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Morning Briefing Corona-Hilfe verabschiedet: Biden feiert „historischen Sieg“

11.03.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

auf den Spuren von Franklin D. Roosevelt und dessen „New Deal“ der 1930er-Jahre wähnt sich US-Präsident Joe Biden. Darauf deutet schon der pompös-patriotische Titel „Amerikanischer Rettungsplan“ für sein neues Corona-Konjunkturprogramm.

Es ist 1,9 Billionen Dollar schwer. „Awesome“, wie man bei solchen Gelegenheiten gerne sagt. Nach dem Senat hat das XXL-Care-Paket auch das Repräsentantenhaus passiert, wo Bidens Demokraten die klare Mehrheit haben.

Quelle: Reuters
Nach dem Senat hat das XXL-Care-Paket auch das Repräsentantenhaus passiert, wo Bidens Demokraten die klare Mehrheit haben.

Der Präsident selbst spricht von einem „historischen Sieg“ und wird das Gesetz am Freitag mit großer Geste unterschreiben. Vorgesehen sind verlängerte Arbeitslosenhilfen, Steuernachlässe für Familien und Geringverdiener, Impfungen und Corona-Tests sowie Schecks à 1400 Dollar für Millionen Bürger.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Empfänger damit nicht als Daytrader beim Börsenboom mitzocken: Der Dow Jones erreichte mit 32.390 Punkten sein Allzeithoch. Dass die US-Staatsverschuldung nunmehr wenig unter 30 Billionen Dollar liegt, ist für die meisten im Volk nur eine Fußnote der Geschichte.

Wenn wir schon bei der Verschuldung sind, stoßen wir schnell auf die bisher eherne Stabilitätsformel Europas. Sie war mal unter dem Codewort „Maastricht“ zu finden. Es handelt sich um Kriterien, die Theo Waigel mitgestaltet hat – damals in den frühen 1990er-Jahren, als der Euro-Raum designt wurde. Hauptregel: Schulden dürfen maximal 60 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen.

Die heutige Realität sieht so aus, dass viele über 100 Prozent liegen. Und nun rücken auch immer mehr Politiker vom Mantra Maastricht ab. Schon hat die EU-Kommission wegen der Pandemie die ungeliebten Regeln auch für 2022 ausgesetzt. Jakob von Weizsäcker, Chefökonom im Bundesfinanzministerium, lässt nach unseren Informationen Maastricht-Reformoptionen durchspielen.

Intern sagte er: „Um irgendeine Art von Renovierung der Schuldenregeln werden wir wohl nicht herumkommen, auch wenn das natürlich viele Fragen aufwerfen wird.“ Nullzinsen wecken nun mal Kreditfantasien und nicht Schwäbische-Hausfrau-Korrektheiten. Näheres nach der Bundestagswahl.

Bayer in Leverkusen, das stand zuletzt für: Rechtsprobleme rund um die US-Neuerwerbung Monsanto, Rückschläge im Geschäft, schwache Zahlen. Es habe „natürlich einige Enttäuschungen“ gegeben, gesteht CEO Werner Baumann und macht dann lieber mit Positivprognosen in Pastell Mut.

So will er den Patentauslauf des Milliarden-Medikaments Xarelto ab 2024 durch „drei große Pharmaprodukte in der Pipeline“ ausgleichen, mit „Blockbuster-Potenzial“ natürlich. Konkret sagt Baumann im Handelsblatt-Gespräch über…

  • den schwachen Aktienkurs: „Ich habe selbst signifikant ins Unternehmen investiert. Ich bin mir sicher, dass, wenn wir mit unseren Themen vorankommen, sich dies auch im Aktienkurs widerspiegeln wird. Wir arbeiten intensiv daran, Vertrauen zurückzugewinnen.“
  • die Zukunft im Agrargeschäft: „Eine der bahnbrechenden Entwicklungen der nächsten Jahre wird unser niedrig wachsender Mais sein. Tests auf Agrarflächen in Mexiko zeigen, dass dieser Mais weniger anfällig ist für Wetterextreme, die durch den Klimawandel immer häufiger werden.“
  • die europäische Regulierung: „Die gesamte Pflanzenbiotechnologie findet schon nicht mehr in Europa statt. Und auch beim Genom-Editing, das die Medizin revolutionieren wird, sind wir dabei, den Anschluss zu verlieren. Ich wünsche mir, dass wir eine innovationsoffene Gesellschaft werden.“

Wenn sich Baumanns Optimismus mittelfristig allerdings als bloße Gesundbeterei erweisen sollte, wird seine Karriere zum Notfall.

