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Morning Briefing Chinas Marxisten greifen durch

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,


China feiert in diesen Tagen 40 Jahre marktwirtschaftliche Reform, damals angestoßen von Deng Xiaoping – doch es feiert vor allem die neue Macht der Kommunistischen Partei. Daran ließ Staatspräsident Xi Jinping gestern bei der Geburtstagsrede vor 3000 Menschen in der Großen Halle des Volkes in Peking keinen Zweifel. Die erste Lektion aus den 40 Jahren sei das Bedürfnis nach der Führungskraft der Partei „über alle Aufgaben hinweg“. Xi fordert eine Revitalisierung des Marxismus-Leninismus: „Lasst den modernen chinesischen Marxismus noch brillantere Strahlen der Wahrheit aussenden.“ Deng, der frühe rote Kapitalist, war im Vergleich der Erde noch näher gewesen: „Es ist egal, ob eine Katze schwarz oder weiß ist, solange sie die Mäuse fängt.“

Eher „gemein“ als „gemeinnützig“ war die Stiftung des Donald Trump die nun aufgelöst wird. Sie sei wenig mehr gewesen „als ein Scheckbuch, um unternehmerischen und politischen Interessen von Herrn Trump zu dienen“, erklärt New Yorks Staatsanwältin Barbara Underwood. 2,8 Millionen Dollar Spendengelder habe die Trump-Familie benutzt, um den Wahlkampf zu finanzieren, Rechtsansprüche zu begleichen, für Hotels zu werben und sich persönliche Gebrauchsgegenstände zu kaufen. Der Vorstand der Stiftung habe sich seit 19 Jahren nicht mehr getroffen, Trump machte es einfach so wie jetzt in der US-Regierung – er entschied alles selbst. „Die Tugenden verlieren sich im Eigennutz, wie die Ströme sich im Meer verlieren“, befand François de La Rochefoucauld.

Quelle: AP
Donald Trump: Der US-Präsident versucht sich in extremer Beeinflussung.
(Foto: AP)

Die US-Notenbank Fed gehört nicht zu Trumps Befehlsstand, also versucht er sich hier in allen möglichen Formen an extremer Beeinflussung. Die Geld-Institution soll nach seinem Willen auf keinen Fall heute Abend – wie allgemein erwartet – auf ihrer Sitzung die Zinsen erhöhen. Deshalb mahnt der Präsident aktuell, die Zentralbanker dürften keinen „weiteren Fehler“ machen und sollten lieber den Markt fühlen: „Lasst euch nicht nur von nichtssagenden Zahlen leiten“. Nachdem die US-Börsen tagelang auf Schussfahrt bergab waren, stabilisierten sich gestern die Kurse.

Verlierer führen einen einsamen Kampf gegen das Vergessen, das Vergessen-Werden wäre eine zweite Schmach. Gerade eben erst stellte die „Frankfurter Allgemeine“ die luzide Frage: „Wozu braucht die CDU noch Friedrich Merz?“. Nach Lektüre des Artikels glaubte man: zum Beispiel für die Erinnerung oder für das Poesiealbum. Dann meldete sich Multiaufsichtsrat Merz, der das Rennen um den CDU-Vorsitz knapp verloren hat, just in derselben Zeitung mit einem Interview der Kategorie „Vergissmeinnicht“: Er würde sich ein Minister-Amt „aufgrund meiner Erfahrung in Wirtschaft und Politik zutrauen", das sei aber „Sache der Kanzlerin“. Merz, 63, probiert sich im Aggregatzustand höherer Erfahrung in der Kunst der Selbstbewerbung aus, es könnte beim nächsten Koalitions-Shake-up ja etwas frei werden.

Noch jemand will sich, durchaus selbstironisch, „an der ein oder anderen Stelle mit meinen dürftigen Erfahrungswerten einbringen“: Karl-Theodor zu Guttenberg, bis zum Zeitpunkt der Plagiatsaffäre CSU-Star. Der Investor aus den USA thematisiert in zwei Interviews das Provinzhafte des neuen CSU-Stars Markus Söder und bezweifelt, dass sich „der neue Parteivorsitzende für diese große Aufgabe eignet“. Man müsse aufpassen, so „KT“, dass die Christsozialen ihren Bundes- und Europaeinfluss „auf Dauer nicht zugunsten einer reinen München- oder Bayernerscheinung“ aufgäben. Das zurückhaltend Weltmännische hat Guttenberg diesmal auf der Pferdekoppel seines Anwesens in Connecticut zurückgelassen.

Quelle: AP
Novartis-Chef Vasant Narasimhan: „Es geht um eine Bewertung des Behandlungserfolgs.“
(Foto: AP)

Krebstherapien sind teuer, eine Behandlung mit körpereigenen, gentechnisch veränderten Immunzellen kostet 320.000 Euro. „Was darf ein Leben kosten?“, fragt deshalb unsere heutige Titelstory. Vasant Narasimhan, neuer Chef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, hat da seine ganz eigene Sicht: „Wir müssen aufhören, nur auf die absoluten Preise zu schauen. Es geht um eine Bewertung des Behandlungserfolgs.“ Das klingt so selbstverständlich, dass kaum einer zu fragen wagt, was mit „Pay for Perfomance“ in diesem Fall eigentlich genau gemeint ist.

Jahresrückblicke erscheinen heutzutage vereinzelt ja schon Ende November, zu einer Zeit also, in der wichtige Parteitage (CDU) noch gar nicht abgehalten oder wichtige Entscheidungen (Macron und die Gelbwesten) nicht getroffen wurden. Die subjektive Bilanz 2018, die Sven Afhüppe und ich per Podcast gezogen haben, ist dagegen höchst aktuell. Wir haben unseren Jahresrückblick in drei Teile gegliedert und machen heute den Auftakt mit „Politik“: Ja, das Kürzel „AKK“ kommt dabei vor, aber auch der schwindende Macronismus und das Leben der Deutschen mit Donald Trump. Zeitungsjungen hätten früher gebrüllt: „Sonderausgabe!“ Wir freuen uns auf Ihr Feedback zu dieser Sonderausgabe des Morning Briefing Audio.

Und dann ist da noch Stephan Gemkow, 58, langjähriger Lufthanseat und Vorstandschef des Familienunternehmens Haniel, der überraschend im Juni 2019 geht – drei Jahre vor Ablauf des Vertrags. Der Mann mit dem Arbeitskürzel „GE“ hatte in Duisburg wie ein Teilchenbeschleuniger gewirkt und zum Beispiel die Abhängigkeit von der Beteiligung an Metro gelöst. Nun übernimmt Vorstandskollege Thomas Schmidt, 47, aber die Floskel vom „Generationswechsel“ klingt in diesem Fall irgendwie ziemlich hohl.

Ich wünsche Ihnen einen anregenden Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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