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Morning Briefing Anklage und Selbstanklage bei SAP

Unternehmer wollen üblicherweise Stärke zeigen, nicht Demut. Bei Hasso Plattner, Co-Gründer des wertvollsten deutschen Konzerns, ist das jetzt einmal anders.
20.05.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

Unternehmer leben üblicherweise von zur Schau gestellter Stärke, nicht von Demut. Das ist bei Hasso Plattner jetzt einmal anders, beim Co-Gründer des wertvollsten deutschen Unternehmens SAP und dem laut „Forbes“ neuntreichsten Deutschen. Im Handelsblatt-Gespräch redet er über den Fehler, in der Walldorfer Firma ein zu dominantes US-Management zugelassen zu haben: Da seien „zwei Kulturen aufeinandergeprallt, die sehr unterschiedlich sind“.

Daran sei auch das Führungsduo mit der Amerikanerin Jennifer Morgan und dem Deutschen Christian Klein (jetzt Solo-CEO) gescheitert, so Plattner. Als er die beiden im Oktober 2019 installierte, habe er nicht gesehen, „wie weit sich das Verständnis zwischen den zugekauften Firmen in Amerika und der deutschen Zentrale da schon auseinanderentwickelt hatte.“ Dieses Interview liegt irgendwo zwischen Beichte, Selbstanklage und Anklage.

Quelle: dpa
SAP-Co-Gründer Hasso Plattner kritisiert Ex-Chef Bill McDermott.

Was die Anklage angeht: Vor allem der einst allseits gehuldigte Ex-CEO Bill McDermott bekommt sein Fett ab. Dessen amerikanische Philosophie, akquirierte Firmen „einfach selbstständig und eigenverantwortlich laufen zu lassen, mag wirtschaftlich sogar noch Sinn gemacht haben“, sagt Plattner, „technologisch haben wir trotzdem nicht die richtige Entscheidung getroffen“. Gerade im entscheidenden Cloud-Geschäft müsse im Softwarekonzern SAP nun harmonisiert und standardisiert werden.

Der McDermott-Darwinismus ist da out: „Für ihn stand der Wettbewerb ganz oben, für mich der Kunde“, rechnet Plattner zur virtuellen SAP-Hauptversammlung am heutigen Mittwoch ab. Der 76-jährige Plattner darf von Kalifornien aus nur eine Grußbotschaft ausrichten, seine Zukunftsbotschaft platziert er bei uns: Er überlege, über das vorgesehene Vertragsende in 2022 hinaus weiter Aufsichtsratschef zu bleiben – „auf ein paar Jährchen mehr“ komme es nicht mehr an.

Ein Königreich für einen Deal, sagte sich der Volkswagen-Konzern und kaufte seine zwei wichtigsten Manager für je 4,5 Millionen Euro – zahlbar an die Staatskasse – von einer Anklage wegen Marktmanipulation frei. Darauf haben sich nach Informationen des „Manager Magazin“ das Landgericht, die Staatsanwaltschaft Braunschweig sowie die Angeschuldigten verständigt. CEO Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sollen die Aktionäre zu spät über den Diesel-Skandal informiert haben, lautete der Vorwurf. Die nun fällige Auflage über neun Millionen Euro zahlt der VW-Konzern generös, selbstredend ohne Schuldanerkenntnis. Eine Einigung mit dem dritten Beschuldigten, Ex-CEO Martin Winterkorn, steht noch aus.

Quelle: AP
Die Partei von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, „La Republique en Marche“, verliert die absolute Mehrheit.
(Foto: AP)

Im Sanierungsprojekt Frankreich regiert Staatspräsident Emmanuel Macron nun ohne absolute Mehrheit. Sieben Abtrünnige verließen seine Partei „La République en Marche“ (LaREM) und heuerten bei der neuen Gruppierung „Ecologie Démocratie Solidarité“ (Ökologie, Demokratie, Solidarität) an. Damit fehlt Macrons Truppe nun eine Stimme – man muss fortan mit der Mitte-Partei MoDem (46 Sitze) paktieren.

