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Morning Briefing Corona-Zäsur in Thüringen

Vor Wochen noch harte Corona-Maßnahmen, am 6. Juni soll alles wieder aufgehoben werden: Thüringen sendet konträre Signale und löst scharfe Kritik aus.
25.05.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

aus Jena in Thüringen kam vor Wochen das erste Zeichen harter Anti-Corona-Maßnahmen: Mundschutz für alle. Jetzt sendet das Ost-Bundesland völlig konträre Signale. Ministerpräsident Bodo Ramelow will die allgemeinen Beschränkungen vom 6. Juni an aufheben. Also kein Mindestabstand, keine Kontaktschranken, kein Mundschutz mehr, sondern nur regionale Maßnahmen. Der Linken-Politiker Ramelow argumentiert bei seinem Solo mit aktuell nur 245 Infizierten (statt geschätzten 60.000) – und provoziert viel Widerspruch.

Ramelow relativiere die Krankheit, sagt SPD-Politiker Karl Lauterbach, vom „Gang aufs Minenfeld“ spricht Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP), von einem hochgefährlichen Experiment der CSU-Politiker Florian Herrmann. Die Kritiker fühlen sich durch zwei jüngste Vorfälle bestätigt: Nach einer Restaurantfeier in Leer sind 18 Personen, nach einem Gottesdienst in Frankfurt am Main sogar 107 Menschen positiv getestet worden. „Die Tür zum Paradies bleibt versiegelt“, befand einst Soziologe Niklas Luhmann, „durch das Wort Risiko“.

Heftige Debatten gibt es auch in Schweden, dem Vorbildland für alle, die wie beispielsweise die Schriftstellerin Julie Zeh gegen eine „Gesundheitsdiktatur“ sind. Dort sagt Annika Linde, von 2005 bis 2013 Chef-Epidemiologin des Landes, die Regierung hätte besser zu einem frühen Zeitpunkt auf härtere Restriktionen gesetzt, um so das Virus unter Kontrolle zu bringen: „Dann hätten wir den Schutz der Gefährdeten sichergestellt.“

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    Sie kritisiert damit offen ihren Nachfolger Anders Tegnell, der es anders als der Rest der Welt machte und das Land nicht auf „Lockdown“ stellte. Die Zahl von 4000 schwedischen Corona-Toten liegt weit über den Werten der skandinavischen Nachbarländer, die hart durchgriffen. Tegnell selbst spricht von einer „schrecklichen Situation“, glaubt aber nicht, dass ein Herunterfahren der sozialen Aktivitäten geholfen hätte.

    Quelle: Reuters
    Zum Gedenken an die fast 100.000 Corona-Toten in den USA hat die „New York Times“ am Wochenende die Namen Hunderter Covid-19-Opfer auf ihre Titelseite gedruckt.

    Heute zelebrieren die USA in Gedenken ihrer Kriegstoten den „Memorial Day“. Schon am Wochenende hat die Nation gefeiert, trotz fast 100.000 Corona-Toten und 39 Millionen Arbeitslosen. Die „New York Times“ verzichtete auf der Front Page auf Fotos, Grafiken und den üblichen Aufmacher – und druckte die Namen Hunderter Covid-19-Opfer mit einem jeweiligen Kurzverweis auf ihre Tätigkeiten.

    Damit bewies die Zeitung an einem Tag mehr Empathie als der US-Präsident in drei Virus-Monaten. Am gestrigen Abend erklärte das Weiße Haus, angesichts von bestätigten 350.000 Corona-Infektionen in Brasilien dürfte aus diesem Land niemand mehr einreisen. Dass sich Jair Bolsonaro, Präsident in Brasilia, seinem Vorbild Donald Trump immer sehr nahe gefühlt hat, bewirkte in diesem Fall keine mildernden Umstände.

