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Morning Briefing Alle Zeichen auf Frauenwirtschaft

06.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

auf dieser Seite finden Sie an prominenter Stelle meistens Männer. Aus bekannten Gründen, nicht aus guten Gründen. In diesem Morning Briefing ist das anders. Drei weibliche Spitzenkräfte machen den Anfang – vielleicht ein zufälliges, deutliches Zeichen, dass sich im Heiligsten der deutschen Wirtschaft etwas ändert. Mich erinnert das jedenfalls an einen Satz, den der legendäre Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld laut seinen jüngst erschienenen „Reiseberichten“ 1967 schrieb: „Ich sehe in dem Vordrängen weiblicher Autoren sowohl bei uns als auch in Italien und anderswo durchaus ein Symptom.“ Jede neue Zeit kündigt sich mit Symptomen an.

Quelle: B.Braun Melsungen AG
Anna Maria Braun ist die erste Vertreterin der sechsten Familiengeneration an der Spitze des Unternehmens.
(Foto: B.Braun Melsungen AG)

Schauen wir zum Beispiel auf Anna Maria Braun. Die 41-Jährige ist die erste Chefin im 181 Jahre alten Melsungener Medizinunternehmen B. Braun, das mit Kanülen, Prothesen und vielem anderen rund 7,4 Milliarden Euro umsetzt. Die Juristin setzt ganz auf die Offenheit und Toleranz ihrer Familie, wie sie im großen Handelsblatt-Gespräch offenbart: Meine Eltern haben immer gesagt: „Macht beruflich, was ihr wollt. Aber macht es richtig!“ Sieben Jahre war Anna Maria Braun in Asien aktiv, wo sie lernte, „dass es immer gut ist, eine möglichst große Vielfalt im Team zu haben“. Strategisch setzt sie nun auf Standardisierung: So arbeite man im Finanzwesen mit „Cobots“, kollaborativen Robotern, die bestimmte Transaktionen routinemäßig abwickeln. Eines ihrer Ziele: „Wir wollen die Digitalisierung mit der gleichen Mannschaft erreichen.“

Ihre bisherige Karriere hat Helene von Roeder in der Finanzwirtschaft gemacht – was ihr in der Coronakrise zugutekam. Die 50-jährige Finanzchefin des Immobilienkonzerns Vonovia rechnete den Investoren rasch die Kosten der Pandemie vor und schaffte es, Ende März via Anleihen eine Milliarde Euro am Kapitalmarkt einzusammeln. Derzeit treibt die Ex-Deutschlandchefin von Credit Suisse die Finanzierung anstehender Zukäufe des Dax-Konzerns in Frankreich sowie die eigene Effizienz um. „Reisezeit ist so ziemlich das Teuerste, was man haben kann“, sagt sie unserem Reporter Matthias Streit, Autofahren zum Beispiel sei „Lebenszeitverschwendung“. Schließlich hat Roeder noch eine Forderung: Man müsse angehen, dass die meisten beim Gedanken an einen Dax-Vorstand einen „Typen mit weißem Hemd“ sehen. „Wieso“, fragt sie, „kann in dem Bild nicht auch eine Frau mit rosa Jackett sein?“

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    Zu den innovativsten Mittelständlern Deutschlands gehört eine Firma in Leonberg, die mal mit Skibindungen reüssierte und sich heute auf Hightech-Schließsysteme von Gebäuden spezialisiert. Das 1863 gegründete Unternehmen Geze ist also ein Phänomen – und erst recht Eigentümerin Brigitte Vöster-Alber, die sich nach sage und schreibe 52 Jahren an der Spitze des Familienunternehmens jetzt aus dem operativen Geschäft verabschiedet. Zum Jahresende wechselt sie in den Aufsichtsrat. „Es ist auch Zeit, sonst fängt man an zu klammern“, kommentiert die 76-Jährige die operative Übergabe an ihre Kinder Marc, Andrea und Sandra. Zur Gender-Debatte fällt ihr ein Spezialrezept ein: „So manche Männer sollten morgens besser eine Östrogentablette zum Kaffee einnehmen.“

    Er war ein früher Europäer, der zwischendurch bei dem Thema jedoch ein wenig zu resignieren schien. Nun aber ist Wolfgang Schäuble voller Verve zurück – und fordert als Antwort auf Corona, die 1999 begonnene Währungsunion zu einer Wirtschaftsunion auszubauen. Es brauche „heute den Mut, den wir in der Krise 2010 nicht hatten, um endlich zu mehr Integration in der Euro-Zone zu kommen“, schreibt der Bundestagspräsident in der „Frankfurter Allgemeinen“: „Wir dürfen die Chance nicht wieder verpassen.“ Es solle weniger um kleinliche Finanzfragen gehen, sondern darum, „was wir konkret machen wollen, um Europa gemeinschaftlich voranzubringen“. Wolfgang Schäuble hat einen Traum. Das bedeutet für mich: Für den Anspruchsvollen kämpft man nun mal lieber als für den Langweiler der Alltagsbewältigung.

