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Morning Briefing Covid-Kapitalismus aus Berlin

16.06.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

seien wir ehrlich: Bevor irgendwelche langen industriepolitischen Grundsatzdebatten beginnen, sollte einfach mal festgehalten werden, dass Angela Merkel oder, von mir aus, Peter Altmaier einer wichtigen deutschen Biotech-Firma wichtiger sind als Donald Trump. Es war der US-Präsident himself, der sich vor einigen Wochen dem Tübinger Impfstoffentwickler Curevac näherte, den er allem Anschein nach in die USA abwerben wollte.

Nun aber steigt die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Tübingen ein und übernimmt für 300 Millionen Euro rund 23 Prozent des Kapitals. Hier ist Klugheit Strategie, was nicht zuletzt den SAP-Mitgründer und Curevac-Mehrheitseigner Dietmar Hopp freut, wie unsere Titelstory schildert. Wenn wir Glück haben, wird ein Anti-Covid-Serum aus der schwäbischen Universitätsstadt kommen und am Ende nebenbei eine schöne gesamtgesellschaftliche Rendite produzieren.

Was Sie schon immer über die neue Corona-App wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten, erfahren Sie im Aufmacher unseres Ressorts Unternehmen & Märkte. Mit 14 Fragen und Antworten entschlüsseln meine Kollegen Christof Kerkmann und Stephan Scheuer, wie gut das heute zur Präsentation anstehende Digitalprodukt der Bundesregierung ist. Freiwilligkeit der Nutzung ist auf jeden Fall Pflicht.

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    Die App wird in der Branche weitgehend gelobt – aber eine komplexe Software, die innerhalb weniger Wochen entstanden ist, könnte weiterhin Schwachstellen haben, urteilen unsere Autoren. Entscheidend sind die Betriebssysteme von Apple und Google auf den Smartphones jüngeren Datums – nur der chinesische Konzern Huawei muss aufgrund der US-Sanktionen Sonderwege gehen. Bei neuen Modellen passen die Tüftler in Shenzhen und Schanghai die Systeme selbst an.

    Quelle: AFP
    US-Präsident Donald Trump hat seine Pläne für einen Truppenabzug aus Deutschland bestätigt.
    (Foto: AFP)

    Mit einem politischen Drucksystem nach Buffalo-Bill-Art wartet US-Regierungschef Donald Trump gegenüber Deutschland auf. Die Zahl der hier stationierten GIs werde von 35.000 auf 25.000 sinken, falls die Deutschen nicht mehr Geld für die Nato zahlten, kündigte er jetzt an. Man kann das, je nach Geschmack, „Deal“ oder Erpressung nennen. Dass hierzulande die Verteidigungsausgaben stark stiegen, lässt ihn kalt, da das vereinbarte Ziel – zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) – verfehlt wird. Ketzerischer Gedanke: Vielleicht war ja einfach das Nato-Ziel falsch. Der Anteil öffentlicher Entwicklungshilfeausgaben am BIP liegt übrigens bei jämmerlichen 0,67 Prozent.

    Noch einmal Donald Trump. Legendär war sein Commander-in-Chief-Rat: „Nehmen Sie es!“ Das alles garniert mit den PR-Formeln, die Anti-Malaria-Mittel Chloroquin und Hydroxychloroquin seien im Anti-Covid-Kampf wirklich „Game Changer“ und ein „Geschenk Gottes“. Das glaubte besonders der deutsche Bayer-Konzern gern, der sich eine Renaissance für seine entsprechende Ware erhoffte. Man feuerte den Hype noch an und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ließ größere Mengen reservieren.

    Nachdem jetzt Studien wegen Todesfällen abgebrochen wurden, entzieht die amerikanische Pharma-Aufsichtsbehörde FDA die Notfallgenehmigung für den Einsatz an Covid-19-Patienten. Sie warnt vor schweren Herzrhythmusstörungen. Die neue Losung: „Lassen Sie es!“

    Wer gestern Abend die „Story im Ersten“ sehen wollte, musste sich mit dem globalen Markt für Sneaker beschäftigen – und nicht mit „Wuhan – Chronik eines Ausbruchs“. Was hier ausbrach, war journalistische Redlichkeit. Die Stuttgarter ARD-Anstalt Südwestrundfunk hätte es fast fertiggebracht, reichlich aus dem Fundus des China Intercontinental Communication Center (CICC) zu schöpfen, einer Einheit des staatlichen Verkündungsapparats. Das CICC führte offenbar die Experteninterviews für den Fernsehbeitrag und beriet die deutsche Produktionsfirma Gebrüder Beetz. Diese hat in der Branche wegen etlicher Auszeichnungen eigentlich einen guten Ruf. Die Doku genüge denn auch allen journalistischen und juristischen Ansprüchen befand der SWR am Ende. Nur leider hatten die Beetz-Brüder nicht alle Rechte am CICC-Material. Als Ausweg blieb nur ein Programmersatz.

    Quelle: AFP
    Siegfried Russwurm soll die Präsidentschaft des Bundesverbands der Deutschen Industrie übernehmen.
    (Foto: AFP)

    Und dann ist da noch Diplom-Ingenieur Siegfried Russwurm, der den größten Teil seines Berufslebens bei Siemens verbrachte. Dort aber brachte ihn sein Weg nicht ganz an die Spitze, denn wo immer er auch hinkam, Joe Kaeser war schon da. Seitdem hat er es zu zwei Chefposten in Aufsichtsräten gebracht: bei Voith in Heidenheim und bei Thyssen-Krupp in Essen. Nun soll der 56-Jährige Anfang 2021 den Zierposten der deutschen Wirtschaft schlechthin übernehmen: die Präsidentschaft des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Vorgänger Dieter Kempf gibt nach vier Jahren den Vorsitz ab. Das Credo von Russwurm zur Digitalisierung („Der Mensch bleibt unerlässlich“) dürfte ihm auch als Cheflobbyist weiterhelfen.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag, gelegentlich mit der Erkenntnis: „Muße bleibt unerläßlich.“

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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