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Morning Briefing Angela Merkels Warnungen

26.10.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

hundertprozentig richtig liegt man mit der Voraussage, dass wir eine intensive Corona-Woche erleben werden. Weit weniger präzise ist eine Prognose über jene politischen Maßnahmen, die die Pandemie einschränken sollen. Was alle schreckt: Wir schauen auf das Ausland und sehen womöglich unsere nähere Zukunft. Frankreich: 52.000 Neuinfektionen, Ausgangssperren. Spanien: fast 20.000 neue Fälle, erneut Gesundheitsnotstand. Italien: 21.000 Neuinfektionen, Sperrstunde ab 18 Uhr. Auch hierzulande steigen die Zahlen, dunkelrot ist derzeit der häufigste „Pick“ auf der Farbskala. „Es stehen uns sehr, sehr schwere Monate bevor“, sagte Kanzlerin Angela Merkel gestern in einer Schaltkonferenz der CDU-Fraktionschefs der Länder, „so kann es nicht weitergehen“. Am Donnerstag wird sie in ihrer Regierungserklärung diese Erkenntnisse in anderen drastischen Worten wiederholen.

Quelle: dpa
Kanzler Angela Merkel hat ihre Don’t-touch-Appelle an die Bevölkerung in eine Wiederholungsschleife gelegt.

Das Regierungsrezept lautet derzeit: soziale Kontakte minimieren. Im Endeffekt aber macht es wenig Unterschied, ob ein Lockdown freiwillig ist oder verordnet wird. Merkel, die ihre Don’t-touch-Appelle in eine Wiederholungsschleife gelegt hat, wird am Freitag mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten über eine Langfriststrategie reden. Auch ein Konzept für Sportveranstaltungen soll verabschiedet werden und ist wohl dringend nötig. Obwohl der Inzidenzwarnwert von 35 weit überschritten war, wohnten in der Fußballbundesliga 4500 Zuschauer dem Spiel Union Berlin gegen SC Freiburg bei, ganz nach der Hausparole „Eisern!“. Am Dienstag debattiert übrigens der Berliner Senat über einen Corona-Stufenplan, der bei steigenden Infektionswerten harte Maßnahmen vorsieht. Konsens in Berlin und der Republik ist jedoch, dass Schulen und Kitas nicht wieder geschlossen werden sollen.

Ziemlich lange hat es gedauert, aber dann ging der CDU doch ein Licht auf: Der vorgesehene Stuttgarter Präsenzparteitag zur Wahl des neuen Vorsitzenden am 4. Dezember findet nicht statt. Sonst wäre dafür zwei Tage später bei christdemokratischen Nikolausfeiern Knecht Ruprechts Rute fällig gewesen. Bis zuletzt hatte Kandidat Friedrich Merz, der sich als Favorit begreift, auf die Dezember-Kür bestanden. Nun ist er wohl mit einer Verlegung in den Januar einverstanden, auch wenn die Corona-Werte dann kaum besser sein dürften. Die Mitbewerber Armin Laschet und Norbert Röttgen können sich deshalb auch das Frühjahr vorstellen. Gestern unterhielt sich ein kleiner Kreis mit den Aspiranten über das Problem, heute verkündet Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer das Resultat. Die Empfehlung des Tages für die Saarländerin kommt von Ludwig Wittgenstein: „Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen.“

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    Die zweite Viren-Welle bedeutet auch eine zweite Abschwung-Welle der Wirtschaft. Der Optimismus bisheriger Wachstumsprognosen atomisiert sich gerade. Und so richtet sich der Blick vieler Ökonomen und Nicht-Ökonomen auf Christine Lagarde und die von ihr gelenkte Europäische Zentralbank (EZB). Am Donnerstag wird dort über weitere Geldspritzen für Europas gefährdete Wirtschaft beraten, und womöglich muss das existierende, durchaus üppige Programm für Anleihenkäufe von 1,35 Billionen Euro noch mal erweitert werden. Das schildert unser von Jan Mallien und Frank Wiebe erarbeiteter Titelkomplex. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Wir erwarten, dass die EZB vielleicht schon im Dezember eine Aufstockung ihres Kaufprogramms beschließt.“

