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Morning Briefing Corona-Wahrheit über Merkel

15.10.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

„Mianzi“, die chinesische Übung des „Face-Saving“, gilt auch in Berlin. So musste Angela Merkel gestern Abend eine Zufriedenheitsmiene zu den aktuellen Corona-Beschlüssen zeigen, obwohl sie intern ihrer Wut freien Lauf gelassen hatte: „Die Ansagen von uns sind nicht hart genug, um das Unheil von uns abzuwenden.“ Es geht um jenes Unheil, das sich zuletzt mit täglich mehr als 5000 Neuinfektionen und 43 Todesfällen andeutet. Am Donnerstagmorgen meldete das Robert Koch-Institut einen neuen Rekordwert bei den Neuinfektionen.

Merkel im Alarmmodus: „Es reicht einfach nicht, was wir hier machen. Die Grundstimmung ist, dass sich jeder ein kleines Schlupfloch sucht. Und die Liste der Gesundheitsämter, die es nicht schaffen, wird immer länger.“ Wer will schon die Herrin der Schlupflöcher sein?

Nach über acht Stunden Talk sahen sich Bundeskanzlerin und die Vertreter der 16 Bundesländer lediglich in der Lage, eine Empfehlung auszusprechen: für eine Sperrstunde und Alkoholstopp in der Gastronomie ab 23 Uhr, das Ganze bei 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Und die diversen Hotspots im Land erhielten drei Ansagen: verstärkte Maskenpflichten, auf zehn Teilnehmer beschränkte Feiern sowie Veranstaltungen mit maximal 100 Teilnehmern. Merkel wiederholte, was sie schon im März gesagt hatte: dass es ernst sei. Aber bei weitem nicht alle nehmen es so ernst wie sie.

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    Diese Krise der zweiten Corona-Welle ist nicht nur der viel beschworene allgemeine „Charaktertest“, sie ist auch ein Führungstest. Manche lesen sogar im Grundgesetz nach, was eigentlich „Richtlinienkompetenz“ bedeutet: „Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung.“ Was die besorgten und irritierten Bürger angeht, so fordert Charité-Virologe Christian Drosten in der „Zeit“, sie seien stärker in die Pflicht zu nehmen. Ein Corona-Kontakt-Tagebuch sei Pflicht, sagt er: „Das Gesundheitsamt muss zurückblicken: War der Patient in einem Großraumbüro tätig, feierte er mit Verwandten, während er wirklich infektiös war, also etwa seit Tag zwei vor Symptombeginn?“

    Quelle: Reuters
    Frankreichs Präsident äußerte sich in einem TV-Interview zur Lage.

    Wie rasch ein Lockdown kommen kann, zeigt das Beispiel Frankreich. Präsident Emmanuel Macron verkündete gestern Abend im Fernsehen Ausgangssperren für Paris und acht weitere Großstädte. Hier ist der Gesundheitsnotstand ausgerufen: Danach dürfen die Bürger von Samstag an zwischen 21 Uhr und sechs Uhr das Haus nicht mehr verlassen. Wer keinen triftigen Grund dafür hat, müsse 135 Euro Strafe zahlen. Wenn Macron sagt, „wir haben die Kontrolle nicht verloren“, befürchtet er genau das: Kontrollverlust. Bei zuletzt erneut fast 23.000 Neuinfektionen am Tag ist diese Angst verständlich.

    Heute sollte das zweite TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden laufen. Doch die Chance auf eine Rekultivierung des Gesprächs fällt aus, da der US-Präsident die vorgeschlagene virtuelle Debatte ablehnt. Er kam dann vielmehr auf die Idee, es seinem Widersacher aus der Demokratischen Partei nachzumachen – und setzte für Donnerstagabend um 20 Uhr Ortszeit ein Treffen mit Wählern in Miami an. NBC überträgt.

    Biden hatte schon in der vorigen Woche, in Abstimmung mit dem Sender ABC, ein ähnliches Format für Philadelphia ausgemacht. Zur Eskalation des politischen Streits an der Spitze mit allen Mitteln findet der republikanische Senator Mitt Romney deutliche Worte: Die US-Politik sei vor der Präsidentenwahl am 3. November zu einem „gemeinen, von Schmährede geprägten, hasserfüllten Morast“ verkommen. Er hätte auch von „Catchen im Schlamm“ reden können.

