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Morning Briefing Das deutsche Frauenteam für Europa

29.06.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche steht unter dem Eindruck alter Skandale (Tönnies, Wirecard) und neuer Hoffnungen, verbunden mit der am Mittwoch einsetzenden EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands. Im Handelsblatt-Interview preist EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Parteifreundin Angela Merkel als „starke Frau“, die so ähnlich wie sie selbst über die Modernisierung Europas denke. Das Stark-wie-zwei-Team muss wahrscheinlich auf zwei EU-Gipfeln das Corona-Wiederaufbauprogramm in Höhe von 750 Milliarden Euro durchdrücken. „Wichtig ist, dass wir vor der Sommerpause fertig werden“, sagt von der Leyen. Ihren Zukunftsplan hat sie „Next Generation“ genannt – die zahlt ja auch dafür. Wie, ist derzeit noch unklar.

Quelle: Verband für die mittelständische Wirtschaftsprüfung
Der Chef des Branchenverbands wp.net und Vorstand der Wirtschaftsprüferkammer Michael Gschrei spricht Klartext über den Super-GAU bei Wirecard.


(Foto: Verband für die mittelständische Wirtschaftsprüfung)

Weltweit wird anerkannt, dass der Wirecard-Crash eine Voll-Blamage für den Finanzstandort Deutschland ist, ein „Super-Gau“ für die Wirtschaftsprüfer, wie Michael Gschrei das nennt. Der Chef des Branchenverbands der mittelständischen Wirtschaftsprüfer und Vorstand der Wirtschaftsprüferkammer redet bei uns Klartext über die um fast zwei Milliarden Euro künstlich aufgeblähte Bilanz des Dax-Konzerns. Die Prüfer von EY hätten die Aufgabe einer risikoorientierten Abschlussprüfung verfehlt und „wohl nicht genau hingeschaut“, sagt Gschrei. Das sei für ihn „grob fahrlässig“ – und Folge eines Systemversagens, mit zu viel Macht bei den Prüfkonzernen EY, PwC, Deloitte und KPMG („Big Four“). Diese spielten demnach auch eine gewisse Rolle bei der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), jener „Bilanzpolizei“, die bei Wirecard kuschelweich blieb. Die Bundesregierung wird heute den Vertrag mit der DPR kündigen und wohl mehr „Bilanzpolizisten“ bei der ebenfalls befleckten Bafin einsetzen.

In Polen möchte die nationalkonservative PiS gern jene Dominanzrolle spielen, die Fidesz in Ungarn oder „Einiges Russland“ im Reiche Putins innehaben. Am Sonntag erlitten die Autoritativen aus Warschau jedoch einen Dämpfer: Staatsoberhaupt Andrzej Duda verfehlte bei der Präsidentschaftswahl mit 42 Prozent die notwendige absolute Mehrheit und muss in die Stichwahl – gegen den Liberalen Rafał Trzaskowski, der auf gut 30 Prozent kam. Die Wahlbeteiligung war sehr hoch, der Schicksalsfrage des Landes also angemessen. Sie handelt vom Sein oder Nicht-Sein in Europa. Oder davon, ob mit dem Warschauer Bürgermeister Trzaskowski ein bisschen Churchill wahr werden könnte: „Die Reiche der Zukunft sind Reiche des Geistes.“

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    Die Abstrafung des Staatspräsidenten Emmanuel Macron lief bei der zweiten Runde der französischen Kommunalwahlen noch rigoroser als in Polen die Abrechnung mit PiS. Macrons Bewegung „La République en Marche!“ landete zwar in Le Havre einen Erfolg, wo Édouard Philippe siegte. In Paris dagegen gewann die sozialistische Amtsverteidigerin Anne Hidalgo, die Fahrräder statt Autos in der Innenstadt propagiert. In gleich mehreren großen Städten wie Lyon, Bordeaux, Marseille und Straßburg lagen die Grünen vorne. Mit Sicherheit wird sich der Macronismus im Land auf Konterattacke verständigen: „Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht“, wusste William Faulkner.

