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Morning Briefing Biontech und das Prinzip Hoffnung

13.11.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die abgelaufene Woche wirkt, als hätte jemand gegen die dunkle Zeit verfrüht eine Reihe Adventslichter angezündet. Das Durchhalten, in der Sprache der Politik „Pobacken zusammenkneifen“, fällt mit der Aussicht auf einen Impfstoff gegen Corona leichter. Da stört es auch niemanden besonders, dass die Erfolgsmeldung von Biontech aus Mainz derzeit noch eher eine kursbewegende Börsenstory als eine nachhaltige Medizin-Geschichte ist.

Wir wissen einfach zu wenig. Wie wird das RNA-Vakzin bei Älteren, wie bei Jüngeren anschlagen? Wie lange hält der Schutz an? Welche Nebenwirkungen gibt es? Mit dem Philosophen Ernst Bloch lernen wir: „Nichts an sich ist gut, wenn es nicht begehrt wird. Aber nichts wird begehrt, wenn es sich nicht selbst als gut darstellt.“

Quelle: Felix Schmitt / Agentur Focus
Ugur Sahin und Özlem Türec haben dank Hoimar von Ditfurth zur Immunologie gefunden.
(Foto: Felix Schmitt / Agentur Focus)

Das Prinzip Hoffnung schlägt also an, und alle wünschen dem Unternehmerpaar Ugur Sahin und Özlem Türeci – sie halten 18 Prozent der Anteile – den größten Erfolg: die Hauptaktionäre Andreas und Thomas Strüngmann, die trotz 800 Millionen Euro Anlaufverluste dabei blieben, Lieferanten wie Evonik, Siemens oder Rentschler aus Laupheim, der US-Partner Pfizer, die deutsche und internationale Politik sowie natürlich die Bürger.

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    Das Schöne dabei: Die beiden Gründer schaffen mit ihrem Konzept womöglich einen Technologie-Wechsel in der Medizin. Nämlich in Immunsysteme ein genetisches Fahndungsfoto als Bauplan für ein Protein auf der Virushülle einzupflanzen. Gut möglich also, dass Deutschland wieder zur „Apotheke der Welt“ wird, analysiert unser Wochenendreport. Es wäre auch ein später Triumph des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: Es waren die „Querschnitte“-Sendungen des Hoimar von Ditfurth im ZDF, die den Schüler Sahin für Immunologie begeisterten.

    Pandemie-Held Sahin selbst versichert aktuell im „Guardian“, dass sein Impfstoff Covid-19 am Zugang zu den Körperzellen hindere. Und wenn das Virus doch einen Weg finden sollte, dann würden die T-Zellen dem Eindringling so richtig etwas über den Kopf schlagen und ihn vernichten:

    • „Wir haben das Immunsystem sehr gut für diese beiden Verteidigungszüge trainiert. Wir wissen, dass sich das Virus gegen diese Mechanismen nicht selbst verteidigen kann.“

    Wenn Sie als Geldanleger von der Suche nach dem Serum profitieren wollen: Meine Kollegen haben dazu eine Doppelseite aufbereitet. Sie vergleichen dabei Biontech, Curevac, Moderna, Astra-Zeneca, Novavax, Johnson & Johnson und Pfizer. Entscheidend sei, so lernen wir, der Blick auf das breite – oder weniger breite – Forschungsprogramm.

    So hat sich die Staatsquote entwickelt.

    Die Bundesregierung ist beim Projekt „Apotheke der Welt“ mit viel Geld dabei. Bis zu 375 Millionen Euro fließen als Forschungsförderung an Biontech, für 300 Millionen stieg der Bund mit 17 Prozent bei Curevac in Tübingen ein.

    Das sind Beispiele für die neue Rolle des Staates, der sich nicht mehr als „Schiedsrichter“ und Maurer der Marktwirtschaft begreift, sondern als Akteur, als Co-Manager, als industriepolitischer Macher. Erst recht treiben die Rettungspakete eine Staatswirtschaft an, die bedeutende Ausmaße annimmt, gemessen am Anteil der öffentlichen Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt. Frankreich: 64,3 Prozent, Italien 58,8 Prozent, Deutschland 54 Prozent. In allen drei Ländern stieg die Staatsquote zwischen 15 und 21 Prozent. Über unserer aktuellen Titelgeschichte steht: „Der entfesselte Staat.“ Die Botschaft der Ökonomen: Wer reingeht, muss auch wieder rausgehen.

    Bevor Sie weiterlesen, haben wir ein Anliegen in eigener Sache. Mit dem heutigen Morning Briefing haben Sie die Möglichkeit, vier Wochen lang kostenlos alle Artikel auf handelsblatt.com und in der Handelsblatt App zu lesen. Der Zugang endet danach automatisch. Ich freue mich auf Sie! 

