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Morning Briefing Corona trifft die Exportnation Deutschland mit voller Wucht

30.04.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

was Handelsblatt-Leser bereits seit Ende vergangener Woche wissen, ist jetzt offizielle Regierungsverlautbarung: Der Bund erwartet für 2020 einen Einbruch des Wirtschaftswachstums um 6,3 Prozent. So stark ist das Bruttoinlandsprodukt in der Nachkriegsgeschichte in keinem Jahr geschrumpft – nicht einmal während der Weltfinanzkrise. Allein die Exporte könnten 2020 um fast zwölf Prozent sinken. Die Corona-Pandemie trifft die Exportnation Deutschland mit voller Wucht. Und jetzt kommt die eigentliche schlechte Nachricht: Niemand kann heute seriös abschätzen, wie schlimm die Rezession wirklich wird.

Quelle: dpa
Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß, dass die Bundesregierung nicht alle Unternehmen retten kann.

Selbst Wirtschaftsminister Peter Altmaier, sonst ein durchweg optimistischer Politiker, wählt angesichts dieser Krise seine Worte mit Bedacht. Er weiß, dass die Bundesregierung mit Hilfen von mehr als einer Billion Euro zwar ein historisches Rettungspaket aufgelegt hat. Aber selbst diese Summe wird nicht reichen, um alle Unternehmen zu retten. „Ziel muss es sein, dass wir die Substanz unserer Wirtschaft erhalten, unsere Unternehmen und unsere Beschäftigten durch diese Krise hindurch begleiten“, sagte Altmaier gestern bei der Vorstellung der Frühjahrsprognose der Bundesregierung. Das neue Erwartungsmanagement des Wirtschaftsministers heißt Realismus.

Der Lockdown des Landes, die Kurzarbeit und die Wirtschaftskrise haben bei vielen Menschen Zukunftsängste ausgelöst. Die Zeiten, in denen die Zahl der Erwerbstätigen stieg und die Zahl der Arbeitslosen kontinuierlich sank, sind vorbei. Nach zehn Jahren Wirtschafts- und Beschäftigungswunder steigt die Arbeitslosigkeit wieder – auf bis zu drei Millionen Arbeitslose, so die Schätzung der Bundesregierung. Erst Kurzarbeit, dann Rauswurf? Unter dem Titel „Die große Jobangst“ haben meine Kollegen die angespannte Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt analysiert.

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    Die Folgen der Pandemie beschäftigen auch Kardinal Reinhard Marx. Der Erzbischof hat die Fragen von Kirsten Ludowig und Peter Brors per Telefon in seinem Arbeitszimmer im Palais Holnstein beantwortet. Seine Sätze lesen sich wie ein moralischer Leitfaden in der Coronakrise: „Je länger der Zustand dauert, umso besser muss er begründet werden. Und jeder weiß, dass er nicht ewig aufrechterhalten bleiben kann. Aber wir sollten nicht drängen.“ – „Wir müssen sehr genau darauf achten, dass die Gesellschaft beieinanderbleibt. Nicht nur in der Isolationsphase, sondern vor allem danach. Dann erst zeigt sich, ob es Krisengewinner und -verlierer gibt – und ob das vernünftig aufgefangen wird und das Gefühl der gerechten Behandlung von Gruppen und Personen nicht verloren geht.“ – „Die sozialen, politischen und ökologischen Folgen eines ungebremsten Kapitalismus kommen jetzt verstärkt auf die Tagesordnung. Die Fragen nach einer neuen Weltordnung mit Blick auf Handels- und wirtschaftliche Beziehungen, Anreizsysteme und ein Gemeinwohl für alle werden nun lauter denn je.“

    Quelle: Reuters
    ILO-Chef Guy Ryder warnt vor weltweit mehr als 300 Millionen verlorener Arbeitsplätze durch die Corona-Pandemie.

    Als Kardinal Marx diese Sätze formulierte, kannte er die neue Prognose der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) noch nicht. Nach Schätzungen der ILO könnten im zweiten Quartal 2020 weltweit rund 305 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen. Für Millionen von Menschen bedeute kein Einkommen auch kein Essen, keine Sicherheit und keine Zukunft, sagte ILO-Generalsekretär Guy Ryder. Die „neue Normalität“ zeigt sich hier von der dunklen Seite.

    Angesichts solcher Schreckensszenarien ist es nur verständlich, dass die Debatten über die richtige Medizin zur Stabilisierung der Wirtschaft an Intensität gewinnen. Unternehmenslenker blicken in diesen Tagen vor allem nach Amerika. Dort hat die US-Regierung den Verlustrücktrag, also die Verrechnung von Verlusten aus der Krisenzeit mit Steuervorauszahlungen auf die Gewinne aus der Vergangenheit, auf fünf Jahre ausgedehnt – und zwar unbegrenzt. In Deutschland hat die Große Koalition Verlustrückträge auf eine Million Euro limitiert, weshalb viele Firmen gezwungen sind, auf die Kredite der KfW zurückzugreifen. Der Unterschied ist enorm: In Amerika bekommen die Unternehmen frisches Geld, ohne dass ihre Verschuldung steigt. Die Schulden steigen stattdessen beim Staat. Nicht ausgeschlossen, dass wir nach der Coronakrise feststellen, dass die US-Regierung ihrer Wirtschaft besser geholfen hat. Pflichtlektüre für das Bundeskabinett.

    Die nächsten Schritte zur Aufhebung des Lockdowns prüfen Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen. In diesen Ländern sollen Tourismus, Hotels und Gastgewerbe bereits Anfang Mai wieder schrittweise hochgefahren werden. Die Länder wollen ihr Konzept in die Wirtschaftsministerkonferenz einbringen. Man kann gespannt sein, wie das Echo aus dem Kanzleramt in Berlin ausfällt.

    Christian Sewing zählte schon vor Corona zu den leidgeprüften Managern des Landes. Nun sieht sich der Chef der Deutschen Bank angesichts der angespannten Geschäftslage offenbar so unter Druck, dass das Geldhaus künftig Negativzinsen für Privatkunden erhebt. Betroffen sind Neuverträge mit hohen Einlagen jenseits eines Freibetrags von 100.000 Euro je Konto. Statt Zinsen für ihr Geld zu bekommen, müssen wohlhabende Kunden bald eine Abgabe zahlen, in der Banksprache Verwahrentgelt genannt. Früher warb die Deutsche Bank mit dem Slogan „Leistung aus Leidenschaft“. Heute müsste der Satz „Kassieren aus Leidenschaft“ heißen.

    Quelle: AFP
    Christian Klein sieht SAP finanziell gut aufgestellt für die Coronakrise.
    (Foto: AFP)

    Und dann ist da noch Christian Klein. Der SAP-Boss hat gerade erst die Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt, doch im Interview mit dem Handelsblatt gibt sich der jüngste Dax-Chef schon wieder zuversichtlich, dass sein Konzern „gestärkt aus der Krise hervorgehen“ werde. SAP sei nicht immun gegen die Krise, aber man sei finanziell gut aufgestellt. Offenbar sind die Kassen so gut gefüllt, dass Klein die Frage, ob SAP im Krisenfall Staatshilfe annehmen würde, rigoros verneint: „Nein, dazu besteht kein Grund.“ Gut zu wissen, dass es Unternehmen gibt, die ohne fremde Hilfe durch die Krise kommen.

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames, verlängertes Wochenende. Nutzen Sie den Tag der Arbeit doch als Tag des Lesens.

    Herzliche Grüße

    Ihr
    Sven Afhüppe
    Chefredakteur

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