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Morning Briefing Coca-Cola testet schon mal eine Flasche aus Papier

02.07.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

selten hat eine Titelzeile bei uns in der Handelsblatt-Redaktion so viele Diskussionen ausgelöst wie in dieser Woche: Kann man Jeff Bezos wirklich als „größten Unternehmer unserer Zeit“ bezeichnen? Was die Zahlen angeht, eindeutig ja. Niemand hat je aus dem Nichts ein solches Imperium erschaffen. Fast 1,3 Millionen Menschen arbeiten weltweit für Amazon. Kein Gründer hat als Vorstandschef jemals eine solche Marktkapitalisierung erreicht.

Doch bei „groß“ schwingt natürlich auch „großartig“ mit, und großartig ist bei Amazon längst nicht alles – was sich etwa an den harten Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren zeigt. Am Montag räumt Bezos nach 27 Jahren seinen CEO-Posten, und unser Freitagstitel analysiert: Nachfolger Andy Jassy muss aus Bezos Schatten treten und Amazon zu einem „Good Corporate Citizen“ machen. Sonst gefährdet die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz das künftige Wachstum des Konzerns.

Ein bisschen ist es auch eine Lex Amazon – schließlich gehört der US-Konzern zu denen, die ihre Gewinne gerne in jenen Ländern anfallen lassen, in denen die Unternehmensteuern niedrig sind: Am Donnerstag einigten sich 130 Staaten auf ein Vorhaben, das eine weltweite Mindeststeuer sowie eine Neuverteilung von Steuereinnahmen bei großen Konzernen vorsieht.

Mit der Einigung im Industriestaatenclub OECD ist der Weg frei für einen entsprechenden Beschluss der Finanzminister aus den größten Industrie- und Schwellenländern (G20), die sich in der kommenden Woche in Venedig treffen.

Quelle: imago/Westend61, Gerhard Westrich/laif
Je älter die Menschen, desto weniger stark klaffen die Vermögen auseinander, besagt eine neue Studie.
(Foto: imago/Westend61, Gerhard Westrich/laif)

Wenn der bayerische Unternehmensverband vbw eine Studie veröffentlicht, laut der die Ungleichheit in Deutschland längst nicht so schlimm ist wie vermutet … dann klingt das erstmal, als würde die panafrikanische Löwengewerkschaft behaupten, dass Antilopen beim Verspeisen keinerlei Schaden nehmen. Doch ein genauerer Blick auf die Ungleichheitsstudie aus dem Arbeitgeberlager lohnt sich. Sie bezieht nämlich einen häufig übersehenen Vermögensbestandteil mit ein: die Renten- und Pensions-Anwartschaften.

Tatsächlich erscheint das untere Viertel der deutschen Bevölkerung gar nicht mehr so arm: Ohne Rentenanwartschaften verfügt es über keinerlei Vermögen, ist im Schnitt sogar mit 4400 Euro verschuldet. Inklusive Rentenanwartschaften jedoch besitzen die ärmsten 25 Prozent immerhin knapp 59.000 Euro.

Die politische Folgerung aus dieser Studie? Gerade im Interesse der ärmeren Bürger muss das gesetzliche Rentensystem unbedingt solide finanziert bleiben. Daran versündigen sich gerade all jene Politiker, die glauben, der demographische Wandel werde durch entschlossenes Augenzukneifen verschwinden. Bert Rürup, Präsident unseres Handelsblatt Research Institute (er dreht sich übrigens auch um, wenn man ihm „Rentenpapst“ hinterherruft), zeigt in einer großen Analyse gangbare Auswege aus dem Rentendilemma.

Es gibt Zwickmühlen, die sind so gemein, dass sie sich nur die Realität ausdenken kann: Da wollen wir nun alle gute grüne Bürger sein und setzen Solaranlagen auf jedes halbwegs geeignete Hausdach zwischen Flensburg und Füssen. Und dann stellt sich raus: Das darin massenhaft verwendete Silizium wird offenbar häufig von chinesischen Zwangsarbeitern gefördert – und vor Ort auch noch mit Energie aus schmutzigem Kohlestrom verarbeitet.

Ausweichen auf andere Lieferländer? Schwierig bis unmöglich. Also um der Menschenrechte willen doch lieber weiter mit Öl heizen? Irgendwie auch keine Lösung – die deutsche Solarbranche steht dem Problem einigermaßen ratlos gegenüber, wie unser Tagesthema zeigt.

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Ein ganz ähnliches Dilemma erlebt jeder, der einmal versucht, statt Hack vom Metzger Fleischersatzprodukte aus dem Bio-Regal zu verwenden. Jeder einzelne Bratling steckt in einer Art Hartschalenkoffer aus Plastik. Nach dem Veggie-Burgeressen mit der Familie quillt die gelbe Tonne über, und schon wieder erleidet das grüne Gewissen einen empfindlichen Dämpfer. Gut zu wissen, dass immer mehr Lebensmittelhersteller nun zumindest damit experimentieren, Plastikverpackungen durch solche aus Papier zu ersetzen. Der Coca-Cola-Konzern testet in Ungarn sogar eine Papierflasche.

Und dann ist da noch Allen Weisselberg. Er ist Finanzchef der Trump Organisation, der Immobilienholding des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Der New Yorker Staatsanwalt hat nun Anklage in 15 Punkten gegen Weisselberg und die Trump Organisation erhoben, ein bunter Reigen von Diebstahl bis Steuerbetrug. Im Kern geht es darum, dass Führungskräfte der Holding Vergünstigungen außerhalb der Bücher erhalten haben sollen, von Leasingautos bis Studiengebühren für die Kinder.

The Trump Organization's Chief Financial Officer Allen Weisselberg appears in court in New York, Thursday, July 1, 2021. Weisselberg was arraigned a day after a grand jury returned an indictment charging him and Trump’s company with tax crimes. Trump himself was not charged. (AP Photo/Seth Wenig,Pool) Quelle: AP
Gegen den Finanzchef der Trump-Organisation, Allen Weisselberg, wurde Anklage in 15 Punkten erhoben.

The Trump Organization's Chief Financial Officer Allen Weisselberg appears in court in New York, Thursday, July 1, 2021. Weisselberg was arraigned a day after a grand jury returned an indictment charging him and Trump’s company with tax crimes. Trump himself was not charged. (AP Photo/Seth Wenig,Pool)

(Foto: AP)

Die Trump Organisation bezeichnete Weisselberg in einer Mitteilung als „Bauernopfer“, und da könnte das Unternehmen glatt recht haben: Natürlich möchte sich jeder ehrgeizige Staatsanwalt mit demokratischem Parteibuch (was hier der Fall ist) gerne den Skalp des ehemaligen Präsidenten an den Krokoledergürtel hängen. Das Interesse an einer Verurteilung von Herrn Weisselberg dürfte hingegen überschaubar ausfallen. Dessen juristischer Wert besteht in dem, was er über Donald Trump wissen könnte und vielleicht verrät – oder auch nicht.

Ich wünsche Ihnen einen aufschlussreichen Tag.
Herzliche Grüße
Ihr

Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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