht diesmal nicht mit Impf-Schusseligkeiten auf sich aufmerksam, sondern mit seinem Verhältnis zur Pressefreiheit. Der „Tagesspiegel“ berichtet, der Gesundheitsminister lasse über seinen Anwalt „offenbar Journalisten unter anderem von ,Spiegel‘, ,Bild‘, ,Stern‘ und ,Tagesspiegel‘ über deren Recherche zu seinen Immobiliengeschäften in Berlin ausforschen.“ Das gehe aus einem Schreiben des Spahn-Anwalts an ein Amtsgericht hervor.

Den CDU-Politiker stören augenscheinlich journalistische Anfragen beim Grundbuchamt zu seinen Immobilienkäufen in den Berliner Stadtteilen Schöneberg und Dahlem. Spahn fordere Schutz seiner Daten als Privatperson ein, wenn ein übergeordnetes, „berechtigtes“ Interesse der Presse nicht bestehe, erklärt sein Sprecher. In Hamburg klagt der „Tagesspiegel“ gegen ein Urteil des Landgerichts, wonach die Zeitung die genaue Kaufsumme bei Spahns Dahlem-Residenz nicht nennen darf. Es firmiert nur als „Millionenvilla“.

Die Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) sind offenbar in zwei Punkten besonders speziell. Zum einen fielen einige von ihnen durch beinharten Rechtsextremismus auf, zum anderen sind hier offenbar richtige Waffennarren zugange. Als Kommandosoldaten in Calw im Frühjahr 2020 ihre rechtswidrig angeeignete Munition ohne rechtliche Konsequenzen abgeben konnten, kam in einer „Amnestie-Box“ ein pralles Arsenal zusammen: mehrere zehntausend Schuss Munition nebst Handgranaten und Sprengmittel.

Dumm nur, dass sich Generalinspekteur Eberhard Zorn vor dem Parlament zu dieser Amnestie-Aktion ausschwieg. „Er hat Fehler gemacht“, gesteht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie wolle jetzt erst einmal die Hintergründe aufklären und weist Gerüchte, KSK-Chef Markus Kreitmayr stehe vor der Ablösung, klar zurück: Das seien „neudeutsch Fake News“. Da Kämpe „AKK“ in dieser Sache alles andere als sattelfest wirkt, fragt man ganz „altdeutsch“, ob sich das Ganze am Ende wohl zur Hanswurstiade auswächst.

Quelle: McKinsey
Kevin Sneader muss nach nur drei Jahren seinen Chefposten bei McKinsey räumen.
(Foto: McKinsey)


Und dann ist da noch Kevin Sneader, der nach nur drei Jahren seinen Chefposten bei McKinsey räumen muss. 650 Seniorpartner ließen den 54-jährigen Schotten beim Routine-Termin Wiederwahl überraschend durchfallen. Die Unternehmensberatung, die für viel Geld andere Firmen ein- und aufstellt, musste sich nun selbst helfen. Sneader wird miserables Krisenmanagement angekreidet – das Skandale, in die McKinsey verwickelt ist, noch größer erschienen ließ.

573 Millionen Dollar zur Beilegung von Klagen müssen die „Meckies“ in einem Vergleich mit 49 US-Bundesstaaten zahlen, weil eigene Berater Pharmafirmen beim Marketing von Opioiden halfen und dabei Suchtgefahren verharmlosten. Intern eine Rekordsumme. In Südafrika wiederum ist McKinsey in einen Korruptionsskandal verwickelt. Trost können die Consultants beim britischen Dramatiker John Osborne suchen: „Auch das schlechteste Buch hat eine gute Seite: die letzte!“

Ich wünsche Ihnen einen hoffnungsvollen Tag.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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1 Kommentar zu "Morning Briefing : Aktienmärkte: Wann kommt der Crash?"

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  • ja, die Musik zur Zeit: Joachim Witt: Wann kommt die Flut?

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