    Für Chinas Staatspräsident Xi Jinping ist Hongkong so etwas wie der ewige Party-Crasher, der das Narrativ von einer rasant in die Moderne wachsenden Volkswirtschaft stört. Die Rebellionen in der einstigen Kronkolonie erfordern Polizeipräsenz und sind imageschädlich. Eine industriepolitische Antwort hat Xi, der neue Mao in Peking, nun gegeben. Er kündigt an, Shenzhen zur „Modell-Stadt“ zu machen, mit innovativen Industrien, einem wachsenden Finanzdistrikt, mehr Handelsaktivitäten und chinesischer Rechtsstaatlichkeit.

    Innerhalb von 40 Jahren ist aus dem ehemaligen Fischerdorf, das wie Hongkong am Sham Chun Fluss liegt, ein Industriekraftzentrum geworden, vor allem dank Huawei und Tencent. Die neuen Pläne von Xi laufen auf ein Anti-Hongkong hinaus, das zum neuen Hongkong wird. Bestätigung kann Xi bei seinem Lieblingsautor Konfuzius finden: „Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag.“

    Quelle: Merck
    Der Darmstädter Konzern Merck hat sein Geschäftsportfolio in den letzten zwei Jahrzehnten auf Pharma, Biotech und Elektronikchemikalien konzentriert.


    (Foto: Merck)

    Für zwei deutsche Chemieriesen endet das Jahr 2020 mit hässlichen Spuren in der Bilanz. Da ist Bayer aus Leverkusen, gebeutelt von Glyphosat-Prozessen nach dem Monsanto-Kauf, und kurz vor einem zweistelligen Milliardenverlust. BASF aus Ludwigshafen wiederum leidet unter Überkapazitäten und erwartet das schlechteste Ergebnis seit zwei Jahrzehnten. Schlimmer noch: BASF ist mit einer Marktkapitalisierung von 50 Milliarden Euro, Bayer mit insgesamt 44 Milliarden klar weniger wert als die Merck KGaA, die 56,5 Milliarden erreicht.

    Damit sind die Darmstädter erstmals das wertvollste deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen – ein „bemerkenswerter Favoritenwechsel“, kommentiert unser Experte Siegfried Hofmann. Mit Spezialchemie, besseren Zukäufen und einer effizienteren Forschung hat Merck die anderen abgehängt, was auch ein Lehrstück ist.

    M&A-News: Private Equity boomt Quelle: Bloomberg
    Derzeit verfügen die Beteiligungshäuser nach der Berechnung des Analysehauses Preqin über rund 1,5 Billionen Dollar, die sie für Firmenkäufe einsetzen können – Tendenz steigend.
    (Foto: Bloomberg)

    Alle Zeichen auf Firmenjäger – Private Equity meldet sich nach einer Corona-Zwangspause zurück. Denn Finanzinvestoren können für rund 1,5 Billionen Euro Zukäufe abschließen, referiert unsere Titelstory, die Pipeline ist voll. „Wir beobachten nun wieder steigende Aktivität, die sich im vierten Quartal fortsetzen sollte“, sagt Jochen Butz, Geschäftsführer von HQ Trust, dem Vermögensverwalter der Harald Quandt Gruppe, zum Boom von Private Equity. Kürzlich erst hatte Advent mit dem Kauf des Logistikers Hermes von der Otto Group den Anfang gemacht. Als nächstes zeichnet sich ein Deal mit der Noch-Siemens-Getriebetochter Flender ab, um die vier Private-Equity-Häuser buhlen. Und dann dürften beispielsweise Lufthansa Technik und der Fahrradbauer Canyon Bicycles noch folgen.

    Und dann ist da noch die einstige Vatikan-Sicherheitsberaterin Cecilia Marogna, die in Mailand wegen des Verdachts der Unterschlagung festgenommen wurde. Sie hat bei ihrer Arbeit für den Heiligen Stuhl eng mit dem aus Sardinien stammenden Kardinal Giovanni Angelo Becciu kooperiert, der vor zwei Wochen wegen des Verdachts auf Vetternwirtschaft von Papst Franziskus geschasst wurde.

    Marogna soll zwischen Dezember 2018 und Juli 2019 rund eine halbe Million Euro vom Staatssekretariat des Vatikans kassiert haben – über eine in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana registrierte Firma. Das Geld wurde offiziell für „humanitäre Operationen“ verbucht, soll aber zum guten Teil für Handtaschen, Restaurantbesuche sowie Ledersitzmöbel drauf gegangen sein. Alleine dafür gab sie über 200.000 Euro aus. Mit Matthäus zitieren wir ein Jesus-Wort: „Wenn ein Blinder den anderen führt, so fallen sie beide in die Grube.“

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen, unfallfreien Tag.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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