Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Curevac-Schock vor Mitternacht

17.06.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die börsennotierte Tübinger Biotech-Firma Curevac hatte bekanntlich als erste auf die mRNA-Technologie gesetzt. Das veranlasste viele – auch den Bund als Neu-Aktionär – auf einen baldigen Erfolg mit dem Corona-Impfstoff der Schwaben zu setzen. Kurz vor Mitternacht kam gestern die große Ernüchterung, in Form einer Pflichtmitteilung:

Leider verfehle das eigene Serum mit einer vorläufigen Wirksamkeit von 47 Prozent die statistischen Erfolgskriterien. Das habe an einer „beispiellosen Bandbreite an Varianten“ des Virus gelegen, sagt CEO Franz-Werner Haas: „Wir hatten auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft.“ Viele hatten mit ihm gehofft. Im nachbörslichen Handel sackte die Aktie um 50 Prozent ein.

Vielleicht glauben Sie auch, die Preise seien in Wahrheit viel höher als offiziell angegeben. In diesem Fall können Sie Ökonomen der Großbank Unicredit in den Zeugenstand rufen. Die gewichten in ihren Modellen jene Waren besonders stark, die wie Lebensmittel oder Benzin oft gekauft werden. Aktuelles Ergebnis: eine „gefühlte Inflation“ von 4,1 Prozent – der höchste Wert seit neun Jahren.

Quelle: dpa
Die US-Notenbank stellt zwei Zinsschritte in Aussicht.

Weil aber auch die tatsächliche Inflation ansteigt, hat die US-Notenbank nun vielsagend erklärt, die Debatte über ein Zurückfahren der extrem lockeren Geldpolitik habe begonnen. Die Fed hält zwar nach ihrer Sitzung die Zinsen weiter in der Kelleretage – zwischen 0,00 und 0,25 Prozent – sie macht aber auch klar, für 2023 von zwei Zinsanhebungen um insgesamt einen halben Prozentpunkt auszugehen. Auf die Weissager von Washington reagierte die Wall Street ebenfalls sofort mit Kursrückgängen.

„Um zu sprechen, muss man denken, zumindest annäherungsweise“, befand Voltaire, der Freund des Preußenkönigs Friedrich II. Was dachten sich wohl Joe Biden und Wladimir Putin bei ihrem ersten Treffen in Genf? Vielleicht, dass es nicht aufs Resultat, sondern auf die Geste ankommt. Dass der Eindruck noch vor dem politischen Druck kommt. Der US-Präsident also kann hoffen, fürs Weltpublikum nachdrücklich als Menschenrechtskämpfer gewirkt zu haben, er hat ja Alexej Nawalny erwähnt. Putin wiederum genießt die Wertschätzung daheim, auf Augenhöhe über den Zustand der Welt zu reden, ohne ihn ändern zu müssen.
Fazit: Dass man die jeweiligen Botschafter wieder zulässt und im Dialog bleiben will, hat ungefähr die Bedeutung des Anknipsens eines Lichtschalters bei anbrechender Nacht.

Quelle: VDU, K+S KALI, laif, Montage
Ina Schlie, Alexa Hergenröther, Tina Müller (v.l.): Sie gehören mit zu den Managerinnen des Netzwerks.
(Foto: VDU, K+S KALI, laif, Montage)

Es wird viel über „alte weiße Männer“ gelästert, die Politik und Wirtschaft so sehr beherrschen würden, dass der neue Zentralwert „Diversity“ nicht richtig zur Geltung kommt. Wenn es um die Start-up-Szene geht, stehen aber auch „junge weiße Männer“ in der Kritik: Sie gründen 85 Prozent der Jungunternehmen. Eine Korrektur im Markt streben 60 Top-Managerinnen an. Sie starten „encourageventures“, das nach eigenen Angaben größte Investorinnen-Netzwerk im Land.

Man wolle „die Start-ups mit Frauen über alle Wachstumsphasen hinweg begleiten“, sagt Gründungsmitglied und Co-Chefin Ina Schlie im Handelsblatt-Interview. Von „Mut machen“ und „Vorbilder sein“, spricht Multi-Aufsichtsrätin Alexa Hergenröther. Mit dabei ist etwa auch Douglas-Chefin Tina Müller. Ein geplanter Fonds namens „All Female Growth Fund“ mit bis zu 200 Millionen Euro soll die Initiative flankieren.