Quelle: Wirecard
Unter den Führungsfiguren des Potemkinschen Konzerns namens Wirecard galt Burkhard Ley als eine Art Sparkassendirektor, der sich nur in der Tür verirrt hat.
(Foto: Wirecard)

Unter den Führungsfiguren des Potemkinschen Konzerns namens Wirecard galt Burkhard Ley als recht seriös, als eine Art Sparkassendirektor, der sich nur in der Tür verirrt hat. Zwar war er zwölf Jahre Finanzchef, sei aber „nur bis Ende 2017 an möglichen Taten beteiligt gewesen“, meint der Staatsanwalt über den Manager, der einige Monate in U-Haft saß.

Dokumente, die unsere Investigativ-Reporter einsehen konnten, zeichnen ein anderes Bild. Ausgerechnet in Asien, im Zentrum des Milliarden-Bilanzbetrugs, war Ley sehr aktiv, etwa beim Kauf einer aufgehübschten, wenig werthaltigen indischen Firma.

Oder bei Deals in China, wobei Ex-CDU-Spitzenkräfte beim Lobbying halfen. Zuletzt war Ley als Berater für 900.000 Euro brutto angeheuert, plus Dienstwagen und Bonus. Sein Spitzname bei Wirecard: „Mister Teflon“.

Wirecard ist auch bei der heutigen Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bank ein Randthema. Gesucht wird ein Nachfolger für den Kontrolleur Alexander Schütz, der sich aus eigenen Stücken zur nächsten Versammlung verabschiedet.

Der Österreicher hatte im Februar 2019 seinem Landsmann Markus Braun, damals angeschlagener, leicht schwitzender CEO bei Wirecard, eine persönliche Solidaritätsmail geschrieben. Der Finanzkonzern solle die „Financial Times“ wegen ihrer kritischen Berichte „fertig machen“, empfahl der Chef der C-Quadrat Investment Group. Die Deutsche Bank hat sich daraufhin sofort von ihrem krawalligen Aufsichtsrat distanziert.

Quelle: Reuters
Medienmogul Rupert Murdoch wird an diesem Donnerstag 90 Jahre alt.

Und dann ist da noch Medienmogul Rupert Murdoch, der an diesem Donnerstag 90 Jahre alt wird. Vertraute berichten, der gebürtige Australier sei weiterhin extrem fit und tatendurstig. Sein Homeoffice ist das englische Holmwood House nahe Henley-on-Thames, ein Country House aus den 1700er-Jahren, das Ehefrau Jerry Hall 2019 für mehr als elf Millionen Pfund entdeckte.

Murdoch ist nach wie vor Executive Chairman der Zeitungsgruppe News Corp, zu der „Wall Street Journal“, „The Times“, „The Sun“ und „The Australian“ gehören. Und als Co-Chairman gebietet er über Fox Corporation mit dem Trumpisten-Kanal Fox News.

Im Kampf der Giganten fehlt es dem Methusalem der Medien jedoch zusehends an Größe, nachdem er vor wenigen Jahren das Hollywood-Studio 21st Century Fox an Disney sowie Sky an Comcast verkauft hat.

Ende März läuft nun eine Klausel des Disney-Deals aus, die ihm größere Akquisitionen untersagt. Und so dürfte „Rupe“ in seinem 91. Lebensjahr bald wieder unter den Piranhas im Forellenbecken zu finden sein. Es gilt ein Bonmot von George Bernard Shaw: „Alte Leute sind gefährlich, sie haben keine Angst vor der Zukunft.“

Ich wünsche Ihnen einen gefahrenfreien Tag.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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