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Morning Briefing Amateure zocken Hedgefonds ab

28.01.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

fast zu schön, um wahr zu sein, ist die Geschichte von Kleinanlegern, die es Hedgefonds mal so richtig gezeigt haben – dank einer Trading-App namens Robinhood. Wenn man so will, läuft die Wall Street also auf einmal durch den Sherwood Forest. Jedenfalls haben sich Myriaden von Kleinanlegern über die Zockereien bei der US-Videoladenkette Gamestop verständigt. Bei der defizitären Old-Economy-Firma hatten Hedgefonds, wenig überraschend, per Leerverkäufe auf fallende Kurse gesetzt. Die Rechnung ging zunächst auf.

Doch dann borgten sich die Profis weitaus mehr Aktien als Gamestop ausgegeben hatte. Und just in diese Gier-Blase hinein stachen die Robinhood-Amateure, zockten ihrerseits und trieben über den konzertierten Großkauf von Aktien den Kurs hoch – sogar unterstützt von Elon Musk. Auf einmal war der Pleitekandidat 21 Milliarden Euro wert und Hedgefonds wie Citron und Melvin Capital gerieten in Schieflage. Alle Einstiegswillige in solche Games seien mit Albert Einstein gewarnt: „Gott würfelt nicht.“

Wie sehr die Bundesregierung allen Gerüchten über ein baldiges Ende des Lockdowns misstraut und wohl weitere Impf-Kalamitäten befürchtet, offenbart ihre jüngste Wachstumsprognose fürs Bruttoinlandsprodukt. Sie sinkt von 4,4 auf 3,0 Prozent – das ist weitaus pessimistischer als der Internationale Währungsfonds, der nur von 4,2 auf 3,5 Prozent korrigierte. Und das alles trotz Biden-Boom und China-Prosperität. Nimmt man die neuen Zahlen ernst, ist Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf einmal kein Mutmacher mehr, sondern ein Bote kommenden Unheils.

Quelle: Bloomberg
In der Kommunikation zwischen Astra-Zeneca und der EU-Kommission hakt es.
(Foto: Bloomberg)

Zum aktuellen Problemkranz zählt ein bizarrer Streit, den sich die Europäische Union mit dem Pharmakonzern Astra-Zeneca liefert. Man zankt öffentlich um Corona-Impfstoff wie die Hinterhofkinder um Murmeln. Das britisch-schwedische Unternehmen hat enorme Produktions- und Lieferprobleme, weshalb es auffällig ist, dass Großbritannien zuerst bedient wird. London habe immerhin schon drei Monate vor der EU bestellt, erklärt Astra-Zeneca – hier zählt das Prinzip: „First come, first serve“.

Brüssel dagegen appelliert an die moralische Verantwortung, da viele in Europa länger auf den rettenden Piks warten müssten. Ein Online-Krisengipfel gestern Abend endete mit höflichen Abschiedsfloskeln, mehr war nicht. Die ersten sprechen vom „Impfstoffkrieg“ zwischen Festland und Brexit-Staat. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides: „Wir erbitten uns von Astra-Zeneca einen klaren Plan zur schnellen Lieferung der Impfstoffe, die wir für das erste Quartal reserviert haben.“

In der Pandemie hat Bundesinnenminister Horst Seehofer bisher noch keine Rolle gespielt. Nun aber soll der CSU-Politiker schon bald, wohl bis Freitag, eine Verfügung präsentieren, die den Flugverkehr aus Hochrisikogebieten deutlich einschränkt. Betroffen sind Staaten mit vielen Virus-Mutationen wie Großbritannien, Brasilien, Südafrika und Portugal, vielleicht auch die Niederlande und Dänemark. Der Einreise-Stopp soll nicht für Frachtflüge gelten. Zuletzt hatte die Bundespolizei bei 16 Airlines täglich bis zu 250 Verstöße gegen Einreisebestimmungen festgestellt, etwa rund um die Testpflicht.

Quelle: dpa
Lufthansa will stärker im Geschäft mit Freizeitreisen expandieren, weil dieses Segment stark wächst.

Die neuen Flug-Drohungen sind Gift für das neue Geschäftsmodell „Ocean“, das sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr gebastelt hat. Es setzt darauf, das Geschäft mit Touristen nach der Pandemie rasch wieder aufzubauen. Laut dem Lufthanseaten erhole es sich besser als das Business mit Geschäftsreisen. Über „Eurowings Discover“ soll Spohrs Spezialität sommers anlaufen und die Bilanz der schwer angeschlagenen Airline retten, analysieren wir in einem Report. Vorbild ist die Marke „Edelweiss“ der Lufthansa-Tochter Swiss. Verkehrsexperte Ismail Ertug von der SPD sieht sogar ein „Quasi-Monopol“ der teilverstaatlichten Lufthansa, sollte aber auch wissen, dass sich Edelweiss, das Alpenkind, nicht einfach am Zaun pflücken lässt.