    Die Fortschritte der Wissenschaftler werden am Montag auch Thema beim Corona-Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel und den Führungsfiguren der 16 Bundesländer sein. Man wird sich ebenso mit der Wut der Gastronomen und Hoteliers beschäftigen.

    Klare Entscheidungen über schärfere Schutzmaßnahmen oder über Lockerungen dürften jedoch auf Ende November vertagt werden. Die Datenbasis reicht nicht aus, um die Frage zu beantworten, ob das bisherige Konzept des „Wellenbrechers“ wirklich greift. Bayern sagt „Nein“: Dort werden von Freitag an nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes alle Indoor-Sportstätten geschlossen.

    Barack Obama hat sich umfassend mit seinem politischen Gegner beschäftigt, den Republikanern. In seinen 768 Seiten langen Memoiren „A Promised Land“, die am kommenden Dienstag erscheinen, erläutert er, die Übernahme der Präsidentschaft 2008 durch einen Afroamerikaner habe zu einem antiliberalen Schub in der „Grand Old Party“ geführt:

    • „Es war, als ob allein meine Anwesenheit im Weißen Haus eine tiefsitzende Panik losgelöst hätte, eine Vorstellung, dass die natürliche Ordnung gestört worden sei.“

    Sein Nachfolger Donald Trump habe diese Mechanismen mit der Unterstellung bedient, Obama sei nicht in den USA geboren. Millionen von Amerikanern, „die über einen Schwarzen im Weißen Haus erschrocken waren, versprach er ein Heilmittel für ihre rassistischen Ängste“, findet der schreibende Ex-Präsident.

    Großbritannien delektiert sich an den Intrigen am Hof des Boris Johnson: am Machtkampf zwischen den „Brexit Boys“ rund um Dominic Cummings, der das Land aus der EU kegelte, und der „Carrie Symonds Crew“ – das ist das Netzwerk von Johnsons Lebensgefährtin Symonds, die einst Kommunikationschefin der Konservativen Partei war.

    Auf ihren Einfluss ist es zurückzuführen, dass Allegra Stratton nun als Sonderpressesprecherin der Regierung wirkt. Als die Neue darauf bestand, nur an Premier Johnson zu berichten, kündigte der ausmanövrierte „Brexit Boy“ Lee Cain entnervt. Er hatte bisher die Kommunikationsabteilung in Downing Street 10 geleitet. Auch Cummings selbst könnte bald fallen – Carrie Symonds zweifelt an dessen Kompetenz

    Handelsblatt und McKinsey verleihen den Digitalpreis zum fünften Mal - Thema dieses Jahr: Smart Mobility.

    In diesem Jahr suchte „The Spark – Der deutsche Digitalpreis“ Firmen, die die Mobilität der Zukunft gestalten. Es siegte bei dem von Handelsblatt und McKinsey ausgelobten Wettbewerb die Münchener Firma Twaice vor Charge-X und Wunder Mobility. Der Gewinner hat eine leistungsstarke Batterie-Analytiksoftware entwickelt, die zum Beispiel künftig von 3000 Bussen genutzt wird, die mit dem Telematik-Anbieter ViriCity verbunden sind.

    Den diesjährigen Female Founders Award erhielt Katharina Kreitz, Gründerin der Firma Vectoflow, deren kleine Messsonden dank eines modifizierten 3-D-Drucks sehr präzise sind. Laudatorin Sabina Jeschke vom Vorstand der Bahn lobt solche Vorbilder: „Wir brauchen eine diverse Gründerszene, die so wie die Gesellschaft ist.“

    Und dann ist da noch Jürgen Todenhöfer, einst im politischen Bonn Jungrebell der Christdemokraten und später Stellvertreter des Medienfürsten Hubert Burda. Zum 80. Geburtstag schenkte er sich gestern Abend vor dem Brandenburger Tor eine Kundgebung mit 200 Leuten und eine neue Partei.

    Spektakulär tritt der Bestsellerautor – der wie ein intellektualisierter Forrest Gump immer wieder an Schauplätzen der Geschichte wie Chile, Afghanistan, Irak oder Syrien erschienen war – zu diesem Anlass nach 50 Jahren aus der CDU aus.

    Die sei „nur noch eine Karikatur ihrer selbst“, sagt der Jurist, ihre „wirtschaftspolitische Kompetenz ist verblasst, ihr Einsatz für Frieden in der Welt Vergangenheit“. Sein mit Jung-Aktivisten bestücktes „Team Todenhöfer“ propagiert dagegen eine „gewaltfreie humanistische Revolution“ und eine „ehrlichere Politik“, Abschaffung aller Großspenden an Parteien inklusive. Klingt wie eine Mischung aus Gandhi, Humboldt und Jean Ziegler.

    Ich wünsche Ihnen ein entspanntes, sonniges Wochenende.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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