    Quelle: AFP
    Ein Jahr lang steht Christine Lagarde jetzt an der Spitze der EZB und hielt sich unter dem Strich in der Krisenbekämpfung gut, in der Krisenkommunikation aber eher schlecht.
    (Foto: AFP)

    Ein Jahr lang steht Madame Lagarde jetzt an der Spitze der Über-Bank und hielt sich unter dem Strich in der Krisenbekämpfung gut, in der Krisenkommunikation aber eher schlecht. Pardon, aber für Lieschen Müller und Hans Mustermann ist die Geldpolitik aus dem Frankfurter Ostend nicht verständlicher geworden.

    Heldinnen und Helden des Alltags waren viele öffentliche Bedienstete in der ersten Coronakrise. Wir applaudierten. Applaus aber ist das Brot des Künstlers, nicht das der Müllarbeiter oder Pflegerinnen. Nun gibt es nach der Tarifeinigung im öffentlichen Dienst 4,9 Milliarden Euro mehr. Auf den Bund, der den Abschluss auf 225.000 Beamte übertragen will, kommen zusätzlich 1,2 Milliarden Euro zu. Vereinbart wurde mit Verdi, dass die Entgelte in zwei Stufen um insgesamt 3,2 Prozent steigen, für Geringverdiener sogar um 4,5 Prozent. Zum Ritual gehört, dass die einen das Resultat als gerade noch „maßvoll“ ansehen, die anderen hingegen loben, es sei das „aktuell Machbare erreicht“ worden. Gemeinsam wissen sie: Ein Streik in Corona-Zeiten hätte deplatziert gewirkt wie die sprichwörtliche Ananas-Farm in Alaska.

    Was kann schon schiefgehen, wenn sich ein Hollywood-Veteran wie Jeffrey Katzenberg mit einer Silicon-Valley-Legende wie Meg Whitman zusammentut und eine neue Medienidee propagiert? Nichts, dachte man. Doch nun ist schon nach sechs Monaten Schluss für ihre App Quibi, die auf professionell gemachte, teuer produzierte Kurzvideos unter zehn Minuten gesetzt hatte. Doch dafür fanden sich in einer Welt, die von Youtube und Tiktok hinreichend bedient wird, viel zu wenige Zahler. Auch die Lust der Amerikaner auf mehr Medienkonsum in den Corona-Wochen änderte daran nichts. Nach der Schließung von Quibi sollen Assets verkauft werden. Die Investoren, die fast zwei Milliarden Dollar spendiert hatten, werden einen Teil ihres Geldes wiedersehen.

    Quelle: via REUTERS
    Christian Seifert, mächtiger Chef der Deutschen Fußballliga, plant offenbar den Absprung.
    (Foto: via REUTERS)

    Und dann ist da noch Christian Seifert, mächtiger Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), der offenbar den Absprung plant. Er wolle seinen bis Ende Juni 2022 laufenden Vertrag nicht verlängern, vermeldet „Bild“. Der Zeitpunkt für eine solche Ansage ist sehr früh. Schon vor einigen Tagen war der 51-Jährige von seinem Amt im Präsidialausschuss des Deutschen Fußball-Bunds zurückgetreten. Der Manager, einst für Pro Sieben, MTV und Karstadt-Quelle New Media aktiv, war seit seinem DFL-Start 2005 ein Alchimist der Rasenballspiele. Er machte aus TV-Lizenzen Banknoten – mehr als eine Milliarde Euro pro Saison. Doch nun ist die Spitze der wundersamen Geldvermehrung erreicht. Irgendwann könnte Marketingtalent Seifert in gehobener Stellung wieder in der deutschen Wirtschaft auftauchen.

    Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche, trotz aller Kontaktsperren.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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