    Von Wahl zu Wahl steigt die Zahl der Bundestagsabgeordneten. Liegt schon die aktuelle Rekordgröße mit 709 Parlamentariern über allen Vernunftgrenzen, so legt Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus noch ein Schippchen drauf. Er will eine Deckelung erst bei 750 Mandaten. FDP, Grüne und Linke halten davon gar nichts, sie wollen ganz einfach weniger Wahlkreise, was wiederum die CSU ärgert. Hier hält man es für verfassungswidrig, wenn Gewinner von Wahlkreisen nicht in den Bundestag kämen. Klar ist, dass in der jetzigen Sitzungswoche vor der Sommerpause eine Lösung hermuss, sonst wird das nichts bis zur Bundestagswahl im Herbst 2021.

    Quelle: AFP
    Großaktionär Heinz Hermann Thiele fordert harte Einschnitte bei der Lufthansa.
    (Foto: AFP)

    Was weiß man jetzt nicht alles über Heinz Hermann Thiele! Dass er als junger Mensch die 100 Meter in 10,8 Sekunden lief oder als Tellerwäscher gearbeitet hat zum Beispiel oder dass er sich als Patriot sieht. So steht es in etlichen aktuellen Porträts. Ein letzter Zweifel bleibt, warum er nach seinen erfolgreichen Take-over-Aktionen bei Knorr-Bremse und Vossloh nun auch die Lufthansa im Visier hat, mit einem Aktienpaket von mehr als 15 Prozent. Der 79-Jährige fordert gegenüber unserer Redaktion harte Einschnitte bei der Airline, auch müsste ein Verkauf von Beteiligungen (Technik, Catering) geprüft werden. Das alles erklärt nicht, warum er den geplanten Staatseinstieg nach heftigem Widerstand am Ende doch billigte. Die härteste Probe moderner Gesellschaften ist das „Fegefeuer der Eitelkeiten“.

    Wie laufen Insolvenzverfahren in Corona-Zeiten? Welche Sanierungskonzepte funktionieren? Und wie wirkt sich „The New Normal“ auf die Nachhaltigkeitsziele aus? Diesen Fragen widmen wir uns auf der Handelsblatt Jahrestagung Restrukturierung – Digital Edition: Vom 6. bis 8. Juli 2020 senden wir live aus dem Handelsblatt TV-Studio in Ihr Büro. Zu den Referenten gehören Burkard Göpfert (Partner und Rechtsanwalt, Kliemt.Arbeitsrecht), Sabine Vorwerk (Partnerin und Rechtsanwältin, Linklaters) sowie Andreas Warner (Partner und Leiter Restructuring Services, Deloitte). Haben Sie Lust, live mitzudiskutieren? Dann mailen Sie mir bis heute Abend, ich habe ein Dutzend Tickets zurücklegen lassen: [email protected]

    Chesapeake Energy war ein Symbol. Die Firma stand für den Fracking-Boom in den USA, für den Aufstieg zum größten Energieproduzenten und auch für die Wirtschaftspolitik des Donald Trump. Jetzt ist das 1989 gegründete Mineralölunternehmen insolvent und beantragt Gläubigerschutz nach „Chapter Eleven“ – das würde die Last der Verbindlichkeiten mildern. Der Corona-Nachfrageeinbruch hat den einst zweitgrößten Energierohstoffkonzern der USA mit seinen mehr als zehn Milliarden Dollar Umsatz schwer getroffen. Ein Symbol wankt.

    Quelle: dpa
    Der Hamburger SV hat am letzten Spieltag die Chance zum Wiederaufstieg verpasst.

    Und dann sind da noch die Profifußballer des Hamburger SV, die zur Lachnummer der Nation werden. Die Norddeutschen, die Jahrzehnte lang erstklassig waren, verpassten am letzten Spieltag die Chance zum Wiederaufstieg – durch eine 1:5-Heimniederlage gegen den harmlosen SV Sandhausen. Profiteure sind die Heidenheimer, die nun gegen Werder Bremen um den letzten Platz in der ersten Liga spielen. In Hamburg warten sie in dieser Misere auf Ansagen des Logistik-Milliardärs Klaus-Michael Kühne, von dessen Geld der Klub abhängt. Bis morgen muss Kühne erklären, ob er weiter als Namenssponsor für das Volksparkstadion auftreten will.

    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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