    Quelle: dpa
    Die Commerzbank ist ein Kind der Finanzkrise 2008/09, das die viel zu teure Übernahme der Dresdner Bank nie verkraftet und nur durch staatliche Hilfe überlebt hat.

    Die Commerzbank ist ein Kind der Finanzkrise 2008/09, das die damals zur Unzeit vollendete, viel zu teure Übernahme der Dresdner Bank nie verkraftet und nur durch staatliche Hilfe überlebt hat. Angesichts dieser Konstellation scheitert ein Männerbund zwischen CEO und Aufsichtsratschef nach dem anderen. Einige Jahre versuchten es Martin Blessing und Klaus-Peter Müller, zuletzt laborierten Martin Zielke und Stefan Schmittmann. Die aktuelle Rücktrittsankündigung der beiden ist ein Schock, der den Blick auf den notorisch lärmenden Aktionär Cerberus lenkt. Die Amerikaner monierten im Einklang mit manchen Investoren die vielen verfehlten Ziele – und drängen nun in den Aufsichtsrat. Unklar ist, wer sich den Tort der Führung antut. Nach unseren Informationen sollen knapp 450 der aktuell 1000 Filialen schließen und jede vierte von 40.000 Stellen soll entfallen. Zur Causa Commerzbank singen wir mit Udo Lindenberg: „Leider nur ein Vakuum.“

    Neues aus einem Lügenreich der deutschen Finanzwirtschaft namens Wirecard: Im Jahr 2018, als der Pinocchio-Konzern mit einem angeblichen Firmenwert von 24 Milliarden Euro die Commerzbank aus dem Dax kegelte, hat er in dem von ihm direkt kontrollierten Geschäft tatsächlich 74 Millionen Euro Betriebsverlust gemacht. Im Jahr zuvor waren drei Millionen minus angefallen. Die Flaute im Basisgeschäft – digitale Zahlungsabwicklung in Europa sowie Kreditkarten-Ausgabe in Europa und Nordamerika – wurde bekanntlich überstrahlt durch gefälschte Boomgeschäfte mit Drittpartnern in Asien. Man fragt sich langsam, was Insolvenzverwalter Michael Jaffé da – ohne jedes Flunkern – überhaupt zu verkaufen hat.

    Ewigkeitswert erreicht eine Erkenntnis des Philosophen David Hume: „Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“ Mit einem neuen Design des Handelsblatts und auch dieses Morning Briefings wollen wir von heute an täglich schöner die Welt betreten, also im Sinne Humes Seelenlagen verändern. Bei der Konzeption und Ausführung hat der renommierte Zeitungsdesigner Mario García geholfen. Es gehe um „Substanz, Exklusivität und Orientierung“, schreibt Chefredakteur Sven Afhüppe und kündigt eine Fokussierung auf wichtige Wirtschaftskomplexe, mehr Zukunftsthemen und eine Ausweitung der Auslandsberichterstattung an. Schreiben Sie ihm, wie Sie das neue Handelsblatt und Ihr Morning Briefing finden: [email protected].

    Quelle: AFP
    Ghislaine Maxwell soll bei etlichen Fällen sexuellen Missbrauchs junger Mädchen dem verstorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein und dessen Freunden geholfen haben.
    (Foto: AFP)

    Und dann ist da noch Ghislaine Maxwell, jüngste Tochter des 1991 verstorbenen Verlegers Robert Maxwell, vor deren Aussagen gegenüber Ermittlern sich prominente Kreise fürchten. Die 58-Jährige wurde von mehr als 20 FBI-Kräften auf einem Landgut in New Hampshire aufgespürt und wird später in dieser Woche vor ein New Yorker Gericht gebracht. Sie soll dem verstorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein und dessen Freunden bei etlichen Fällen sexuellen Missbrauchs junger Mädchen geholfen haben. Zu Epsteins Kreis gehörte auch Prinz Andrew aus der englischen Königsfamilie. Es ist so sicher wie die Kreuze im „Union Jack“, dass weitere Enthüllungen in dieser degoutanten Angelegenheit nicht ausbleiben.

    Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche, die mit der Mitteilung des Rappers Kanye West beginnt, amerikanischer Präsident werden zu wollen. Womöglich kommt er noch auf die glorreiche Disneyworld-Idee, wie jüngst Donald Trump vor Mount Rushmore, also unter den Köpfen von Washington, Jefferson, T. Roosevelt und Lincoln, reden zu wollen.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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