Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Arbeitsverweigerung als Zukunftsprojekt

09.12.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die schönste Sache ist immer, wenn sich Schulden oder Mindersteuereinnahmen durch die wunderschöne Vorrichtung des Wirtschaftswachstums ausgleichen. So soll es auch bei dem neuen Bundeshaushalt sein, den es ohne 180 Milliarden Euro neuer Kredite nicht gäbe. „Wir werden aus der Krise herauswachsen“, gibt Finanzminister Olaf Scholz von der SPD als Hoffnungsparole wieder und schlägt die Trommel für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer: Er sei „ganz traurig, dass sie abhandengekommen“ sei, sie würde „unmittelbar helfen“. Ökonom Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), prophezeit, Steuererhöhungen würden unumgänglich sein, um Schulden zu reduzieren. Vielleicht muss Scholz doch mit einer Kerze nach Lourdes.

Quelle: dpa
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat das Votum über den Rundfunkstaatsvertrag zurückgenommen.

In Sachsen-Anhalt versucht sich die Landesregierung in dem Kunststück, Arbeitsverweigerung als Zukunftsprojekt zu verkaufen. Ministerpräsident Reiner Haseloff entschloss sich am Dienstag zu dem Taschenspielertrick, den Antrag für einen neuen Medienstaatsvertrag – und damit für 86 Cent monatlich mehr Rundfunkbetrag – im letzten Moment zurückziehen. Er hätte zwar das Wohlwollen der Regierungspartner Grüne und SPD gefunden, nicht aber das „Ja“ der eigenen CDU-Fraktion. Die AfD jubelt noch immer phonstark über den Winkelzug, der die Betragserhöhung fürs Erste verhindert. Haseloff und seine Partner in der Not geben sich noch der Hoffnung hin, damit einen Koalitionsbruch verhindert zu haben – ein klassischer Selbstbetrug:

  • Die schwarz-rot-grüne Koalition in Magdeburg leidet nun die sechs Monate bis zur Landtagswahl unter dem Zwang, die innere Zerrissenheit kaschieren zu müssen.
  • Saarland, Bremen und Hessen dürften bald mit einer Klage wegen Verletzung der „Bundestreue“ gegen Sachsen-Anhalt aufwarten.
  • Verschiedene Bundesländer wollen – en revanche – den Glücksspielvertrag nicht ratifizieren, in dessen Folge die Aufsichtsbehörde nach Sachsen-Anhalt gekommen wäre.
  • ARD, ZDF und Deutschlandradio kündigen eine baldige Klage vor dem Bundesverfassungsgericht an.
Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Angesichts all der rechtlichen Unsicherheiten sollte die Linke in Magdeburg vielleicht jetzt das machen, wofür Landesvater Haseloff Mut und Beistand fehlten: einen Antrag auf Verabschiedung des neuen 86-Cent-Vertrags stellen. Dann würde man wissen, wer die Rechten und wer die Aufrechten in der CDU sind.

    Man fragt sich, wie viele Niederlagen Donald Trump noch einstecken will, der traurige Noch-Präsident im Weißen Haus zu Washington. Nun wies der Oberste Gerichtshof, der Supreme Court, sein Ansinnen zurück, dem Demokraten Joe Biden den Sieg in Pennsylvania abzuerkennen. Schon in baldiger Zukunft wird der Baulöwe, der Showmaster wurde, reumütig einsehen, dass kein Richter ihm ein „Go-as-you-please-Ticket“ für vier weitere Jahre ausstellen wird. Die Justizministerin von Michigan hat schon öffentlich erklärt, Trumps Klage sei ein „PR-Gag“. Der Republikaner ist ein Fall für die Kategorie „Yesterday“, oder sagen wir besser: fürs Geschichtsfernsehen.

    Eine Bestätigung ihrer Arbeit erfahren Sönke Iwersen, Marina Cveljo, Andrea Rexer, Hans-Peter Siebenhaar, Isabelle Wermke und Thomas Tuma. Die Kollegen wurden nun mit dem „Deutschen Reporterpreis“ in der Kategorie „Investigation“ ausgezeichnet. Das Team hatte Wahrheiten hinter der Legende zu Tage gefördert, die der Berater-Doyen Roland Berger rund um seinen Vater Georg gestrickt hatte. Der war, anders als dargestellt, kein Nazi-Opfer und auch kein Täter, sondern Profiteur und zeitweiliger Opportunist. Später bestätigte der Historiker Michael Wolffsohn im Auftrag Bergers weitgehend diese Fakten. Von einem „Lehrstück über deutsche Geschichte“, spricht Jurorin Anja Reschke, und „über die große Bereitschaft der Deutschen, zu verdrängen“.

