Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing China greift nach Hongkong

22.05.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

im nächsten Jahr wird die Kommunistische Partei Chinas 100 Jahre alt, doch das Corona-Problem verdirbt den Machthabern in Peking ein wenig die Festtagsplanung. Im ersten Quartal rutschte die heimische Wirtschaft um 6,8 Prozent ab. Auf dem heute – mit zwei Monaten Verspätung – beginnenden Nationalen Volkskongress wird sich Partei-, Staats- und Armeechef Xi Jinping deshalb als Motivator, Virus-Bezwinger und Angreifer geben. Dauerfeind USA dient als Projektionsfläche.

Die rund 3000 Delegierten werden ausgiebig auf Covid-19 getestet, bevor sie die geeignete Kulisse für die demokratischste Veranstaltung abgeben dürfen, die Chinas Einparteien-Staatskapitalismus zu bieten hat. Der Parteislogan 2020 taucht die Welt dabei in ein kräftiges Rot: „Sieg im Kampf für das Volk.“

Quelle: AP
Auf dem Nationalen Volkskongress wird sich Partei-, Staats- und Armeechef Xi Jinping als Motivator, Virus-Bezwinger und Angreifer geben.
(Foto: AP)

Für Europa wird die weltpolitische Orientierung nicht einfacher, wenn sich dem eher tumben Tagesaktionisten Donald Trump ein zusehends restriktiver Xi gegenüberstellt. Auf dem Volkskongress in Peking soll just ein neues Sicherheitsgesetz für Hongkong verabschiedet werden, das internationale Konflikte garantiert anheizen wird. Nach einem Bericht der „South China Morning Post“ sollen „sezessionistische“, „ausländische“ und „terroristische“ Aktivitäten verboten werden, die darauf abzielen, die Regierung zu stürzen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dieser Vorstoß in Sachen Sonderverwaltungszone setzt deren Autonomie ein vorzeitiges Ende. Er macht aus dem alten Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ eine simple Gleichung: „Ein Land, eine Partei, ein System.“ In Washington wollen deshalb Senatoren sowohl der Republikaner als auch der Demokraten neue Sanktionen gegen chinesische Personen und Einheiten fordern, die das neue Hongkong-Gesetz einführen wollen.

    Auf Missmanagement im Gesundheitsministerium des allzeit spannkräftig wirkenden Jens Spahn deuten Berichte von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“. Danach habe die Behörde nach den anfänglichen Engpässen in der Corona-Zeit mittlerweile mehr als 130 Millionen FFP-2-Masken akkumuliert – sei aber nicht imstande, das zum garantierten Abnahmepreis von 4,50 Euro akquirierte Schutzgut dorthin zu liefern, wo es dringend gebraucht wird.

    Zudem würden Lieferanten auf ihr Geld vom Bund warten. Dazu gehört der Eschborner Unternehmer Canay Yildirimer, der 16 Millionen Euro Außenstände hat und eine sehr hässliche Vokabel fallen lässt: „dilettantisch“. Das Ministerium spricht von aufwändigen Prüfungen der Masken, 20 Prozent entsprächen nicht den Anforderungen. Wir bräuchten Bürokratien zum Lösen unserer Probleme, sagte der Soziologe Ralf Dahrendorf: „Aber wenn wir sie erst haben, hindern sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen.“

    Quelle: AFP
    Beim Thema „Sperrminorität“ zeigt sich bei Aktionären Glanz in den Augen. Der ist bei den Politikern des Bundes nicht zu finden, die einen Einstieg in die derzeit flügellahme Lufthansa verhandelt haben.
    (Foto: AFP)

    Beim Thema „Sperrminorität“ – also 25,1 Prozent in einem Börsenunternehmen – zeigt sich bei Aktionären Glanz in den Augen. Der ist bei den Politikern des Bundes nicht zu finden, die einen Einstieg in die derzeit flügellahme Lufthansa verhandelt haben. Demnach vergibt der helfende Staat über die KfW einen Kredit in Höhe von über drei Milliarden Euro, leistet eine stille Einlage und übernimmt zunächst im Zuge einer Kapitalerhöhung 20 Prozent der Aktien. Eine Wandelschuldverschreibung aber sichert – im Fall eines feindlichen Übernahmeversuchs – weitere 5,1 Prozent.

