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Morning Briefing CO2-Grenzausgleich rückt in den Fokus

07.07.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

nahezu jeder USA-Tourist dürfte diesen Dialog schon erlebt haben. Kaum ist man als Deutscher erkannt, kommt die ungläubige Frage: „Stimmt es, dass man bei Euch auf der Autobahn so schnell fahren darf, wie man will?“ Auf die Antwort „nicht überall, aber im Prinzip ja“ folgt meist neidisch-ehrfürchtiges Schweigen. Die freie Fahrt für freie Bürger ist DAS globale Markenzeichen der Bundesrepublik – da können die Goethe-Institute noch so viele deutsche Autorenfilmnächte abhalten. Jahrzehntelang glaubten auch die hiesigen Autobauer, auf dieses Markenzeichen angewiesen zu sein. „Autobahnerprobt“ war das Prädikat, mit dem Volkswagen, BMW und Daimler auf Exportmärkten einen dicken Premiumpreis durchsetzten.

Der VW-Chef wehrt sich gegen ein mögliches Tempolimit. Quelle: Reuters
Herbert Diess

Der VW-Chef wehrt sich gegen ein mögliches Tempolimit.

(Foto: Reuters)

Noch immer sind die deutschen Autobauer gegen ein Tempolimit – aber sie sehen es nicht mehr als Weltuntergang. „Wir verkaufen unsere Autos auf der ganzen Welt, auch in den Ländern mit Tempolimit. Insofern bedarf es keiner besonderen Vorbereitung“, sagte VW-Chef Herbert Diess dem Handelsblatt. In der elektrischen Welt werde man ohnehin langsamer fahren, weil die Fahrzeuge bei höheren Geschwindigkeiten schneller an Reichweite verlören.

Insgeheim – das hat unser Autoteam recherchiertgehen die deutschen Fahrzeugbauer inzwischen von einer grünen Regierungsbeteiligung aus, unter der sich ein Tempolimit kaum noch vermeiden lassen wird. Wenn es so kommt, bleibt uns nur noch die andere Frage, die deutschen Touristen in den USA ungläubig gestellt wird: „Ist David Hasselhoff bei Euch wirklich ein Star?“

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Für das größte Umbauprojekt der europäischen Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg wird das Tempolimit allenfalls einen homöopathischen Beitrag liefern können. Die Rede ist von der Reduktion des CO2-Austoßes um 55 Prozent bis 2030 gegenüber dem Basisjahr 1990. Allmählich wird bekannt, was in dem Richtlinien- und Verordnungspaket steht, mit dem die EU-Kommission dieses Ziel durchsetzen wird. Unseren Brüsseler Kollegen liegen nun die Details vor.

In den Fokus rückt dabei der so genannte CO2-Grenzausgleich. Mit diesem Klimazoll sollen energieintensive Produkte belegt werden, die aus Staaten mit laxerer Klimapolitik in die EU eingeführt werden. Umgekehrt könnten Exportsubventionen nötig werden, um zum Beispiel klimaneutral produzierten europäischen Stahl auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu halten. Es geht in den kommenden Jahren also nicht nur um einen Umbau der Wirtschaft, sondern auch um neue Regeln für den Welthandel.

Talking Point für den nächsten Davos-Stammtisch: Wird diese neue Handelsordnung im Rahmen der moribunden Welthandelsorganisation WTO entstehen? Oder sie endgültig ins politische Jenseits befördern?

Trotz aller schönen Pläne für Energie- und Ökowende: Noch immer ist es der Klimakiller Rohöl, der über die Stimmung in der Weltwirtschaft gebietet. Ein Streit zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten verhinderte am Dienstag, dass sich das Ölkartell Opec Plus auf höhere Fördermengen einigte. Diese Nachricht trug dazu bei, die Rekordjagd an den Börsen zu unterbrechen. Der Dax schloss knapp ein Prozent im Minus, der US-Index S&P 500 verlor 0,4 Prozent. „Der Ölpreis wird zum Stimmungskiller“, sagt Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi.

Handelsblatt-Rohstoffexperte Jakob Blume hält das lediglich für eine Momentaufnahme. Mittelfristig werde der Streit innerhalb der Opec eher zu einer Ausweitung der Fördermengen führen. Er sieht darin eine Chance speziell für die deutsche Wirtschaft, die noch immer stark an Ölimporten hängt.