    In Berlin hat sich US-Botschafter Richard Grenell als treuester Trumpist und als Zentrum eines rechtskonservativen Netzwerks einen gewissen Namen gemacht. In Tweets attackierte er mehrmals – ganz und gar undiplomatisch – im Steve-Bannon-Stil die Bundesregierung.

    Vermissen werden den 53-Jährigen vermutlich nicht viele, wenn er wirklich in den nächsten Wochen abtritt, wie die in solchen Sachen nicht sehr spekulative Deutsche Presse-Agentur verbreitet. Die Geschäfte soll seine Stellvertreterin Robin Quinville übernehmen, heißt es. Da Grenell auch den kommissarischen Job als US-Geheimdienstkoordinator abgegeben hat, wäre er hundertprozentig frei für Jobs aller Art.

    Quelle: dpa
    VW-Chef Herbert Diess investiert massiv in die Entwicklung von neuen Betriebssystemen.

    Wie fit sind die deutschen Autokonzerne im Kampf um neue Betriebssysteme gegen Tesla und Google? Diese Frage haben wir uns in der neuen Titelgeschichte gestellt. Am radikalsten geht VW-Chef Herbert Diess („Tech oder Tod“) vor, der „Revoluzzer“ im Spiel, der den Eigenanteil an der Entwicklung von Software von zehn auf mehr als 60 Prozent steigern will. Allerdings hat just jener Diess derzeit bei der IT die größten Probleme.

    Als „Kaufmann“ tritt Daimler-CEO Ola Källenius an, der mit Software-Updates sein Geld machen will. Und als „Traditionalist“ wirkt schließlich BMW-Steuermann Oliver Zipse, der sich auf den Autobau konzentriert, in Software nur eine Komponente sieht, aber das eigene Betriebssystem OS 7 über die Neuwagenflotte ausrollt – „over the air“, wie das so schön heißt. „I can feel it in the air tonight“, sang Phil Collins in glücklichen Momenten, „well I‘ve been waiting for this moment for all my life.“

    Der deutsche Kohleausstieg in all seinen Widersprüchlichkeiten wird heute zum großen Debattenthema in Berlin. Vor der öffentlichen Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestages melden sich auch einstige Mitglieder der Kohlekommission, die das faktische Procedere der Regierung als Verfälschung des gefundenen Kompromisses begreifen. Der Gesetzesentwurf widerspräche den früheren Empfehlungen „in wesentlichen Punkten“, kritisiert zum Beispiel Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Es fehle die vereinbarte zügige Abschaltung von Kraftwerken. Felix Matthes, Energieökonom am Freiburger Öko-Institut, weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass sich das Umfeld „signifikant“ verändert habe: Vor allem sei das schadstoffärmere Erdgas wettbewerbsfähiger geworden, sodass die Steinkohleverstromung enorm unter Druck sei. Klingt so, als müsste am besten eine neue Kommission sich alles noch mal anschauen.

    Quelle: dpa
    Die DFB-Nationalmannschaft als Hauteinnahmequelle des Verbandes sollte nach Ansicht des Generalsekretärs im September wieder spielen.

    Und dann ist da noch Friedrich Curtius, Generalsekretär des Deutschen Fußballbundes (DFB), der die Nationalmannschaft im September wieder spielen sehen will – branchenüblich ohne Zuschauer. Es sei ja kein Geheimnis, sagte er meiner Kollegin Diana Fröhlich und mir, dass die Vermarktung der Nationalelf die Haupteinnahmequelle des Verbands sei. Weder mit der 3. Liga noch mit der Frauen-Bundesliga verdiene der DFB Geld. Auf einem außerordentlichen Bundestag müssen die Fußball-Gesandten unter anderem auch klären, wie es mit den Amateuren und Jugendmannschaften weitergehen soll. Es müsse das Interesse sein, so Curtius, „im Sog des Profibereichs auch den Fußball an der Basis wieder zu beleben“. Auch das Image des DFB dürfte nach all den Geisterspieldebatten eine Belebung brauchen.

    Ich wünsche Ihnen einen sturmstarken Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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