Das Parlamentsdesaster von Paris verdirbt ein wenig die euphorische Stimmung, die gestern nach dem Verkünden eines 500-Milliarden-Euro-Rettungsplans für Europa aufgekommen war. Gegen diese Macron-Merkel-Initiative wendet sich wiederum eine kleine Gruppe aus Österreich sowie aus Dänemark, Schweden und den Niederlanden. „Wir glauben, dass es möglich ist, die europäische Wirtschaft anzukurbeln und dennoch eine Vergemeinschaftung der Schulden zu vermeiden“, erklärt Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Eine beträchtliche Kollektion aus Firmen mit Schwerpunkt Trinken hat sich die deutsche Milliardärsfamilie Reimann zugelegt. Zu ihrer Holding JDE Peet‘s gehören die Kaffeemarken Jacobs und Douwe Egberts sowie eine kalifornische Kaffeehauskette und die Teemarke Pickwick. Der Verbund soll demnächst an der Börse Amsterdam zu Geld gemacht werden – um Schulden abzubauen. Es wäre einer der größten Börsengänge des Jahres, der bis zu zwei Milliarden Euro schwer sein könnte. Die Reimanns wiederum wollen keine Anteile abgeben und „langfristig die Mehrheit halten“, heißt es in einer Mitteilung. „Reich an Geld heißt arm an Freunden“, kann man von Pythagoras lernen.

Quelle: Reuters
Die Hedgefondsgrößen John Paulson, Paul Singer und David Einhorn investieren verstärkt in Gold.

Gleich drei Hedgefondsgrößen haben eine gemeinsame Leidenschaft: John Paulson, Paul Singer und David Einhorn investieren verstärkt in Gold, wie wir in einem Report analysieren. Der Goldpreis bleibe hoch, weil Inflation drohe, was wiederum an der aufgeblähten Zentralbankgeldmenge und steigender Staatsverschuldung liege, argumentieren die sehr fortgeschrittenen Spekulanten. Und so kaufen und kaufen sie. Erstmals seit 2012 könnte eine Unze Gold bald wieder mehr als 1800 Dollar kosten – am Dienstag standen bereits bis zu 1740 Dollar zu Buche. Anders als der volatile Aktienmarkt bricht der Goldpreis zwischendurch nicht stark ein. Offenbar ist das Edelmetall so etwas wie das Wertaufbewahrungsmittel gegen die große Corona-Unsicherheit.

Viele Deutsche kennen Carsten Maschmeyer und Georg Kofler aus TV-Gründershows. Sie selbst haben als Unternehmer, etwa bei AWD oder Pro Sieben, einen illustren Aufstieg hinter sich. Nun reden Sie am kommenden Montag, 14.30 Uhr, auf unserer Plattform „Managing Corona“ mit Handelsblatt-Digitalchef Sebastian Matthes über Managementkunst und neue Geschäftsmodelle in Zeiten der Pandemie. Wenn Sie sich zu unserem Webinar anmelden und Fragen stellen wollen, finden Sie hier weitere Information.

Und dann ist da noch der Hedgefondsmanager Christopher Hohn, der in Deutschland eine kleine Blutspur hinterlassen hat. Die Reihe der Opfer, zu der die Nomenklatura der Deutschen Börse genauso gehört wie die Diesel-Sünder von VW, soll mit Markus Braun von Wirecard erweitert werden.

Zum generalstabsmäßigen Vorgehen von Hohns Fonds TCI gehört die jetzt bei der Staatsanwaltschaft München I eingereichte Strafanzeige gegen Wirecard-Verantwortliche sowie saftige Interviews, in denen der Brite nicht weniger als die Auswechslung des kompletten Vorstands und Aufsichtsrats verlangt. Der TCI-Chef wundert sich, dass Zahlungseingänge von einer Milliarde Euro nicht verifizierbar sind und der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns mit seinen sechs Leuten viel zu klein sei. Zur Wahrheit gehört auch, dass Hohn auf fallende Kurse setzt – die er mit seiner Generalkritik selbst provoziert.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag, an dem Ihre Aktien am besten einfach unter dem Kopfkissen liegen bleiben.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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