Weil es so schön ist, zitieren wir an dieser Stelle einfach mal die große Simone de Beauvoir: „Adam war nichts als ein Rohentwurf, und die Schöpfung des Menschen ist Gott erst völlig gelungen, als er Eva geschaffen hat.“

Man muss dem Gesundheitsminister Jens Spahn in der Corona-Rückbetrachtung ziemlich viel verzeihen. Seine Amtsführung war geprägt von Ambition, aber leider auch von Amateurklassen-Management. Darauf hat jetzt der Bundesrechnungshof laut „Spiegel“ unbarmherzig hingewiesen. Er moniert, die von Spahn beschafften 5,8 Milliarden Masken hätten den – für sich auch schon unhaltbaren, vom Ministerium berechneten – Bedarf von 4,7 Milliarden „noch um 23 Prozent“ überstiegen.

Zu 6,3 Milliarden Euro Beschaffungskosten kämen noch „Annexkosten“ von bisher 320 Millionen für Rechtshändel und Entsorgung. Die „Überbeschaffung in diesem Ausmaß“ sei „vermeidbar“ gewesen, bilanzieren die Finanzkontrolleure. Zudem sei vieles unzureichend dokumentiert worden. Das Corona-Chaos wurde ganz offenbar im Staats-Chaos gespiegelt.

Bei dem Maskenthema war aber auch Täuschung dabei, so jedenfalls ließ sich Minister Spahn bei einer Befragung durch bayerische Staatsanwälte und Kriminalbeamte aus. Es geht um 30 Millionen Masken der Firma Lomotex, die der Günzburger Ex-CSU-Spitzenparlamentarier Georg Nüßlein vermittelte. Gegen den mittlerweile fraktionslosen Bundestagsabgeordneten wird wegen Bestechlichkeit ermittelt.

Spahns Aussagen laufen nach Erkenntnissen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ auf totale Unschuldsbekundungen hinaus. Niemand habe gewusst, dass Nüßlein Provisionen kassierte, man sei getäuscht worden und menschlich schwer enttäuscht. Damit qualifizierte sich CDU-Politiker Spahn als Zeuge der Anklage. Insgesamt kauften seine Behörde, das Innenministerium und Bayerns Gesundheitsministerium für 60 Millionen Euro bei Lomotex, stolze 20 Millionen gingen für Provisionen drauf.

Wie geht es mit dem Gesundheitswesen weiter? Wie sichern wir Versorgung zu günstigen Preisen? Was leistet hier die Digitalisierung?

Für solche richtungsweisenden Debatten hat das Handelsblatt gemeinsam mit Partnern die Plattform „The Health Circle“ gegründet. Wir wollen Akteure vernetzen und einen Dialog auf Augenhöhe ermöglichen. Sie sind herzlich eingeladen, mitzumachen. Registrieren Sie sich bitte einfach kostenlos für unser erstes virtuelles Event – „Unboxing Future Health“ – am kommenden Montag, 21. Juni, 17.00 bis 19.45 Uhr. Zur Anmeldung geht es hier.

Grafik

Und dann ist da noch die allseits beliebte Ferieninsel Mallorca – auf der Reisende derzeit lernen können, was Inflation ist. So kostet eine Nacht im Hotel im Juli bis zu 54 Prozent mehr als 2019, Flüge von Deutschland auf die Balearen sind um 21 Prozent teurer. Mietwagen kosten schon mal 150 Euro am Tag. Touristen leiden somit unter dem volkswirtschaftlichen Gesetz, dass bei starker Nachfrage und noch schwachem Angebot nun mal die Preise explodieren.

Die einen – Anbieter auf der Insel der Inflation – sind wegen der Pandemie noch vorsichtig, die anderen – Muße-Maximierer aus Deutschland – jedoch hedonistisch. Wenn erst einmal auch die Engländer kommen, dürfte es noch teurer werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren:

Morning Briefing: Alexa
Startseite
Mehr zu: Morning Briefing - Curevac-Schock vor Mitternacht
0 Kommentare zu "Morning Briefing : Curevac-Schock vor Mitternacht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%