Knapp eine Milliarde Euro zahlt der Walldorfer Konzern SAP für ein Potsdamer Start-up – das soll ihn in neue Höhen des beliebten Cloud-Geschäfts führen. Immerhin ist es die Spezialität von Signavio, Abläufe in Firmen analytisch und grafisch verständlich zu machen. SAP-Chef Christian Klein sucht derzeit nach jeder Chance, sein Programmpaket S/4 Hana für die digitale Neuzeit populärer zu machen. Nun bündelt SAP, zwecks besserer Einführung ins Cloud-Computing, mehrere Komponenten zu einem einheitlichen Preis. Holger Müller, Analyst bei Constellation Research, kommentiert das Powerplay mit Signavio in unserer Titelgeschichte: „Der Konzern hat das Thema verschlafen und schlägt nun in alter Manier zurück: erst Partnerschaft schließen, dann kaufen.“ Weil es selbst bei Milliarden-Deals menschelt, hier noch die Information, dass Signavio-Gründer Gero Decker einst Vorlesungen bei SAP-Mitgründer Hasso Plattner gehört hat.

Quelle: dpa
Der Gründer und Co-Chef von N26 setzt weiter auf Wachstum. Inzwischen zählt die Smartphone-Bank sieben Millionen Kunden.

Als Kandidat für einen Börsengang im Jahr 2022 gilt die Berliner Digitalbank N26. Wie gut, dass der Gründer und Co-Chef Valentin Stalf im Handelsblatt-Interview für Ende diesen Jahres einen „Gewinn in Griffweite“ versprechen kann. Im Einzelnen sagt der Banker aus Wien über…

  • …das Zahlungsverhalten der Kunden: „Die Deutschen häufen immer mehr Geld auf den Bankkonten an, weil sie gerade im Lockdown nur selten große Ausgaben tätigen, beispielsweise für Reisen oder ein neues Auto. Das gilt auch für N26.“
  • …die Pandemie-Folgen: „Die Coronakrise treibt letztlich sogar unser Geschäft an. Die Vorteile eines digitalen Kontos mit digitaler Konteneröffnung und digitaler Karte werden noch klarer.“
  • …die Arbeitsbelastung: „Wir sind einer der attraktivsten Arbeitgeber in Europa. Unsere Geschwindigkeit ist sehr hoch, und damit steigt natürlich auch der Druck im Vergleich zu traditionellen Firmen. Gleichzeitig sind die Lernkurve und die Entwicklungsmöglichkeiten viel größer. Das müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wissen.“

Für die nähere Zukunft kann sich Firmenlenker Stalf mit André Kostolany fit machen: „Börsengewinne sind Schmerzensgelder. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.“

Jede Woche fragen wir für unser Dax-Sentiment mehr als 4000 Handelsblatt-Leser nach ihrer Einschätzung zum Geschehen auf den Aktienmärkten – einmal im Jahr nach der Richtung fürs ganze Jahr. Daraus hat Börsenexperte Stephan Heibel eine Prognose für 2021 abgeleitet. Wie also könnte das Jahr auf dem Parkett laufen? Auf welche Branchen sollten Anleger setzen? Darüber spricht Analyst Heibel heute um zwölf Uhr mit unserem Anlagespezialisten Jürgen Röder. Sie können live dabei sein und Fragen schon vorab stellen. Hier geht es zur Anmeldung.

Und dann ist da noch Julian H., mutmaßlicher Drahtzieher der Aktion „Ibiza-Video“, die den österreichischen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache 2019 zu Fall brachte. Im „Standard“ plaudert jetzt der in Berlin einsitzende Video-Schöpfer, wie er zusammen mit einem Wiener Anwalt Straches Intimus Johann Gudenus mit der Räuberpistole lockte, eine Oligarchen-Nichte wolle russisches Schwarzgeld nach Österreich bringen. Der Plan, das kammerspielartige Video im Wahlkampf einer Partei zu verkaufen, ging jedoch nicht auf. Ihm seien dann aber „zwei, drei Millionen Euro“ geboten worden, wenn er sich öffentlich zum Ibiza-Video bekennen und die SPÖ oder Hans Peter Haselsteiner belasten würde, den Großspender der oppositionellen Neos.

Der Privatdetektiv erzählte ferner, er habe die Kanzlei von Bundespräsident Alexander Van der Bellen über die Causa Ibiza informiert. Die Hinter-Gittern-Erzählungen lösen in unserem Nachbarland die üblichen Schmäh-Schockwellen aus. Mit dem hochbegabten Spötter Karl Kraus wundern wir uns über gar nichts mehr: „Was Deutschland und Österreich trennt, ist die gemeinsame Sprache.“

Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Tag.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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