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Morning Briefing Corona-Politik im Sommerschlaf

09.07.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Äußerungen des Hamburger Schulsenators Ties Rabe (SPD) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa lesen sich wie eine Reise ins Herz der Ideenlosigkeit. Festinstallierte Luftfilter in Klassenzimmern? Wenig sinnvoll, denn selbst bei größter Anstrengung würde der Einbau mehrere Jahre dauern, meint der Senator. Und die mobilen Luftfilter, die keinerlei Installationsarbeiten erfordern? Hier fordert Rabe von der Bundesregierung erstmal ein entsprechendes Förderprogramm. So, und jetzt bitte alle wieder hinlegen.

Willkommen im zweiten Corona-Sommer, in dem in Deutschland erneut der Attentismus regiert! Die Debatte um die Luftfilter zeigt es exemplarisch. Mit ihnen bestünde zumindest die Chance, erneute Schulschließungen im Herbst zu vermeiden, wenn das Virus unter den dann immer noch ungeimpften Kindern grassiert. Doch die Politik wiederholt die Fehler des Jahres 2020: Erstmal Urlaub, und dann mal sehen.

Noch liegen die Fallzahlen niedrig, aber wie ein fernes Wetterleuchten ist die Reproduktionszahl des Virus laut Robert Koch-Institut erstmals seit April wieder über die Schwelle von Eins geklettert. Alles läuft auf ein Rennen hinaus: Schaffen wir es, schneller zu impfen, als die Delta-Variante sich ausbreitet?

Quelle: Bloomberg
Die EZB-Chefin Christine Lagarde, hier ein Archivbild aus dem Juni, verantwortet die erste große Strategieänderung der Zentralbank seit zwei Jahrzehnten.
(Foto: Bloomberg)

Der legendäre Ölunternehmer Calouste Gulbenkian ging als „Mister Five Percent“ in die Wirtschaftsgeschichte ein, weil er von jeder Ölfirma, die er formte (unter anderem Royal Dutch Shell), fünf Prozent der Aktien behielt. Das Geld reichte immerhin für ein sehr sehenswertes Kunstmuseum in Lissabon.

Seit gestern kennt die Welt auch eine „Madame Two Percent“: Unter ihrer Präsidentin Christine Lagarde hat die Europäische Zentralbank eine nur auf den ersten Blick unscheinbare Anpassung ihrer Strategie vorgenommen. Statt wie bisher bei knapp unter zwei Prozent definiert die EZB ihr Inflationsziel nun bei zwei Prozent. Ein Überschreiten dieser Schwelle ist in Zukunft also ebenso tolerabel wie ein Unterschreiten, eine harte Obergrenze gibt es nicht mehr. Brisant ist die Anpassung auch deshalb, weil die Inflation in Deutschland nach Einschätzung des Handelsblatt Research Institute gerade schnurstracks in Richtung vier Prozent marschiert.

Macht „Madame Two Percent“ aus dem Euro nun eine Weichwährung? Erhebt sich Karl Otto Pöhl aus seinem Grab, um die Ehre der Bundesbank zu retten? Und was hat sich sonst noch an der EZB-Strategie geändert? Meine Frankfurter Kollegen haben die Details.

Man schrieb das Jahr des Herrn 1981, der oben erwähnte Karl Otto Pöhl war kurz zuvor Bundesbankpräsident geworden, da verabschiedete das Bundeskabinett unter Kanzler Helmut Schmidt seine Strategie für einen flächendeckenden Aufbau eines Glasfasernetzes in der Bundesrepublik. Zieldatum: 2015. Heute, 40 Jahre nach dem Ausbaubeschluss, macht Glasfaser fünf Prozent der deutschen Breitbandverbindungen aus. Das offizielle Ziel der Bundesregierung lautet nun: Glasfaser flächendeckend bis 2025. Vorsichtige Gemüter mahnen, das könne ebenfalls ein bisschen knapp werden.

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Unser großer Wochenendreport zeigt zweierlei: Ohne moderne Glasfaserleitungen kann der digitale Wandel in Deutschland nicht gelingen. Zukunftsanwendungen wie die Industrie 4.0 werden ausgebremst, weil schnelle Datenleitungen fehlen. Und nein, wir brauchen nicht noch ein Glasfaser-Förderprogramm des Bundes (der soll von dem Geld lieber Schulsenator Rabe ein paar mobile Luftfilter spendieren). Es gibt inzwischen genug private Investoren, die darauf brennen, in ein deutsches Glasfasernetz zu investieren. Was fehlt, ist ein intelligentes Marktdesign, das die Interessen von Geldgebern, Telekommunikationsfirmen sowie Kundinnen und Kunden überein bringt.

Der Ausverkauf an den Börsen, der gestern in Asien begann und sich in Europa fortsetzte, hat am späten Abend deutscher Zeit auch die Märkte in den USA im Minus schließen lassen. Der breit gefasste Aktienindex S&P 500 büßte 0,9 Prozent ein. Nicht gerade ein schwarzer Donnerstag, aber immerhin der größte Kursrutsch seit fast zwei Monaten. Analysten erklären den Rückschlag mit einer wiederaufkeimenden Furcht vor dem Coronavirus. Vor allem die Sorge, dass die Delta-Variante die Erholung der Weltwirtschaft bremsen könnte, treibe die Investoren um, schrieben etwa Nicholas Colas und Jessica Rabe von Datatrek Research.

Und dann ist da noch der Bestsellerautor J.D. Vance, bekannt geworden durch die anrührende Autobiographie „Hillbilly Elegy“, in der er seine Jugend in der weißen amerikanischen Unterschicht schildert. Das Buch, bekennt SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, habe ihm beim Lesen die Tränen in die Augen getrieben. Nun bewirbt sich der Autor, mittlerweile als Wagniskapitalunternehmer erfolgreich, um einen Sitz im US-Senat.

Die die globale Sozialdemokratie kann gleich noch einmal um Vance weinen: Er will nämlich für die Republikaner antreten. Als einen seiner ersten Kampagnenschritte löschte Vance seine kritischen Tweets über Donald Trump und reiste zum Ex-Präsidenten nach Florida, um dessen Segen für seine Kandidatur zu erbitten.
Merke: Wer seine Vergangenheit einmal hinter sich lassen kann, der kann es auch ein zweites Mal.

Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem sie zu allen Ihren Taten stehen können.

Herzliche Grüße
Ihr

Christian Rickens
Textchef Handelsblatt

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