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Morning Briefing Corona vernichtet Wachstum

09.04.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die konjunkturellen Schleifspuren der Corona-Pandemie sind so deutlich wie befürchtet. Im zweiten Quartal erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose einen Einbruch des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 9,8 Prozent. Das ist die größte Schrumpfung, seit Quartalswerte ab 1970 gemessen werden – und sie ist doppelt so groß wie der Einbruch während der Weltfinanzkrise Anfang 2009. Im gesamten Jahr 2020 soll die Wirtschaftsleistung um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgehen. Das ist viel, aber weniger als manche Ökonomen bisher prognostiziert hatten.

Das Einknicken der Konjunktur bleibt nicht ohne Folgen für den Arbeitsmarkt. Laut der Gemeinschaftsdiagnose soll die Arbeitslosenquote auf 5,9 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr betrug sie noch fünf Prozent. Die Zahl der Kurzarbeiter soll demnach auf 2,4 Millionen ansteigen. Doch es könnte noch schlimmer kommen, sollten die strengen Ausgangsbeschränkungen nach dem 19. April nicht gelockert werden. Bei einer Verlängerung des Lockdowns um einen Monat schrumpft das Wachstum in diesem Jahr um weitere eineinhalb Prozent. Man kann nur hoffen, dass jeder in der Bundesregierung diese Stelle in dem Gutachten sorgfältig liest.

Für die aktuelle Titelgeschichte hat das Handelsblatt mit Experten gesprochen und Bedingungen für eine schrittweise Rückkehr in die Normalität aufgeschrieben.

Eine öffentliche Debatte über eine Lockerung der Sicherheitsmaßnahmen hat Kanzlerin Angela Merkel ausdrücklich verboten. Dabei ist es die entscheidende Frage: Wie gelingt eine verantwortungsvolle Rückkehr in die Freiheit? Die Bürger haben viel Verständnis für die aktuelle Einschränkung ihrer Grundrechte. Aber sie brauchen eine Perspektive, wann und wie sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder normalisiert. In der aktuellen Titelgeschichte „Sicherheit und Freiheit“ hat das Handelsblatt mit vielen Experten gesprochen und Bedingungen für eine schrittweise Rückkehr in die Normalität aufgeschrieben. Pflichtlektüre für alle, die wissen wollen, wie der Lockdown nach und nach beendet werden kann.

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    Die Frage beschäftigt viele in Deutschland. Doch nur wenige Politiker reden öffentlich über das Thema, weil sie der Kanzlerin nicht in den Rücken fallen wollen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der irgendwann nach der Coronakrise CDU-Chef werden will, wird im Handelsblatt-Interview deutlich: „Wir brauchen einen klaren Fahrplan, durch den das öffentliche und das wirtschaftliche Leben wieder ins Laufen kommt.“ Für eine mögliche Öffnung müssten klare Regeln für den richtigen Abstand und die richtigen Schutzmaßnahmen gelten. Die Rückkehr in die Normalität wird nicht einfach, aber sie ist möglich.

    Unterstützung bekommt Laschet von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der CDU-Politiker hält erste Schritte aus dem Corona-Stillstand nach Ostern für möglich. „Wir sehen einen positiven Trend. Aber der muss sich verstetigen“, sagte Spahn im Interview mit dem Handelsblatt. In einem freiheitlichen Rechtsstaat könnten weitreichende Einschränkungen von Grundrechten „nur so lange funktionieren, wie sie verstanden und akzeptiert werden“. Der Satz ist als Mahnung an die Bremser in der Lockerungsdebatte gedacht.

    Die Europäische Union steht vor einer historischen Blamage. Auch nach einem Verhandlungsmarathon bis in die frühen Morgenstunden konnten sich die EU-Finanzminister gestern nicht auf weitere Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM im Kampf gegen Corona einigen. Die Frage, unter welchen Bedingungen die Milliarden fließen, hat die alten Konflikte zwischen den Nord- und Südländern aufgerissen. Heute soll ein neuer Anlauf unternommen werden. Wann, wenn nicht jetzt, wollen die Mitgliedsländer der Welt beweisen, dass Europa ein Kontinent der Solidarität ist?

    Quelle: Andy Ridder für Handelsblatt
    Unternehmer Reinhold Würth sorgt sich um die Zukunft der Europäischen Union.
    (Foto: Andy Ridder für Handelsblatt)

    Der Unternehmer Reinhold Würth sorgt sich angesichts der aktuellen Debatten um die Zukunft der Europäischen Union. Im Interview mit dem Handelsblatt wirft er der Bundesregierung „eine gewisse Kleinkariertheit“ vor. Er plädiert für die kontrovers diskutierten Eurobonds, und zwar im Umfang von fünf Billionen Euro. „Wenn wir weiter in Frieden und Freiheit in Europa leben wollen, dann können wir doch auch für die Schulden von Italien oder anderen Nehmerländern haften.“ Sein Argument: In der Würth-Gruppe sei man schließlich auch bereit, den italienischen und spanischen Landesgesellschaften Geld zuzuschießen, wenn nötig. Würths Botschaft an die Politik: Mehr Macht für Europa.

    Wie die Corona-Pandemie überwunden werden kann, zeigt China. Nach zweieinhalb Monaten dürfen sich die mehr als elf Millionen Einwohner von Wuhan wieder frei bewegen. Gestern wurden die Autobahnen und der Schnellzugbahnhof wieder geöffnet. Es bleiben zwar etliche Wohnviertel geschlossen, und die Menschen wurden aufgefordert, so wenig wie möglich rauszugehen. Doch die ersten Schritte in die chinesische Freiheit sind gemacht.

    Quelle: dpa
    Senator Bernie Sanders ist aus US-Präsidentschaftsrennen ausgestiegen.

    Und dann ist da noch Bernie Sanders. Der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten hat gestern seinen Rückzug erklärt. Er könne es nicht verantworten, einen Wahlkampf fortzusetzen, der für ihn nicht zu gewinnen sei, sagte Sanders in einer Rede, die wegen Corona per Webcast übertragen wurde. Damit ist der Weg frei für seinen innerparteilichen Konkurrenten Joe Biden. Der ist bei den Demokraten zwar deutlich beliebter, aber bisher ohne große Idee aufgefallen. Um Donald Trump als US-Präsidenten abzulösen, muss Biden mehr liefern. Womöglich gilt auch für ihn der Satz: Konkurrenz belebt das Geschäft und das Gehirn.

    Ich wünsche Ihnen trotz dieser besonderen Situation ein schönes Osterfest. Denken Sie an die Kontaktsperren, damit die Coronakrise bald ein Ende hat.

    Herzliche Grüße

    Ihr
    Sven Afhüppe
    Chefredakteur

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing: Corona vernichtet Wachstum"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Würths Botschaft an die Politik: Mehr Macht für Europa. => Irgendwann einmal, als fernes Ziel - OK.
      Jetzt nicht - den Brexit schon vergessen? - Mehr Macht gibt es erst wenn die Erweiterungpolitik gestopt ist und alle Mitglieder auf einen Level gebracht worden sind. Das ist vereinfacht dargestellt um den Beitrag nicht unnötig zu vergrößern.

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