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Morning Briefing Corona-Demonstration wird zum Streitfall

27.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das Recht zu demonstrieren ist in einer freiheitlichen Gesellschaft ein hohes Gut. Es gilt sogar für Leute, die nicht den Mut haben, sich ihres Verstandes zu bemühen, sondern lieber Corona-Verschwörungstheorien auf dem Messenger-Dienst Telegram inhalieren. Von daher gesehen ist es womöglich kontraproduktiv, dass Berlins Innensenator Andreas Geisel von der SPD eine für das Wochenende geplante Demonstration gegen die deutsche Corona-Politik absagen ließ. Seine Begründung: „Ich bin nicht bereit, ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird.“

Bei einer Versammlung Anfang August hätten sich Teilnehmer bewusst über Auflagen und Hygieneregeln hinweggesetzt, so Geisel. Das alles wirkt für die Initiatoren wie eine unverhoffte Schützenhilfe, um die deutsche Demokratie doch noch als Virologen-Diktatur zu enttarnen. Man träumt vom „Pegida-Effekt“. So gehen sie vors Verfassungsgericht, gleichzeitig betreiben rechtsgerichtete Influencer im Netz Agitprop heftiger Art. Motto: Reist in die Hauptstadt zum „Sturm auf Berlin“. Für Deutschland hat Norwegen inzwischen eine Reisewarnung ausgesprochen, aber nicht wegen der Corona-Radikalen, sondern wegen hoher Infektionszahlen.

Als „Schwedens Sonderweg“ wurde von allen Anti-Söderisten Deutschlands in den vergangenen Wochen stets die höchst liberale Corona-Politik der Regierung in Stockholm beschrieben. Das Land kennt bis heute kaum Kontaktbeschränkungen und keine Maskenpflicht. Restaurants, Friseure, Fitnessstudios und Einkaufszentren blieben genauso offen wie Vor- und Grundschulen. Unser Korrespondent Helmut Steuer zieht in einer Tiefenanalyse Bilanz:

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    • Das Bruttoinlandsprodukt ging im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich nur um 8,3 Prozent zurück, in der Euro-Zone dagegen um 15 Prozent und in Deutschland um 11,7 Prozent.
    • Finnland und Dänemark aber hatten trotz eines viel strengeren Lockdowns einen geringeren Einbruch der Ökonomie zu melden.
    • Die schwedischen Todeszahlen jedoch sind erschreckend hoch, mehr als 5800 starben an Covid-19. Deutschland hat achtmal so viele Einwohner, aber im Verhältnis eine geringere Zahl von Toten, nämlich knapp 9300.

    Durchgesetzt hat sich Chef-Epidemiologe Anders Tegnell mit seiner ökonomischen Vorsicht: „Wir müssen immer auch auf die Wirtschaft schauen, wir dürfen sie nicht zugrunde richten.“ In der Gesundheitspolitik aber gibt es keine Erfolgsmeldung. Kürzlich appellierten sogar 25 namhafte schwedische Wissenschaftler in „USA Today“ an die Amerikaner: „Geht nicht den schwedischen Weg!“

    Er genoss den Status, einer der mächtigsten Männer in Brüssel zu sein. Schließlich hatte es Phil Hogan als EU-Handelskommissar mit den Zoll-Frondeuren aus den USA zu tun. So erklärt sich, dass der 60-Jährige partout nicht zurücktreten wollte, als seine Verstöße gegen Corona-Regeln publik wurden. Das Dinner einer Golf-Gesellschaft im Westen Irlands mit 80 Gästen übertraf die gesetzlich verordnete Obergrenze für solche Events bei Weitem. Am Ende half alles Finassieren nichts: Gestern Abend trat Hogan zurück. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte von dem irischen Politiker eine Erklärung verlangt, die sie akribisch prüfte. Kurzum: Der Mann war wegen der Vorbildfunktion solcher Amtsträger einfach nicht mehr zu halten.

    Am 18. November werden sich die geprellten Gläubiger des Pleiteunternehmens Wirecard mit Insolvenzverwalter Michael Jaffé im Münchener Löwenbräukeller treffen, ganz nach der Devise: Jede Zahl mit Null multipliziert ergibt unweigerlich Null. Zum „Fall Wirecard“, dem Lügenmonster, das es in den Dax schaffte, starten wir einen Podcast, der jeden Mittwoch auf unserer Webseite und in der App Podimo erscheint. Er soll helfen, „das System, das den Betrug möglich gemacht hat, noch besser zu erklären“, sagt Chefredakteur Sven Afhüppe.

    Unser Team hat mit vielen Wegbegleitern des fallierten Wirecard-Führungsteams sowie mit Investoren, Politikern, Kriminologen und Detektiven gesprochen. Bertolt Brecht hätte seine Freude an den Gaunern aus Aschheim bei München gehabt: „Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.“

    Zu den faszinierenden Wirtschaftsgeschichten zählen diejenigen über Luft- und Raumfahrt. Die Aussicht auf Innovation und Business fliegt quasi mit. So gibt es inzwischen weltweit 330 „Space-Start-ups“, an die im vorigen Jahr 5,7 Milliarden Dollar flossen, errechnete die Analysefirma Bryce Space and Technology. Zentrum des Geschäfts sind die USA, aber auch China und Japan legen zu.

    In Deutschland aber fehlt noch das angekündigte Weltraumgesetz. So kommt es, dass bei der ersten Finanzierungsrunde des vielversprechenden Jungunternehmens Morpheus Space aus Dresden gleich fünf Wagniskapitalgeber aus den USA einstiegen. Als Vertreter von Pallas Ventures zieht der frühere US-Marineminister Richard V. Spencer in den Aufsichtsrat ein. „Der Astronaut muss weiter“, singt Udo Lindenberg, „in irgendeinem Sternental geh ich als Staubkorn nieder“.

    Und dann ist da noch das gut fränkische Traditionsunternehmen der Faber-Castells, die gelegentlich als „Bleistift-Dynastie“ geadelt werden. Der legendäre Patron Anton-Wolfgang von Faber-Castell (1941-2016) hat für zwei Familienstämme gesorgt, die sich mit einer gewissen Radikalität in den Haaren liegen: Der 40-jährige Sohn Charles aus erster Ehe hat es dabei mit der geballten Frauenpower der 68-jährigen Witwe Mary und ihrer drei Töchter Katharina, Sarah und Victoria zu tun. Jedes der Kinder hält 22,5 Prozent.

    Für besondere Würze sorgt das bisher nicht bekannte gräfliche Testament, wonach ein „Golden-Shares-Paket“ bis 2026 an einen „geeigneten Nachfolger“ gehen soll. In dieser Rolle sieht Gräfin Mary eher eine ihrer Töchter als den Stiefsohn, dessen Aufstieg zum Chef von Europa und Nordamerika sie verhindert haben soll. Ein Umsatzrückgang um 112 Millionen auf 555 Millionen Euro seit 2017 verschlechtert die gereizte Stimmung zusätzlich, sodass mit Dominik von Au ein nobilitierter Berater von PwC als Mediator wirken muss. Eine Familienverfassung soll es richten. Vielleicht reden sie einmal über Giovanni Boccaccio, den Verfasser des „Decamerone“: „Wer tugendhaft lebt und handelt, der legt seinen Adel an den Tag.“

    Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Tag.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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