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Morning Briefing Boris Johnson und der Kontrollverlust

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

seine größten Fans in der Politik hat Boris Johnson derzeit in Washington, nicht in London. Hier rollte sich gestern Abend im Parlament ein Drama gegen den wurstig-trickreichen Premier aus. Der verlor zunächst die numerische Mehrheit, nachdem ein Konservativer zu den Liberaldemokraten emigrierte – und dann die Abstimmung darüber, ob es einen Brexit ohne Deal mit der EU geben kann. Eine Verschiebung des vorgesehenen Austritt-Termins Ende Oktober ist aber immerhin möglich. „Not a good start“, rief ein Abgeordneter. Die Kontrolle in Westminster hat „BoJo“ verloren, nun will er sie über baldige Neuwahlen zurückgewinnen. Alles im Geist seines Idols Winston Churchill: „Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.“

Quelle: AP
Joshua Wong, ein Anführer der Proteste in Hongkong, bittet Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Brief um Hilfe im „Kampf gegen die Unterdrückung der Freiheit“.
(Foto: AP)

Ungeheurer Erwartungsdruck lastet auf Angela Merkel, die morgen auf China-Reise geht. Mal soll sie für gute Geschäfte sorgen, mal für Geistesfreiheit, mal für Millionen, mal für Moral. In Kategorie II fällt Joshua Wong, 22, ein Anführer der Proteste in Hongkong. Per Brief bittet er die Kanzlerin um Hilfe im „Kampf gegen die Unterdrückung der Freiheit“. Die Industrie- und Handelskammern dagegen argumentieren lieber in Kategorie I: Deutsche und Chinesen verbinde eine „langjährige wirtschaftliche Erfolgsgeschichte“, die „auf Augenhöhe“ fortzuschreiben sei, heißt es in unserem Titel-Komplex. Siemens-Chef Joe Kaeser tourt wie die CEOs von VW, Daimler, BMW und BASF mit, verlegt sich aber auf die Strategie des Schweigens. Das lässt offen, ob man ihn für einen Philosophen halten mag.

Nicht mit China-Positionen, sondern mit Appellen zum Umweltschutz fallen deutsche Gründer auf. Sie sind so frustriert über die bundesdeutsche Klimapolitik, dass sie sich mit der Schülerkampagne „Fridays for Future“ solidarisieren. Die Bundesregierung müsse viel mehr tun, sagt Niklas Östberg, Gründer von Delivery Hero, unserer Redaktion. Bisher seien die wenigen Maßnahmen „noch nicht sehr effektiv gewesen“. Neben seiner Firma haben auch Zalando, Flixbus, MyMuesli, Mister Spex und rund weitere 100 Digitalbetriebe jüngst die Initiative „Leaders for Climate Action“ gegründet.

Quelle: dpa
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak fordert eine „echte Unternehmenssteuerreform“.

Das muntere Scheibenschießen der Großkoalitionäre von Berlin – gegeneinander – nimmt an Rasanz zu. Vielleicht liegt es an der Angst vor dem Abschwung, vielleicht auch an der Angst vor dem eigenen Abstieg, jedenfalls geht CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nun frontal SPD-Finanzminister Olaf Scholz an. Der junge Christdemokrat fordert im Handelsblatt-Interview, was dem Sozialdemokraten unmöglich erscheint: eine „echte Unternehmenssteuerreform“. Hier soll der Steuersatz für nicht ausgeschüttete Gewinne bei höchstens 25 Prozent gedeckelt werden (bisher 30 bis 35 Prozent). Und damit auch ja jeder Ziemiaks wirtschaftspolitische Profilarbeit mitbekommt, tunkt er die SPD noch mit dem Verdikt, sie zettele „eine völlig skurrile Debatte“ über eine Vermögenssteuer an.

Fußballstars sollen Vorbildcharakter haben. Dumm nur, wenn sie in die Fänge der Justiz geraten wie jetzt zwei ehemalige Nationalspieler. So ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft derzeit gegen Christoph Metzelder, 38, wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornographie. Der Mann ist Präsident beim TuS Haltern und Experte bei Sky. Bei Jérôme Boateng wiederum ermittelt die Münchener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung an einer früheren Lebensgefährtin. Der Spieler des FC Bayern München war 2016 Deutschlands Fußballer des Jahres. Bewiesen ist nichts, auf dem Image aber liegt ein Schatten, und manchem fällt Oscar Wilde ein: „Es gibt nur eine Sünde, und das ist Dummheit.“

Und dann ist da noch die Sport- und Wirtschaftsgroßmacht FC Bayern München, der ein Kunstschuss in Sachen Bilanz gelingt. Obwohl der Klub in der Saison 2018/19 vorzeitig im Achtelfinale der Champions League ausschied, stieg der Umsatz um 14,1 Prozent auf 750,4 Millionen Euro und der Jahresüberschuss um 63 Prozent auf 52,5 Millionen, wie wir exklusiv dokumentieren. Es läuft ökonomisch insgesamt besser als bei Real Madrid. Fast eine halbe Milliarde Euro Eigenkapital bedeuten, dass hier zwei Bezugspersonen zu ihrem Recht kommen: die schwäbische Hausfrau und der spanische Konquistador.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Sturmlauf durch den Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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