    Quelle: Reuters
    Deutsche-Bank-Manager Loetscher soll im Führungskreis des Finanzteams der Bank bleiben.

    Die Aufklärung des Wirecard-Betrugsfalls zieht weite Kreise – weiter, als man es für möglich gehalten hat. Jetzt erwischt es Andreas Loetscher, einst Partner bei der Firma EY, deren Wirtschaftsprüfer beim Aschheimer Dax-Konzern versagten wie Pfadfinder beim Spring Break in Florida. Loetscher hört nun – vorübergehend, wie es heißt – als Chef der Buchhaltung bei der Deutschen Bank auf. Zuvor hatte er mehr als zwei Jahrzehnte in Diensten der Pleitefirma Wirecard gestanden. Ersetzt wird Loetscher erst einmal durch Brigitte Bomm, bislang Chefin der weltweiten Abteilung für Steuern in der Bank. Wirecard ist ein Makel für alle, die damit zu eng in Berührung gekommen sind.

    Es sagt sich so leicht: Das Öl-Zeitalter geht zu Ende, „grüne“ Energie bestimmt alles in der Zukunft. Aber nehmen wir einen Konzern wie Royal Dutch Shell. Dort bestimmt die Debatte über das Tempo des Wandels, wie stark sich Manager zugehörig fühlen und ob sie bleiben oder nicht. Drei Top-Manager, die den Wandel vorantrieben, sind schon weg. Dorine Bosman, zuständig für Windanlagen auf dem Meer, dürfte bald folgen. Insider beklagen, die Mitarbeiter würden nicht wissen, ob sich Shell überhaupt ökologisch ändern wolle. CEO Ben van Beurden bekannte intern, Öl bleibe ein Umsatzbringer und Gas sei ein Wachstumsfeld. Rivale BP hat dagegen angekündigt, die Öl- und Gasproduktion bis 2050 um 40 Prozent zu kappen.

    Quelle: Reuters
    Der Toyota Mirai ist ein wasserstoff-betriebenes Auto, produziert in Japan. In der EU will Toyota vor allem auf vollelektrische Fahrzeuge setzen.

    Bislang hat sich der japanische Autokonzern Toyota in Europa ziemlich auf Autos mit Brennstoffzellantrieb sowie auf Wagen mit einer Hybridlösung konzentriert, also mit der Kombination aus Verbrenner und Batterie für E-Strom. Nun setzt der Hersteller auf das erste eigene vollelektrische Modell, einen Geländewagen. Europa-Chef Johann van Zyl sagte meinen Kollegen: „Wir brauchen den Mix aus Hybrid, Plug-in-Hybrid und vollelektrischen Fahrzeugen.“ Manager van Zyl: „Der Green Deal in Europa ist der große Gamechanger – auch für die Welt.“

    Und dann ist da noch der Mount Everest, höchster Berg der Welt, der jetzt nachvermessen wurde. Ergebnis: Er ist mit 8848,86 Meter genau 86 Zentimeter höher als gedacht. Früher hatten Inder bei der Messung Hand angelegt, nun jedoch kooperierten Nepal und die Volksrepublik China. Deren Außenminister Wang Yi teilte der erstaunten Welt das neue Messergebnis mit. Hier macht sich offenbar die „ewige Freundschaft“ bemerkbar, auf die sich die zwei Partner eingeschworen haben. Oben trafen sich die Teams, die unterschiedliche Aufstiegsrouten benutzt hatten. Während die Höhe jetzt akkurat erscheint, gibt es mit dem Namen noch Probleme: In Nepal heißt der Berg „Spitze des Himmels“, in Tibet „Heilige Mutter“.

    Ich wünsche Ihnen einen Tag voller Höhen.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Arbeitsverweigerung als Zukunftsprojekt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%