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Morning Briefing Angela Merkels politische Endzeit

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Endzeit ihrer Macht erlebt Angela Merkel in Europa als Abfolge von Schief- und Niederlagen. Erst kann sie Manfred Weber aus dem eigenen konservativen Lager nicht als EU-Kommissionspräsident durchsetzen, dann hakt es bei ihrer Second-Best-Lösung: Frans Timmermans, dem niederländischen Sozialdemokraten, den sie „Fransrapid“ nennen. Von „Fransrapid“ ist in Brüssel jedoch nichts zu spüren, am Sonntag und Montag verstrickte man sich 19 Stunden lang in einer Art Personal-Scrabble, heute wird weiter nach einer Lösung gesucht. Was wiegt eigentlich schwerer, fragt man sich: Dass sich Großbritannien oder dass sich Leadership aus der EU verabschiedet hat?

Quelle: Reuters
Merkels europäisches Vermächtnis ist in Gefahr.

Man hat die deutsche Kanzlerin oft mit Helmut Kohl verglichen. Derzeit aber sieht es nicht so aus, als erreiche Merkel überhaupt 16 Regierungsjahre wie einst der Pfälzer. Und ihr europäisches Vermächtnis ist in Gefahr, anders als beim großen Europäer Kohl, der in Paris François Mitterrand zum Partner in wichtigen Fragen hatte. Das derzeitige deutsch-französische Verhältnis aber ist ein Fall für den Paartherapeuten. Der große Sorbonne-Redner Emmanuel Macron fühlt sich missachtet, Merkel wiederum vorgeführt, nachdem der Franzose ihren Kandidaten Weber wie einen Schulbuben hat aussehen lassen. In solchen Lagen hilft der große Voltaire: „Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.“

So verbissen Italien um die Bestrafung für die deutsche Kapitänin Carola Rackete wegen Seenotrettung kämpft, so lax hält es das Land mit seiner Verschuldung. Immerhin beugt sich Italien jetzt dem Druck der EU und hat das Defizit-Ziel von 2,4 Prozent auf 2,04 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gekürzt. So will Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini ein Disziplinarverfahren der EU wegen eines Verstoßes gegen die europäischen Haushaltsregeln vermeiden. Das Mittelmeerland hat es zu einem beachtlichen Schuldenturm gebracht, seine Verbindlichkeiten machen mehr als 132 Prozent vom BIP aus.

Quelle: dpa
Andreas Bovenschulte könnte Bremens neuer Bürgermeister werden

Aus den Träumen, als Rockstar zu wirken, wurde nichts. Aber dafür kann Andreas Bovenschulte, 53, in Bremen nun zum Bürgermeister und Chef der gerade beschlossenen rot-grün-roten Landesregierung aufsteigen. Vorgänger Carsten Sieling, 60, verabschiedete sich nach Bildung der neuen Koalition. Und Sozialdemokrat Bovenschulte, einst Asta-Vorsitzender und zuletzt für zwölf Jahre Bürgermeister in Weyhe, ist bereits zum SPD-Fraktionschef gekürt. Schlecht läuft es für seine Partei nicht: Da verloren die Sozialdemokraten bei der jüngsten Wahl nach 73 Jahren erstmals die Macht und dürfen sie doch behalten.

An eine wilde Abenteuerfahrt erinnert das unternehmerische Wirken der deutschen Milliardärs-Familie Reimann, die sich vor einem zu starken Steuerzugriff durch Umzug von der Kurpfalz nach Wien gerettet hat. In ihrem Kosmetikkonzern Coty hatten die so scheuen wie größenbewussten Erben vor Jahren gleich drei Dutzend Marken von Procter & Gamble erstanden – worauf sie jetzt drei Milliarden Dollar abschreiben müssen. Der Kurs brach gestern um bis zu 19 Prozent ein. In der Not soll die Coty-Zentrale von New York bald nach Amsterdam wechseln. Und aus dem Sammelsurium von noch 80 Marken will man 20 besonders fördern, von „Max Factor“ bis „Wella“.

Schlechte Nachrichten aus der Antarktis: Wissenschaftler haben entdeckt, dass das Meeres-Eis dort seit 2014 extrem schnell schwindet. Innerhalb von vier Jahren verlor die Region so viel Eis wie die Arktis in 34 Jahren – das könnte das Phänomen der Erderwärmung verschärfen. Von einer dramatischen Wende spricht die Wissenschaftlerin Claire Parkinson, die über den Antarktis-Alarm eine Studie in „Proceedings of the National Academy of Sciences“ publiziert hat.

Am Dienstag kommender Woche feiern „Die Fantastischen Vier“ ihr 30-jähriges Bandjubiläum. Sie treten zusammen mit dem Musiker Clueso in München auf – ausschließlich für Fans mit Abo-Dienst „Prime“ des Konsumgiganten Amazon. Sogar ein Liedchen gibt’s exklusiv für die Gemeinde. Deutschland hat sich längst zum digitalen „Amazonien“ verwandelt, schildert ein Handelsblatt-Report. 94 Prozent aller deutschen Online-Shopper nutzen den Internetprimus aus Seattle, der vielen als „Kampfmaschine“ erscheint. In „Endzeitstimmung“ singen „Fanta 4“: „Es gibt 'n Leben danach, wie beweisen wir das / Heh, Veganer voraus, alle beißen ins Gras.“

Und dann ist da noch Prinzessin Haya bint al-Hussein, 45, Königstochter aus Jordanien, die sich von Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktoum, 69, offenbar getrennt hat, dem Herrscher über Dubai. Die beiden zogen sogar vor den High Court in London. Haya steht dem englischen Königshaus sehr nahe und soll aus Angst um ihr Leben in Deutschland Asyl beantragt haben. In der Öffentlichkeit war die Frau, die ihre zwei Kinder mitgenommen hat, seit zwei Wochen nicht mehr zu sehen. Diese Scheidung ist ein Politikum.

Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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