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Morning Briefing China und der Schaden nach Maas

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

als Poseur im Dienste der „Bild“-Zeitung machte Heiko Maas (SPD) jüngst beim Fototermin mit Hongkongs Protest-Anführer Joshua Wong wie immer Bella Figura. Als Außenminister richtete er maximalen Schaden an. Chinas Botschafter in Berlin, Wu Ken, nennt das Tête-à-tête einen „Zwischenfall“, der die Beziehungen der beiden Länder „sehr negativ beeinflussen werde“. Seine Regierung hat dem in Peking einbestellten deutschen Botschafter „tiefe Unzufriedenheit“ demonstriert.

China sieht in Hongkong ausländische Mächte mit weitreichenden Zielen am Werk. Und tatsächlich sagte der zu Hybris neigende Wong in einem aktuellen „Welt“-Interview: „Zuerst befreien wir Hongkong, dann das chinesische Festland.“ Aus der einstigen Kronkolonie gibt es nicht nur News über Krawalle: Die Börse Hongkong will für 30 Milliarden Pfund die London Stock Exchange übernehmen, einst Chérie der Deutschen Börse.

In früheren Tagen war die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt wegen lasziver Hostess-Mädchen vor Motorhauben ein Fall für Frauenbeauftragte. Heute ist sie eine Sache für Sanierungsbeauftragte: Das liegt an weniger Ausstellern, die weniger Flächen für mehr Geld mieten. Und weil zudem das Auto zum rollenden Computer wird, interessieren eher Algorithmen als Motorrhythmen.

Das alles führt dazu, dass mehrere Autokonzerne nach Ersatz suchen, nach einem „Mobilitätsevent“, mal in Köln, mal in Berlin, oder sogar bei wechselnden Bewerbern wie die Olympischen Spiele, wie wir erfahren haben. Wenn die IAA heute beginnt, haben der Verband VDA und seine größten Mitglieder also viel Stoff auf der Agenda. On the record geht BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter, ein Mann mit klarem Blick: „Es gibt keine Bestandsgarantie.“

Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Der R+V-Chef glaubt, dass eine weitere Zinssenkung die Assekuranzen schwer treffen würde.
(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Heute ist wieder Mario-Draghi-Tag. Wird die von ihm geleitete Europäische Zentralbank (EZB) die Geldpolitik noch mehr lockern, etwa durch höhere Minus-Zinsen? Das erscheint manchem Sparer als Dracula-Politik. Die garantierte Lebensversicherung von 0,9 Prozent ist in Gefahr, warnt Norbert Rollinger, Chef des zweitgrößten deutschen Lebensversicherers R+V, im Handelsblatt-Interview: Es werde „zunehmend schwierig, diese Garantie noch zu halten.“ Andreas Jung, Vizechef der Unionsfraktion, ergänzt: „EZB – das darf nicht für Ewige-Zins-Bremse stehen.“ Politiker, die sich den Frust der Sparer täglich anhören müssen, werden in ihrer Wortwahl offenbar besonders kreativ.

Die unbestritten letzte integre Figur in Brexit-Kleinbritannien war die Queen. Doch nun wurde auch sie in die Wirren um den EU-Ausstieg hineingezogen – und in die Winkelzüge des Premiers Boris Johnson. Der hatte sie im Sommer auf Schloss Balmoral die Zwangspause des Parlaments unterzeichnen lassen. Für das höchste Gericht Schottlands legen nun aber Unterlagen nahe, der Politiker habe die Königin dabei in die Irre geführt – die erzwungene Aussetzung des Parlaments („Prorogation“) sei rechtlich unzulässig, urteilte es. Jetzt muss das Oberste Gericht in London über den Warnruf aus Edinburgh entscheiden. God Save the Queen!

Steigende Preise für Lebensmittel und Benzin, Versorgungsengpässe in der Medizin, öffentliche Unruhen – so beschreibt ein britisches Regierungspapier die mögliche Lage nach einem Brexit ohne Vertrag („Projekt Yellowhammer“). 10 Downing Street hatte es auf Geheiß des Parlaments publizieren müssen. Angela Merkel hat da ganz andere Visionen: Sie warnt vor einem neuen Singapur-Stil in London, mit niedrigen Steuern und wenig Regulierung. Johnson habe intern davon geredet, ein „Freibeuter“-Britannien zu schaffen.

Man sieht: Wahrnehmung hängt von Ort und Zeit ab. Oder wie es der verstorbene britische Schriftsteller Oliver Sacks ausdrückte: „Wir sehen mit den Augen, aber auch mit dem Gehirn. Und das wird oft als Fantasie bezeichnet.“

Quelle: AFP
Erstmals haben Forscher Wasser auf einem potenziell lebensfähigen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt.
(Foto: AFP)

Zu den beliebtesten Ewigkeitsfragen, die Sie auf einer Cocktail-Party bestimmt auch nicht beantworten können, gehört der Themenkomplex: Sind wir allein im Universum? Oder ist da noch jemand? Ein internationales Forscherteam hat jetzt erstmals Wasserdampf in der Atmosphäre eines Planeten namens K2-18b gefunden – Leben ist dort offenbar möglich. K2-18b sei ein „vielversprechender Kandidat“, sagt Angelos Tsiaras aus der Forschergruppe, die ihre Erkenntnisse in „Nature Astronomy“ veröffentlichte. Der Planet besteht wahrscheinlich wie die Erde aus Silikaten sowie aus Eis. Mit dem amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson kommentieren wir: „Die Jahre lehren viel, was die Tage niemals wissen.“

Und dann ist da noch die Bewegung „Extinction Rebellion“ (Rebellion gegen das Aussterben), die im Aufmerksamkeitsrennen um den Klimaschutz zulegt. In der Karwoche hatten ihre Aktivisten Brücken in London blockiert, im Juni ketteten sie sich an den Zaun des Bundeskanzleramts in Berlin – und nun färbten sie in Zürich den Stadtfluss Limmat giftgrün ein.

Das gelang mit der ökologisch unbedenklichen Substanz Uranin. 30 Mitglieder der Gruppe ließen sich anschließend im Green River treiben – und sehen sich nun mit Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Gewässerschutzgesetz konfrontiert. Für den 27. September hat die Umweltbewegung übrigens zusammen mit anderen Gruppen zum großen „Earth Strike“ aufgerufen.

Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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