Stück für Stück revidiert die US-Regierung unter Präsident Joe Biden derzeit das politische Oeuvre von Vorgänger Donald Trump. Am Dienstagabend war eine besonders spektakuläre Entscheidung an der Reihe: Der zehn Milliarden Dollar schwere sogenannte Jedi-Deal, der die IT-Infrastruktur der US-Streitkräfte in die Datencloud verlegen soll, wird neu ausgeschrieben. Der Vertrag war 2019 Microsoft zugesprochen worden, nachdem Trump öffentlich gegen Mitbieter Amazon gestänkert hatte.

Amazon-Gründer Jeff Bezos und Trump sind einander in inniger Feindschaft verbunden. Amazon, Marktführer im Cloudgeschäft, hatte gegen die damalige Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums Beschwerde eingelegt. Mit der jetzt verkündeten Neuausschreibung will das Ministerium verhindern, dass ein langer Rechtsstreit die Cloud-Aufrüstung blockiert. Der zuständige Microsoft-Manager Toni Townes-Whitley reagierte am Abend mit patriotischer Grandezza. „Die Sicherheit der Vereinigten Staaten ist wichtiger als jeder Vertrag“, zitiert ihn die „Washington Post“.

Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Auto1 Group sowie Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbands Deutsche Startups. Quelle: Thomas Dashuber
Gerhard Cromme

Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Auto1 Group sowie Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbands Deutsche Startups.

(Foto: Thomas Dashuber)

Gerhard Cromme hat nach dem Ende seiner Industriekarriere – unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssen-Krupp und Siemens – eine zweite Laufbahn als Start-up-Impresario gestartet. In einem Gastbeitrag fürs Handelsblatt blickt der heutige Aufsichtsratschef der Auto1 Group auf die laufende Einhorn-Jagdsaison im deutschem Gründerforst:

  • „In den ersten Monaten haben bereits fünf Unternehmen die magische Grenze der Milliardenbewertung übersprungen und damit den begehrten Einhorn-Status erreicht. Mehr als ein Dutzend weitere Unternehmen befindet sich in der Pipeline.“

Ein Problem sieht Cromme in der Dominanz ausländischer Kapitalgeber – speziell bei den späteren Finanzierungsrunden, den so genannten Mega Rounds, bei denen es um besonders viel Geld geht:

  • Europäische Investoren stellen bei kleineren Finanzierungsrunden von bis zu zehn Millionen Euro noch einen Anteil von mehr als 70 Prozent; doch schon bei Finanzierungen von über 50 Millionen Euro bilden außereuropäische Investments die Mehrheit. Die Investitionen aus Deutschland belaufen sich hier auf lediglich 15 Prozent.“

Mit anderen Worten: Je erfolgreicher deutsche Start-ups sind, desto schneller befinden sie sich in den Händen ausländischer Wagniskapitalgeber. Crommes Vorschlag:

  • „Was die Start-up-Szene braucht, ist ein neues europäisches Fonds-Konstrukt, einen European Next Generations Fund (ENGF). Damit könnte insbesondere bei Mega Rounds die Wettbewerbssituation Europas gestärkt werden.“


Und dann ist da noch der ehemalige Vizekanzler unseres – nach Einwohnerzahl und Fläche – kleinen Nachbarlands Österreich, das uns doch beim politischen Unterhaltungswert so unendlich weit voraus ist. Jener ehemalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der rechtspopulistischen FPÖ muss sich seit gestern wegen Bestechlichkeit vor Gericht verantworten. Es geht um ein Gesetz, das einen Wiener Privatklinikbetreiber begünstigt, der dafür 10.000 Euro an die FPÖ gezahlt haben soll.

Strache bestreitet die Tat. Ebenso der mitangeklagte Unternehmer, der mit seinem Versuch, Strache zu entlasten, die Sache allerdings eher noch schlimmer machte. „Der Vorwurf des Gesetzeskaufs ist lächerlich“, sagte der Privatklinikbetreiber laut „Spiegel Online“ am ersten Verhandlungstag. „Ich hätte mir das Gesetz schon vor zehn Jahren kaufen können.“ Tu felix Austria!

Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem Ihre Freunde wissen, wann sie zu reden und wann sie zu schweigen haben.

Herzliche Grüße
Ihr

Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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