    Weil Kontrolle in diesem Fall mehr als Vertrauen zählt, sollen zwei Staatsvertreter in jenen Aufsichtsrat, der schon am heutigen Freitag das gesamte Rettungspaket verabschieden dürfte. Die neue „Staatshansa“, wie wir das nennen, müsste nach den Regularien auf die Gewährung von Dividenden und Manager-Boni verzichten. Chefpilot Carsten Spohr könnte mit dem neuen Co-Piloten leben, wenn er nur die Finger vom Steuer ließe.

    Wenn auf etwas Verlass war in den letzten Jahren, dann auf steigende Immobilienpreise. Niedrigstzinsen nährten eine Asset-Inflation, die im Kunsthandel, auf den Aktienmärkten und eben bei Immobilien exotischste Blüten trieb. Deutschland schien deshalb geteilt zu sein – in jene, die immer höhere Miete zahlen, und in die anderen (viel Glücklicheren), die Wohnungen, Häuser, Grund und Boden besitzen.

    In der Coronakrise wackelt aber die Sicherheit des ewigen Quadratmeter-Booms, vor allem bei Gewerbeprojekten. Angst geht um. Vermutlich machen künftig mehr Arbeitnehmer Homeoffice sowie Onlinegeschäfte und fliegen weniger – weshalb weniger Büros, Läden und Airport-Infrastruktur nötig sind. Die Zahl zur Krise: Die gebauten Flächen werden bis 2024 um ein Fünftel auf 16,3 Millionen Quadratmeter sinken

    Was die neue Bescheidenheit für den einst in Jubelgesängen schwelgenden Markt bedeutet, erzählen wir in unserem großen Wochenendreport. Aufpassen ist heute das Gebot der Stunde für Anleger bei Gewerbeimmobilien, jeder fünfte Vermieter klagt über Mietausfälle. Großschließungen wie bei Kaufhof/Karstadt zeigen dem Letzten, was die Stunde geschlagen hat.

    Bei Wohnimmobilien sieht es etwas besser aus, aber auch hier verlangen die nervös werdenden Banken nun knapp 1,1 Prozent Bauzinsen – 20 Prozent mehr als bei Ausbruch des Coronavirus. Wie bei jeder Krise gebe es einen gewissen Attentismus, diagnostiziert Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, im Handelsblatt-Interview: Mit einem geplanten Hauskauf würde er warten, wie sich die Lage im zweiten Halbjahr entwickelt – „Krisen bieten immer auch Schnäppchen“

    Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, immer die gleichen Virus-Geschichten in immer neuen Verkleidungen ohne Zusatznutzen zu lesen. Ermüdung tritt ein, auch bei anderen. So verzichtet die ARD mittlerweile auf das standardmäßige „ARD Extra“ am Abend eines Werktages und bringt eine Sondersendung nur noch anlassbezogen.

    Das Interesse der Deutschen an Informationen zu Corona lasse derzeit massiv nach, ergab eine Analyse der Kommunikationsberatung Burson Cohn & Wolfe (BCW). Die Zahl der diesbezüglichen Suchanfragen im Netz ging dabei seit dem Höhepunkt in der dritten Märzwoche um mehr als 80 Prozent zurück. Die Kurve der Berichterstattung sei demgegenüber wesentlich schwächer gesunken. Der Diskurs um den Klimawandel nähme wieder zu, teilt BCW noch mit, sei aber nicht ansatzweise auf dem Niveau des Vorjahres.

    Quelle: dpa
    Mars verklagt einen anderen bekannten Familienkonzern spektakulär: die Luxemburger JAB-Holding des deutschen Reimann-Clans.

    Und dann ist da noch der US-Süßigkeiten-Konzern Mars, der in Washington einen anderen bekannten Familienkonzern spektakulär verklagt: die Luxemburger JAB-Holding des deutschen Reimann-Clans. Der ehemalige Mars-Mann Jacek Szarzynski soll sich per Download 6000 interne Dokumente gesichert und sie mit den neuen Kollegen von JAB und deren Marken Pret A Manger und Panera Bread geteilt haben.

    Die Papiere würden Finanzdaten, strategische Planungsdetails sowie mögliche Kaufobjekte beinhalten, so der Vorwurf der Amerikaner, bei denen Stephen Badger aus der Mars-Familie Chairman ist. JAB bestreitet die Anschuldigungen gegen Szarzynski, der als Finanzchef und Chief Operating Officer bei Pret Panera dient. In Momenten des Zweifelns müssten die Amerikaner einfach nur ihrer einstigen Werbung trauen: „Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück.“

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende, an dem Sie vielleicht der Einfachheit halber da weitermachen, wo Sie gestern am Feiertag aufgehört haben.

    Es grüßt Sie herzlich Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : China greift nach Hongkong "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%